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  • 03.08.2008 · 21:11

Haug: "Nehmen den Sieg sehr gerne"

Mercedes-Sportchef Norbert Haug analysiert den glücklichen Sieg von Heikki Kovalainen und spricht über den Reifenschaden von Lewis Hamilton

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Dank des Motorschadens von Felipe Massa zwei Runden vor Schluss erbte Heikki Kovalainen heute auf dem Hungaroring seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Aber bei McLaren-Mercedes beschränkte sich der Jubel auf eine Seite der Garage, denn Lewis Hamilton fiel an zweiter Stelle liegend wegen eines Reifenschadens weit zurück und wurde schlussendlich nur Fünfter. Nach dem Rennen analysierte Mercedes-Sportchef Norbert Haug wie immer das Geschehene.

Norbert Haug

Mercedes-Sportchef Norbert Haug freute sich heute über den Sieg in Ungarn Zoom

Frage: "Herr Haug, erster Sieg für Heikki Kovalainen - einer mehr in der Siegerliste der Formel 1!"
Norbert Haug: "Mit den Finnen haben wir irgendwie immer Glück - von Mika Häkkinen über Kimi Räikkönen bis jetzt zu Heikki. Schade für Felipe, wirklich - es tut mir leid für ihn und für Ferrari, aber die Aufgabe heißt halt, ins Ziel zu fahren. Ich kenne das. Wir sind auch schon auf Siegesfahrt ausgefallen, deshalb nehmen wir den Sieg natürlich sehr gerne."#w1#

Hätte Hamilton über die Strategie gewonnen?

"Ich glaube aber auch, dass Lewis ohne das Reifenproblem eine sehr gute Chance gehabt hätte. Wir waren vom Timing jedenfalls genau richtig unterwegs, um nach unserem späteren Boxenstopp noch nach vorne zu kommen. Wir waren da im Plan. Insofern ist es vielleicht ein gewisser Ausgleich."

"Es war eine absolut grandiose Leistung von Timo Glock und Toyota." Norbert Haug

Frage: "Das ist wieder ein Rennausgang, den wir alle nicht erwartet haben..."
Haug: "Absolut. Das gab es schon ein paar Mal in diesem Jahr. Es ist wirklich eine tolle Weltmeisterschaft. Man muss auch sagen: Es war eine absolut grandiose Leistung von Timo Glock und Toyota. Der Speed, den sie gezeigt haben, war richtig gut! Das war nicht irgendwie ein geerbter zweiter Platz, sondern ein echt verdienter."

"Ich freue mich sehr für Timo, denn er ist den Weg auch gegangen, weil er von der Deutschen Post die Unterstützung gekriegt hat. Die sollen mal einen trinken heute Abend, denn das haben sich alle, die an Timo geglaubt haben, verdient. Nach so kurzer Zeit auf dem Podium zu sein und einen zweiten Platz nach Hause zu fahren, ist absolut aller Ehren wert - vor dem Weltmeister Kimi Räikkönen immerhin!"

Frage: "Am Ende wurde es zwischen den beiden noch mal richtig eng, Kimi hat Riesenschritte zu Timo gemacht. Wie kann so etwas passieren?"
Haug: "Er hat aber dann auch wieder Riesenschritte nach hinten gemacht! Ich bin sicher, dass Kimi ganz glücklich war, ins Ziel gekommen zu sein - so ganz souverän sah das am Ende nicht mehr aus. Ich weiß nicht, was da war."

Frage: "Wir glauben, dass ihn Ferrari nach dem Motorschaden von Felipe Massa aufgefordert hat, Tempo rauszunehmen."
Haug: "Vielleicht. Möglicherweise hat er auch ein anderes Problem gehabt. Wie gesagt, jetzt ist es so gekommen. Ohne den Reifenschaden hätte Lewis gewonnen, so oder so. Aber Heikki hat sich das verdient. Ich bin froh, dass es gerade jetzt passiert ist, wo wir ihn am Donnerstag bestätigt haben. Er fährt in die erste Startreihe und holt dann seinen ersten Sieg - das ist absolut toll und wohlverdient. Wir haben neue Gesichter gesehen auf dem Podium mit dem Weltmeister, aber der Weltmeister war auf der niedrigsten der drei Stufen. Ich denke, das ist schon bemerkenswert."

Frage: "In Runde 41 hatte Lewis seinen Reifenschaden. Wie ist das passiert?"
Haug: "Es kam aus heiterem Himmel. Ich würde jetzt auch nicht vorschnell sagen, dass es von der Reifenbelastung kommt oder was auch immer. Lewis fährt am Limit, das tun die anderen auch, aber man weiß nicht, woran es gelegen ist. Auf jeden Fall hat ihn das in zweierlei Hinsicht den Sieg gekostet: Erstens waren wir vom Speed her dazu in der Lage und zweitens nach dem Ausfall von Massa sowieso."

Was war die Ursache für den Reifenschaden?

"Ich habe mir das Spekulieren abgewöhnt." Norbert Haug

Frage: "Mir ist aufgefallen, dass Lewis überall schnell war, nur nicht beim Anbremsen der zweiten Kurve. Also hatte er beim Bremsen nicht mehr das volle Vertrauen, oder?"
Haug: "Ich habe mir das Spekulieren abgewöhnt. Es sah möglicherweise so aus, möglicherweise ist das die Begründung. Ob es da einen Zusammenhang gibt, muss man aber erst sehen."

Frage: "Lewis ist so etwas schon ein paar Mal passiert - in der Türkei im vergangenen Jahr, dieses Jahr musste er in der Türkei dreimal stoppen auf Anraten von Bridgestone, jetzt der Vorfall heute. Wie kommt es, dass immer er Schwierigkeiten mit den Reifen hat?"
Haug: "Diesen Rückschluss würde ich nicht ziehen. Die Belastung, die ein Fahrer auf ein Fahrzeug bringt, auf den Motor, auf das Chassis und auf die Reifen, die müssen auszuhalten sein."

"Der Schnellste markiert eben manchmal Leistungsspitzen. Damit will ich unseren Partner Bridgestone überhaupt nicht misskreditieren - das ist Sport am Limit. Man kann nicht sagen: Lewis ruiniert die Reifen. So rum ist es falsch. Er benutzt die Reifen vielleicht wie kein anderer. In diesem Fall müssen wir nachgucken, was los war. Die zwei Fälle in der Türkei - da hatte das eine mit dem anderen sicherlich nichts zu tun."

"Deshalb müssen wir uns mit einer absolut präzisen Analyse beschäftigen. Wir werden das natürlich auch entsprechend veröffentlichen. Er war der Leidtragende, denn entweder kann er wie gesagt durch die Strategie gewinnen oder durch den Ausfall. Wir müssen das untersuchen, tun das natürlich mit Partner Bridgestone. Wir arbeiten zusammen. Wenn wir einen Motorschaden haben - das ist auch schon passiert, Gott sei Dank durch harte Arbeit seit langer Zeit nicht mehr -, dann sehen wir das auch als Team."

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