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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Nico Rosberg hat das Wochenende in Hockenheim dominiert, aber nicht gewonnen - Viele Fans ärgern sich über PR-Floskeln in der TV-Übertragung

Liebe Leser,

bis zur vierten Kurve in Barcelona sah Nico Rosberg schon ein bisschen wie der Formel-1-Weltmeister 2016 aus. Er hatte die ersten vier Rennen und den Start zum Grand Prix von Spanien gewonnen, und hätte er das Rennen als Sieger beendet, wäre er mit 50 Punkten Vorsprung nach Monte Carlo gekommen. 50 Punkte, das sind zwei ganze Siege. Nicht nur wir in der Redaktion hatten das Gefühl: Dieses Jahr ist Rosberg dran.

Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

In die Sommerpause geht Hamilton mit 19 Punkten Vorsprung; er hat sechs der letzten sieben und alle vier Rennen im Juli gewonnen.

Toto Wolff sagt: Lewis Hamilton ist an seinen guten Tagen "unschlagbar". Das impliziert: Nicht nur die Experten, sondern auch die Mercedes-Chefs wissen, dass in Wahrheit Hamilton um einen Funken mehr Talent hat, wenn es drauf ankommt.

19 Punkte sind aufzuholen, gar keine Frage; 225 Punkte sind nämlich noch zu vergeben, bis der Weltmeister 2016 feststeht. Und rein statistisch gesehen muss Hamiltons Siegesserie irgendwann reißen - genau so, wie Rosbergs Siegesserie auch gerissen ist.

Dafür spricht, dass Hamilton teamintern viele Sympathien verspielt hat, als er in Ungarn FIA-Rennleiter Charlie Whiting dazu brachte, Rosbergs Pole-Position noch einmal zu überprüfen. Man kann nun über die Semantik diskutieren, ob er wirklich nur eine Regelklarstellung wollte. Die Wahrheit ist: Natürlich wollte Hamilton, dass sein schärfster WM-Rivale nach hinten versetzt wird.

Hamilton inszeniert sich so, als wäre er größer als die Marke Mercedes. Das missfällt einigen sehr hochrangigen Herren in Stuttgart. Die Teamführung darf das nicht öffentlich ansprechen, weil man damit einen Konflikt schüren würde, der sich potenziell auf den Erfolg auswirken könnte. Aber so manche Hamilton-kritischen Medienberichte sind nicht allen Entscheidern bei Mercedes unrecht. Um ihn daran zu erinnern, dass er nur eines von hunderten Teammitgliedern ist.

Aber immer dann, wenn Hamilton unter Druck steht und Rosberg in der vermeintlich besseren Position ist, wendet sich das Blatt. Siehe Monza 2014. Siehe Barcelona 2016. Siehe Hockenheim. Denn Rosberg hatte die Trainings diktiert, im Qualifying unter schwierigsten Umständen eine weltmeisterliche Pole geholt, Hamiltons Stimmung damit völlig vergiftet.

Und trotzdem gewinnt am Ende wieder der Brite. In Deutschland.

Nico Rosberg

Kurios: Eine defekte Stoppuhr kostete Nico Rosberg drei wertvolle Sekunden Zoom

Nico Rosberg wird meiner Meinung nach von vielen Experten unterschätzt. Er hat Michael Schumacher drei Jahre lang nicht den Hauch einer Chance gelassen. Er ist bei Williams alle seine Teamkollegen in Grund und Boden gefahren. Vielleicht ist er nach Hamilton der zweitbeste Formel-1-Fahrer der Gegenwart; auf jeden Fall gehört er zu den großen Vier: Vettel, Hamilton, Alonso, Rosberg. Aber er ist der Einzige aus dem Quartett, der noch keinen WM-Titel hat.

Start verpatzt, ersten Boxenstopp verpatzt, Überholmanöver von Max Verstappen verpatzt: Rosberg hatte in Hockenheim keinen erfreulichen Heim-Grand-Prix. Und er hat wahrscheinlich nicht besonders gut geschlafen.

Als er noch die WM anführte, Hamilton aber Rennen um Rennen gewann, blieb Rosberg cool: Das Glas sei nicht halbleer, sondern halbvoll, schließlich liege er nach Punkten vorne und habe so gesehen die bessere erste Saisonhälfte gehabt.

Dieses Argument gilt jetzt nicht mehr.

Wer sonst noch schlecht geschlafen hat:

Der Formel-1-Fan: Die schlauen Herren der Formel 1 diskutieren über Funkverbot und Track-Limits und machen so Themen zu Problemen, die nie ein Problem waren. Was die Fans wirklich ankotzt, ist etwas anderes. Dass nämlich jede spannende Frage (bekommt übrigens nicht jeder Interviewer hin, aber das ist ein anderes Thema) auf dem Fahrerparaden-Truck oder dem Podium erst mal mit "Ihr seid die besten Fans!" beantwortet wird (auch wenn das ganz offensichtlich völliger Nonsens ist), DAS raubt der Königsklasse jede Glaubwürdigkeit. So werden die Fans mit belanglosen Standardfloskeln abgespeist, bei denen sie getrost wegzappen können, obwohl sie in Wahrheit darauf brennen, live zu erfahren, wie die Siegerstrategie für das Rennen lauten könnte oder was beim Crash in Runde XY genau passiert ist.

Leere Tribünen in Hockenheim

Viele Plätze im Motodrom blieben am vergangenen Wochenende leer Zoom

Georg Seiler: Der Hockenheimring-Geschäftsführer hat sein Ziel von 60.000 Zuschauern am Rennsonntag verpasst. Es kamen nur 57.000. Das sind mehr als 2014 (52.000), aber um 26.000 weniger als am Freitag (!) in Silverstone. Enttäuschend: So leise wie in Hockenheim war 2016 noch keine andere Siegerehrung. Und im Motodrom mussten die Tribünen teilweise mit Sponsorenlogos abgedeckt werden, damit man die leeren Stühle nicht sieht.

Maurizio Arrivabene: Der Ferrari-Teamchef hat am Sonntag in Budapest noch aufs Schärfste dementiert (und die Journalisten dafür lächerlich gemacht), dass James Allison gehen wird. Am Dienstag war die Sache durch. Andere sind schon für weniger als Lügner bezeichnet worden. Und dass Ferrari sportlich rück- und nicht vorwärts fährt, trägt zur guten Laune in Maranello wohl ebenfalls wenig bei.

Ihr

Christian Nimmervoll

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