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  • 03.08.2008 · 21:29

Kovalainen: "Hatte gehofft, dass noch etwas passierten würde"

Ungarn-Sieger Heikki Kovalainen in der Pressekonferenz über seinen ersten Rennsieg, die letzten Meter vor dem Ziel und die Sommerpause

(Motorsport-Total.com) - Zunächst sah es am Hungaroring nicht danach aus, als könnte Heikki Kovalainen am Ende des Rennens auf dem obersten Treppchen stehen. Nach und nach verabschiedeten sich allerdings die Topfavoriten aus der Entscheidung, bis von den Spitzenleuten nur noch der Finne übrig blieb. Routiniert zog Kovalainen nach dem bitteren Aus von Felipe Massa seine verbliebenen drei Kreise bei Budapest und brachte seinen Wagen als Erster über die Ziellinie. Ein Moment der Erlösung für den Finnen, der 2008 schon ziemlich viel Pech gehabt hat.

Heikki Kovalainen

Geschafft! Heikki Kovalainen stürmte heute erstmals das oberste Siegertreppchen Zoom

Frage: "Heikki, es hat ganz schön lange gedauert bis zu deinem ersten Sieg in der Formel 1. Beschreibe uns deine Gefühle beim Überfahren der Ziellinie..."
Heikki Kovalainen: "Ja, natürlich war ich sehr happy! Wie du schon sagtest, da gab es in diesem Jahr schon einige Vorfälle und wir hatten lagen nach den Samstagen schon mehrfach in Reichweite von Rennsiegen, aber irgendetwas ist bisher immer schief gegangen oder hat nicht perfekt geklappt."#w1#

Freude über den ersten Rennsieg

"Für heute wusste ich, dass Massa und Lewis zu Beginn sehr schnell sein würden, doch gegen Rennmitte fühlte ich, wie es immer mehr für mich lief. Letztendlich habe ich versucht, so viel Druck wie möglich auf Massa zu machen und habe darauf gehofft, dass noch etwas passierte."

"Es sieht ganz so aus, als ob er einen technischen Defekt hatte, für mich hat heute also alles wunderbar funktioniert und darüber freue ich mich tierisch. Die ganze harte Arbeit, die das Team in den vergangenen Monaten investiert hat, die schwierigen Zeiten - wir haben immer weiter gepusht und das ist schon eine tolle Sache. Ich bin sehr happy darüber, meinen ersten Sieg eingefahren zu haben.

Frage: "Wie fühlt es sich an, seinen ersten Grand Prix zu gewinnen?"
Kovalainen: "Sehr gut! Das könnte ich gerne wiederholen. Natürlich tut mir Leid, was Felipe und Lewis (Lewis Hamilton; Anm. d. Red.) zugestoßen ist. Sie sind beide ein großartiges Rennen gefahren und ich kann sehr wohl nachempfinden, wie das ist. Ich hatte in diesem Jahr schon einige ähnliche Momente. Ich habe aber versucht, Druck auszuüben, vor allem im letzten Stint."

"Ich habe Felipe gepusht und dachte, dass sich vielleicht noch etwas ereignen könnte - man weiß ja nie. Als ich das rauchende Auto auf der Geraden sah, da dachte ich mir schon, dass es wohl Felipe war, aber das kann man kaum glauben. Danach war das keine große Sache mehr, bei drei noch zu fahrenden Runden fährt man das einfach nach Hause."

"Für mich ist das unterm Strich eine Riesensache und ich bin sehr glücklich. Für das Team ist das toll und ich freue mich schon auf die restliche Saison. Wir bewegen uns in die richtige Richtung und müssen auch über die Pause hinweg weitermachen und beim nächsten Mal erneut alles versuchen."

Kovalainen schonte die Reifen

Frage: "Wie war deine Gefühlslage während des Rennens? Das war doch sicher ein auf und ab..."
Kovalainen: "Ja, aber für mich war das an sich gar nicht so dramatisch. Ich habe einfach nur versucht, keine Fehler zu machen und mich um die Reifen zu kümmern, was ich vor allem in den beiden ersten Stints verstärkt getan habe. Eher in diesem Jahr sind mir die Reifen schon recht früh flöten gegangen, weil ich zu hart mit ihnen umgegangen war, also habe ich das etwas reduziert."

"Ich habe versucht, die Pace zu gehen, die mir als aktuell mögliche erschienen war und habe probiert, diese auszubauen. Mit den weichen Reifen fühlte sich das am Ende hervorragend an und ich war sehr zuversichtlich, weiter pushen zu können. Die Reifen haben nicht nachgelassen. Als ich versuchte, Druck auf Felipe auszuüben, habe ich ihn eingeholt und dann war alles auch schon vorbei."

Frage: "Was war los am Start?"
Kovalainen: "Meine Seite war wohl etwas schlüpfrig und ich sah sofort, dass Lewis viel besser weggekommen war. Als ich Felipe kommen sah, gab es nichts, was ich hätte tun können. Ich habe mich dann einfach zurückgelehnt und beobachtet, dass auch die Jungs hinter mir keinen besonders guten Start gehabt haben. Ich war also nach 200 Metern schon auf mich alleine gestellt."

"Ich bin ihnen dann in die erste Kurve nachgefolgt, denn da hätte ja gut und gerne etwas passieren können - sie waren eng beieinander und da standen auch einige Räder. Es hat aber alles hingehauen und danach fuhr ich ein recht einsames Rennen. Gegen Rennmitte geriet ich etwas in Verkehr, es gab da einige überrundete Autos."

