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  • 30.04.2016 21:49

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Wieder Kwjat: Sainz wegen des Red-Bull-"Bruders" verärgert

Erst blockierte Kwjat Sainz auf einer Runde, die locker für Q3 gereicht hätte, dann kegelte er ihn höchstpersönlich raus: Wieso der Spanier aber lieber leisetritt

(Motorsport-Total.com) - Carlos Sainz war nach dem Qualifying zum Russland-Grand-Prix in Sotschi am Samstag bedient. Den Grund dafür kennt Sebastian Vettel allzu gut: Red-Bull-Pilot Daniil Kwjat stand dem Spanier auf seiner letzten schnellen Runde im zweiten Abschnitt im Weg und verhinderte, dass Sainz seine für den Einzug in die Top 10 locker ausreichende Runde über den Zielstrich brachte. "Wir hatten das Tempo für Q3. Das ist eine Enttäuschung", raunt er. Ausgerechnet Kwjat schnappte sich den Platz.

Titel-Bild zur News: Carlos Sainz, Daniil Kwjat

Carlos Sainz und Daniil Kwjat kommen gut miteinander aus - nicht in Sotschi Zoom

Was war passiert? Der Russe wärmte seine Reifen auf, als Sainz in den letzten drei Kurven auf ihn auflief. Statt Platz zu machen oder früh auf das Gas zu steigen, übersah er den heranstürmenden Sainz. "Plötzlich war Kwjat da, bereitete sich auf seine schnelle Runde vor und drückte mich dann von der Strecke", beklagt Sainz. Zwei oder drei Zehntelsekunden hätte ihn das gekostet. Ärgerlich, denn kurz darauf schob ihn eben dieser Kwjat mit einer 0,046 Sekunden schnelleren Runde aus den Top 10.

Vom Kommandostand kam die Hiobsbotschaft, die Sainz' Körpertemperatur um eine Grad Celsius erhöhte. "Als sie mir sagten, das Kwjat mich rausgeschoben hätte - derjenige der mich aufgehalten hatte...", grantelt er, ohne den Satz fortzusetzen. Beschweren will sich Sainz über den Stallkollegen nicht, auch wenn er anschließend im Funk wohl getobt hat. "Im Funk ja", räumt er Beschwerden ein, "aber er ist ein 'großer Brüder', ich darf nicht zu sehr meckern." Was Politik ist: Sainz fordert keine Strafe.


Fotos: Toro Rosso, Großer Preis von Russland


Er spricht nicht davon, von Kwjat blockiert worden zu sein. Vielmehr hätte er beim Hinterherfahren Abtrieb verloren und äußert Verständnis: "Hätte er mich vorbeigelassen, hätte er gar keine schnelle Runde gefahren." Denn die Zeit lief ab und der Red-Bull-Pilot stand bis dato gar nicht in der Zeitenliste. Er selbst zeigt sich zerknirscht, ohne von dem Vorfall Notiz überhaupt genommen zu haben. "Es täte mir sehr, sehr leid", sagt Kwjat und zieht dann verwundert die Augenbrauen in die Höhe.

"Ich habe nie im Rückspiegel gesehen. Vielleicht ist er ja doch auf jemanden anderen aufgelaufen? Ich achte normalerweise sehr auf andere und mag es nicht, wenn Fahrer ihre Kontrahenten blockieren", so Kwjat. Sainz strich als Elfter die Segel. Max Verstappen schaffte es somit als einziger Toro-Rosso-Pilot in Q3 und beendete die Session auf Rang neun. Er bekam das Übersteuern seines Autos in den Griff. "Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es fühlt sich besser und besser an."