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  • 05.08.2008 · 10:36

Whitmarsh: "Unsere Fahrer sind Sieger"

McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh im Interview über den ersten Sieg von Heikki Kovalainen und den Ausblick auf den Europa-Grand-Prix

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Martin, du hast bei McLaren schon öfter erlebt, wie junge Fahrer ihren ersten Grand Prix gewonnen haben. Was bedeutet der Sieg am Sonntag für Heikki Kovalainen?"
Martin Whitmarsh: "Wir haben eine große finnische Tradition im Team und ich habe schon erlebt, wie Mika (Häkkinen) und Kimi (Räikkönen) bei McLaren ihren ersten Grand Prix gewonnen haben. Auch bei Lewis (Hamilton; Anm. d. Red.)."

Martin Whitmarsh

Martin Whitmarsh traut Heikki Kovalainen noch viele weitere Siege zu Zoom

"Der erste Sieg ist eine Bestätigung für ihr Können und steht für das, woran McLaren-Mercedes bei seinen Fahrern glaubt: Wir stellen sie an, weil wir denken, dass sie Sieger sind. Sobald wir ihnen das Material geben, das dafür gut genug ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie zu gewinnen anfangen - und das auch regelmäßig. Heikkis Sieg war voll gerechtfertigt und sehr verdient. Er hatte im ersten Teil der Saison eine Menge Pech, aber der Sieg in Ungarn hat bewiesen, dass er daran nicht zerbrochen ist. Er ist so entschlossen wie eh und je und er ist voll darauf fokussiert, für das Team zu gewinnen."#w1#

"Willkommen in der Welt der Sieger!"

"Bei all unseren anderen Fahrern haben wir erlebt, dass sie nach dem ersten Sieg mehr davon wollen. Niemand bei uns zweifelt daran, dass Heikki ein großartiger Rennfahrer ist. Dieses Resultat wird seine Ambitionen in der zweiten Saisonhälfte nur stärken. Ich bin zuversichtlich, dass Heikki vor Saisonende noch einen zweiten Grand Prix gewinnen wird. Wir wollen ihm jedenfalls das nötige Material dafür zur Verfügung stellen. Wir nehmen Ferrari in der Konstrukteurs-WM ins Visier und es kann nur gut für uns sein, dass unsere beiden Fahrer pushen, um den Punkterückstand zu verringern."

"Felipe war in Budapest eindeutig sehr stark, speziell im ersten Teil des Rennens." Martin Whitmarsh

Frage: "Warst du überrascht über die starke Pace von Ferrari am Sonntag? Und abgesehen vom Reifenschaden, welche Probleme hatte Lewis sonst noch?"
Whitmarsh: "Felipe (Massa; Anm. d. Red.) war in Budapest eindeutig sehr stark, speziell im ersten Teil des Rennens. Wir wollen unbedingt herausfinden, wo dieser plötzliche Leistungsanstieg herkam. In Wahrheit war Lewis' Performance im ersten Stint hinter Felipe (Massa; Anm. d. Red.) aber sehr respektabel - bis zum ersten Boxenstopp war er stets bis auf drei Sekunden an ihm dran - und wir machten uns wegen Ferraris Pace keine Sorgen."

"Im zweiten Stint schien sich das Blatt zu wenden: Wir stoppten später als Felipe, betankten Lewis entscheidend länger als den Ferrari und hatten einen Performancevorteil, trotz der schwereren Benzinladung. Wir waren zuversichtlich, dass Lewis für den letzten Stint einen entscheidenden Vorteil gehabt hätte, aber leider zwang ihn ein Reifenschaden dazu, fast eine ganze Runde dahinzurollen. Der Reifenschaden trat in der ersten Kurve auf und in der zweiten Kurve war die Luft raus."

"Außerdem musste Lewis dadurch früher als geplant zum Stopp kommen. Das hat nicht nur den Benzinvorteil zunichte gemacht, sondern er musste mit den superweichen Reifen auch sorgfältiger haushalten als ursprünglich geplant, weil der letzte Stint länger war. Dass er das so mühelos hinbekommen hat, spricht für seinen scharfen Verstand. Platz fünf war unter diesen Umständen ein beeindruckendes Resultat."