"Hier ist es sehr schwierig, sie wissen zu lassen, dass wir hinter ihnen liegen und ich musste die blauen Flaggen quasi über Funk anfordern, wobei die Jungs dann ziemlich frühzeitig Platz machen mussten. Aber das ist ein streckenspezifisches Problem und ich habe dabei wahrscheinlich ein paar Sekunden eingebüßt, was aber nicht weiter tragisch war."

Hitze kein Problem für Kovalainen

Frage: "Man sagt, der erste Sieg macht einen Fahrer stärker. Glaubst du, dass das auch bei dir der Fall sein wird?"
Kovalainen: "Das wird mich sicherlich nicht schwächen und weh tut es garantiert auch nicht. Natürlich wollten wir das schon eher in diesem Jahr erreichen und es hätte auch in einigen anderen Rennen soweit sein können. Die Möglichkeiten waren da, nur geklappt hat es nie."

"Wir haben unsere Konzentration nicht verloren und konnten unsere Motivation ständig aufrecht erhalten, haben versucht, uns zu verbessern und sind Stück für Stück herangekommen. Heute hatten wir das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite, aber das wird keinen im Team traurig stimmen und mich schon gar nicht."

Frage: "Hat die extreme Hitze deine Performance irgendwie beeinflusst?"
Kovalainen: "Nein, gar nicht. Das hat mich nicht gestört, aber eine Herausforderung ist es allemal. Das ist ein hartes Rennen, ganz sicher, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass ich dadurch langsamer wurde oder dass es mich einschränkte. Ich fühlte mich dafür gut vorbereitet, hatte keinerlei Probleme damit."

Frage: "Kannst du uns deine letzten drei Runden beschreiben, als du deinem ersten Sieg entgegengefahren bist?"
Kovalainen: "Naja, in den letzten drei Runden fühlt man eigentlich nicht sonderlich viel, da geht es vielmehr darum, den Wagen heimzubringen. Ich musste zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr so viel tun, denn in dieser Runde sag ich Felipe am Straßenrand stehen und da habe ich zum letzten Mal Vollgas gegeben."

"Danach habe ich den Motor geschont und mich darauf konzentriert, das Rennen zu Ende zu bringen. Natürlich freue ich mich riesig. Ich weiß genau, wie hart ich dafür gearbeitet habe und wie sehr sich das Team abmüht, um die ganzen Upgrades an das Auto zu klatschen. Wir haben in den vergangenen Monaten einige sehr bedeutende Verbesserungen erzielt."

"Die vergangenen Rennen waren wirklich sehr stark - nicht unbedingt meine persönlichen Ergebnisse, aber Lewis war ausgezeichnet unterwegs und sein Auto war einfach top. Mit dem Team zu sprechen war spitze, denn jeder hat ziemlich stark dafür geschuftet. Ich bin vollkommen zufrieden für den Moment und werde nun eine kleine Verschnaufpause einlegen um mich etwas auszuruhen."

Heimaturlaub in Finnland

Frage: "Die Sommerpause steht an, das heißt, du hast zweieinhalb Wochen Zeit zu feiern..."
Kovalainen: "Ich habe meine Familie lange nicht gesehen - um ehrlich zu sein, war ich schon eine ganze Zeit lang nicht mehr zuhause in Nordfinnland."

"Am kommenden Wochenende werde ich dorthin fahren. Ich werde diesen Tag noch mit den Leuten aus dem Dorf Suomussalmi feiern, wo ich herkomme. Für Samstag habe ich ein kleines Kartrennen organisiert, das ist eine Tradition. Das hat in den vergangenen fünf, sechs Jahren immer stattgefunden und wird jetzt wohl ein ganz besonderer Event werden, wo ich das Rennen für mich entschieden habe."

"Ich freue mich schon darauf, meine Leute wiederzusehen. Ich werde wohl etwas feiern, aber dann heißt es schon wieder 'back to business' und ich muss auch noch die Pause etwas nutzen. Wir werden wohl ein Fitnessprogramm durchführen und uns kräftigen und auch etwas Zeit in Woking verbringen, um vorbereitend für das kommende Rennen mit den Ingenieuren zu reden."

"Meine Welt wird dadurch nicht komplett auf den Kopf gestellt, auch wenn die Pause nun zwei Monate dauern würde. Ich freue mich einfach, aber das ist nur ein Teil des Ziels. Jetzt gilt es, das zu wiederholen und dann nochmals nachzulegen - man muss die Konzentration einfach aufrecht erhalten."

Frage: "Welche Verbesserungen hast du seit dem vergangenen Jahr erzielt und welche davon hat dir geholfen, heute zu siegen?"
Kovalainen: "Ich habe Grip in meinem Auto, das ist wohl der größte Schritt im Vergleich zum Vorjahr. Das Gesamtpaket ist einfach viel konkurrenzfähiger. Ich bin sicherlich auch ein besserer Fahrer als noch im vergangenen Jahr, ich habe auch meinen Fahrstil verbessert und das gesamte Paket. Die Ingenieure geben mir gutes Feedback und ich fühle mich auch deutlich fitter."

"Da wird noch einiges kommen. Wir haben noch jede Menge Arbeit vor und das nächste Ziel ist, konstant solche Ergebnisse einzufahren ohne dass dabei jemand vorneweg zieht. Wir machen das Schritt für Schritt. Es gibt keinen speziellen Bereich, den ich verbessern will, wir wollen aber gewiss nicht über das Ziel hinausschießen und uns ins eigene Fleisch schneiden.

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