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  • 02.05.2016 · 15:58

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Williams sieht sich vor Red Bull: Sotschi "keine Eintagsfliege"

War die powerlastige Bahn in Russland für Williams ein Glücksfall oder hat die neue Front des FW38 die Wiederauferstehung bewirkt? - Ferrari strategisch im Vorteil

(Motorsport-Total.com) - Zurück auf Podiumskurs? Nach dem Qualifying zum Russland-Grand-Prix in Sotschi sah noch alles danach aus, als hätte Williams zu alter Stärke gefunden. Doch das Rennen am Sonntag, das Valtteri Bottas und Felipe Massa auf den Rängen vier und fünf beendeten, zeigte, wie groß der Rückstand auf Mercedes und Ferrari tatsächlich noch ist. Trotzdem soll der Aufschwung so schnell nicht zur Flaute verkommen: "Das ist bestimmt keine Eintagsfliege", verspricht Chefingenieur Rob Smedley.

Felipe Massa

Massa will beim Blick auf den Zeitenmonitor wieder mehr Freude Zoom

Der Brite glaubt, dass sich Williams zur dritten Kraft im Feld gemausert hätte: "Gemessen daran", meint Smedley, "was wir und Ferrari zuvor geleistet haben, sind wir wieder näher dran. Unser Ziel war es, Red Bull zu schlagen, was uns locker gelungen ist." Allerdings stellten sich die Österreicher in der Startkurve selbst ein Bein und befanden sich in Sotschi auf einem Terrain, das ihrem Auto nicht schmeckt. Dem FW38 hingegen schon: "Umso weniger Abtrieb, umso besser", so Smedley.

Bottas fürchtet, dass in Spanien und Monaco die Verhältnisse andere sind - wenn der Powervorteil des Mercedes-Hybriden verpufft. "Wir benötigen mehr Grip und mehr Leistung in den Kurven. Da verlieren wir auch auf die großen Teams. Es braucht Abtrieb und mechanischen Grip", betont der Finne. Dennoch wittert Smedley eine Verbesserung des gesamten Paketes, die sich in Russland gezeigt hätte: "Unsere Updates funktionieren und wir bekommen die Vorderreifen auf Temperatur."

Was hat die neue Front wirklich gebracht?

Inwiefern die neue Nase und der neue Frontflügel dazu beigetragen haben will Massa nicht genau beziffern. "Schlechter sind die Teile jedenfalls nicht", sagt der Brasilianer. Er warnt davor, eine Verbesserung auf eine spezielle Komponente zurückzuführen. Zu komplex sei die Formel 1. Klar ist aber: Beim Blick auf die Sektorenzeiten im Qualifying hängt Williams selbst in Aerodynamik-lastigen Abschnitten nur knapp hinter dem vermeintlichen Super-Chassis von Red Bull zurück.


Fotostrecke: GP Russland, Highlights 2016

Gerade in letztem Punkt scheint mit dem pneuschonenden Auto ein Fortschritt gelungen. "Das sind nicht die besten Kurse, aber wir müssen keine Angst haben", beruhigt Rob Smedley die Piloten und pocht auf den Aufwärtstrend auf langsamen Strecken und bei Regen, was schon in China absehbar gewesen war: "Es läuft in Monaco mit Sicherheit besser als 2015", ist er sicher. Massa nennt die Aufgabe aber "so oder so schwierig". Denn er hat wie alle in Grove Mercedes und Ferrari im Visier.

Dafür muss Williams an der Strategie schrauben. Die jüngsten Fehlgriffe nennt Smedley, der zehn Jahre in Maranello unter Vertrag stand, "keinen Kinnhaken", weil bei den Werksteams das bessere Equipment zur Verfügung stünde. "Sie haben die besseren Mittel, um in der Theorie einen Plan zu entwickeln. Es ist ganz anders, wenn man binnen 30 Sekunden alle Informationen simulieren kann." Zum Beispiel verfüge Ferrari über Computer-Programme, um die Auswirkungen von Boxenstopps abzuschätzen, die Williams nicht hätte. Deutlich mehr Personal täte sein Übriges hinzu.

Smedley folgert: "Da ist es keine große Überraschung, dass wir verglichen mit anderen Teams öfter falsch liegen." Die neuen Reifenregeln haben die Situation verschärft, weil mit drei zur Verfügung stehenden Mischungen mehr Optionen auf dem Tisch liegen, die ausgekundschaftet werden müssen. Ergo braucht Williams Zeit für nächste Schritte: "2017 ist eine gute Gelegenheit", sagt Smedley und zieht einen Kopfschutz als Variable in Betracht - ob die Red-Bull-Windschutzscheibe oder die Halo-Lösung. "Es wird die Aerodynamik und die Kühlung beeinflussen", ist er sich sicher.