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Wolff gesteht "Fehleinschätzung": Rückstand 2021 überraschte Mercedes

Bei Mercedes hatte man nicht damit gerechnet, 2021 so viel Zeit auf Red Bull zu verlieren - Für die Zukunft erwartet Toto Wolff keine dominanten Alleingänge mehr

(Motorsport-Total.com) - 2021 verpasste Mercedes zum ersten Mal seit dem Beginn der Hybridära in der Formel 1 einen WM-Titel. Max Verstappen krönte sich in Abu Dhabi zum ersten Nicht-Mercedes-Weltmeister seit Sebastian Vettel im Jahr 2013. Nun gesteht Toto Wolff, dass Mercedes nicht unbedingt davon ausgegangen war, dass die Titelserie 2021 reißen würde.

Lewis Hamilton, Max Verstappen

In der ersten Saisonhälfte hatte Mercedes meistens das langsamere Auto Zoom

"Wir haben geglaubt, dass wir mit dem Einschnitt am [Unter-]Boden vor den Hinterrädern zurechtkommen", sagt er im Gespräch mit 'auto motor und sport' im Hinblick auf die Regeländerung vor der Saison 2021. Der Teamchef gesteht: "Bei dem Vorsprung, den wir 2020 hatten, dachten wir, dass wir das kompensieren können."

2020 hatte Mercedes noch 13 der 17 Saisonrennen gewonnen und überlegen beide WM-Titel geholt. "Wir haben es als eine Art Herausforderung gesehen. Das war eine Fehleinschätzung", gesteht Wolff rückblickend und erklärt: "Bei den Testfahrten haben wir gemerkt, wie viel Rückstand uns das eingehandelt hat."

W12 am Ende besser verstanden

Zwar konnte Mercedes den Auftakt 2021 in Bahrain gewinnen. Allerdings schien Red Bull bereits damals das etwas schnellere Auto zu haben. "Ich schätze mal, dass uns [die Regeländerung im Vergleich zu Red Bull] eine Sekunde gekostet hat", so Wolff. Zwar konnte Mercedes den WM-Kampf bis zum letzten Rennen spannend halten.


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Die Dominanz der Vorjahre war allerdings weg. In einer Phase der Saison gewann Red Bull zwischen Monaco und Spielberg sogar fünf Rennen in Serie, weshalb es für Wolff eine tolle Leistung war, überhaupt bis Abu Dhabi um den Titel kämpfen zu können. "Wir haben unser Auto [im Laufe der Saison] besser verstanden", erklärt er.

"Wir sind vom Set-up besser gelegen und hatten einen geringeren Reifenverschleiß. Das hat sich dann auch in den Rennergebnissen gezeigt", so der Österreicher im Hinblick auf die zweite Hälfte der vergangenen Saison. Die grundlegenden Schwächen des W12 konnte man aus diversen Gründen allerdings nicht beheben.

Wolff erwartet keine Alleingänge mehr

Das lag unter anderem daran, dass Mercedes die Entwicklung des Autos ab einem gewissen Zeitpunkt einstellte, um sich komplett auf das neue Reglement ab 2022 zu konzentrieren. "Ich glaube, dass durch die Budgetdeckelung vieles angeglichen wird", erklärt Wolff im Hinblick auf die neuen Autos.


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"Wenn einer ein Schlupfloch findet und damit davonläuft, werden es alle nachbauen", prophezeit er und erklärt: "Die Autos werden alle sehr ähnlich sein. Das kann im ersten Jahr noch Unterschiede geben. Danach wird es sich ausgleichen. Es wird kein Team mehr geben, das eine Sekunde vorneweg fährt."

Es bleibt abzuwarten, ob Wolffs Prognose stimmt - oder ob er auch hier später wieder von einer "Fehleinschätzung" sprechen wird. Das könnte dann aus Mercedes-Sicht allerdings eine positive sein. Dann nämlich, wenn die Silberpfeile der Konkurrenz ab 2022 doch wieder um die Ohren fahren sollten ...