Frage: "Welchen Vorteil bringen eigentlich die 'Dumbo-Flügel' auf der Nase?"
Whitmarsh: "Man kann den Vorteil, denn ein einzelnes aerodynamisches Teil für die Performance bringt, nicht isolieren. Diese Nasenwinglets zogen beim Test in Jerez und beim Ungarn-Grand-Prix viel Aufmerksamkeit auf sich, aber die Wahrheit ist, dass sie mit dem ganzen Auto harmonieren und so die Performance verbessern. Es spricht nicht nur für unsere Design- und Windkanalteams, dass wir in letzter Zeit so viele neue Komponenten einführen konnten, sondern auch für unsere Modellbau- und Produktionsabteilungen. Und unsere aggressive Entwicklungsstrategie wird nicht verlangsamt. So gewinnt oder verliert man die Weltmeisterschaft, wie wir auch früher schon erlebt haben."

Neue Teile für Valencia geplant

"Man wird im Freitagstraining beim nächsten Rennen einiges sehen." Martin Whitmarsh

Frage: "Welche Weiterentwicklungen sind für die Sommerpause geplant und was werden wir in Valencia am Auto sehen?"
Whitmarsh: "Vor Valencia führen wir zwei 50-Kilometer-Shakedowns durch. Wir entwickeln außerdem laufend neue Teile für das Auto. Während unsere Simulations- und Entwicklungsabteilungen fortlaufend neue Teile produzieren, werden wir uns überlegen, ob diese auch eingesetzt werden. Wir verraten nicht, welche Teile das sind, aber man wird im Freitagstraining beim nächsten Rennen einiges sehen."

Frage: "Einige Teams haben in letzter Zeit 'Haifischflossen' eingeführt. Wie ist der Stand der Dinge bei euch?"
Whitmarsh: "Wir haben die 'Haifischflosse' vor dem Deutschland-Grand-Prix beim Test in Hockenheim ausprobiert. Das Ziel ist, damit die Sensibilität des Autos bei seitlich abweichender Fahrt zu verbessern, aber wir haben herausgefunden, dass dadurch in einem anderen Bereich Nachteile entstehen. Wie man mit freiem Auge sehen kann, ist es eine große Struktur, sehr anfällig auf Seitenwind. Wir hatten das Gefühl, dass unser Auto bei schräger Fahrt bereits sehr gut ist und dass uns die 'Haifischflosse' keinen ausreichenden Nutzen bringen würde, um einen Einsatz zu rechtfertigen. Insofern hat das Projekt im Moment nicht Priorität."

Frage: "Wie bereitet sich das Team auf den Europa-Grand-Prix in Valencia vor?"
Whitmarsh: "Wir haben die Konstruktion der neuen Hafenstrecke in Valencia genau verfolgt und sind überzeugt davon, dass sie eine Bereicherung für den Kalender ist, eine absolut erstklassige Anlage. Es gibt einige Dinge, die wir als Team tun können, wenn wir an eine neue Strecke kommen. Zum Beispiel haben wir regelmäßig Leute nach Valencia geschickt, um Daten hinsichtlich der Streckenbeschaffenheit zu sammeln, ebenso wie hinsichtlich der Höhe der Randsteine und der Auslaufzonen, sodass wir uns ein klares Bild von den Anforderungen machen können. Wir haben keinen Stein auf dem anderen gelassen, haben sogar Onboardaufnahmen von der Strecke studiert, um Überholmöglichkeiten auszumachen."

"Im Gegensatz zu den meisten Stadtkursen ist Valencia sehr schnell und erfordert daher weniger Anpressdruck als zum Beispiel Monte Carlo. Wir erwarten eine faszinierende Ingenieursherausforderung. Natürlich gibt es immer einen Unsicherheitsfaktor, wenn man an eine neue Strecke kommt, aber wir haben das Gefühl, dass wir uns so kompetent wie möglich vorbereitet haben."

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