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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Rookie Alex Albon hat in Monaco endgültig bewiesen, dass er in die Formel 1 gehört und nicht wegen seiner thailändischen Wurzeln im Toro Rosso sitzt

Alexander Albon

Toro-Rosso-Rookie Alexander Albon hat in der Formel 1 einige überrascht Zoom

Liebe Leserinnen und Leser,

mit seinem achten Platz in Monaco hat Alex Albon endgültig bewiesen, dass er in der Formel 1 angekommen ist. Der 23-jährige Toro-Rosso-Rookie glänzte in den Häuserschluchten im Fürstentum teilweise mit den schnellsten Runden im Feld (nur zwei Piloten waren am Ende schneller!) und fuhr mit Platz acht sein bisher bestes Ergebnis in der Königsklasse des Motorsports ein.

Okay, Teamkollege Daniil Kwjat lag am Ende einen Platz vor Albon, und auch im Qualifying lief mit Platz zehn nicht alles perfekt, obwohl es der Toro-Rosso-Rookie erstmals in seiner Karriere ins Q3 schaffte.

Aber: Albon, der übrigens im Vorjahr in Monaco die Formel-2-Pole holte, fuhr noch nie im Formel-1-Boliden durch den engen Leitplankenkanal, in dem überall Fallen lauern. Und er ließ sich in keine einzige hineinlocken. Schon mit Platz fünf am Donnerstag ließ er stattdessen aufhorchen.

Thailändische Wurzeln sorgten für Vorurteile

"Das ist das erste Rennen in diesem Jahr, in dem wir sagen können, dass wir endlich die Punkte geholt haben, die wir verdienen", zeigt sich auch der ehemalige Formel-3-Teamkollege von Charles Leclerc und Formel-2-Dritte des Vorjahres erleichtert. Und wäre der Regen tatsächlich gekommen, wäre durch den späten Boxenstopp sogar eine Sensation möglich gewesen.

Daniil Kwjat, Alexander Albon

Die Toro-Rosso-Fahrerpaarung 2019 sorgte nicht von Anfang an für Euphorie Zoom

Hand aufs Herz: Ich hätte Albon diesen starken Einstand in der Formel 1 nicht zugetraut. Als Helmut Marko nach dem Vorjahr bei Toro Rosso Brendon Hartley vor die Tür setzte und mit Kwjat und Albon auf zwei Piloten setzte, die schon mal aus dem Red-Bull-Programm rausgeflogen sind, dachte ich an eine Verzweiflungstat.

Aus Mangel an attraktiven Kandidaten setzt man nun auf das Prinzip Zufall, war mein erstes Gefühl. Zudem wolle man der Red-Bull-Gründerfamilie mit dem in London geborenen Sohn einer Thailänderin, der sowohl die britische als auch die thailändische Staatsbürgerschaft besitzt, ein Geschenk machen. Doch da habe ich mich getäuscht.

Teamchef Tost hat Überraschung prognostiziert

Denn Albon ist eine echte Bereicherung für die Formel 1 und verdient sein Cockpit bei Toro Rosso. Das wusste Teamchef Franz Tost bereits vor der Saison. "Ich glaube, dass er die Überraschung des Jahres werden könnte", meinte der Österreicher schon bei den Tests in Barcelona.

Alexander Albon

Klar im Aufwind: Alex Albon hat sich in der Formel 1 mit starken Leistungen etabliert Zoom

Und er präsentiert sich im Team als lernwilliger, unkomplizierter Typ. "Er ist ohne jegliche Allüren, sieht keine Probleme und gibt einfach Gas", urteilt Marko, der es nicht ausstehen kann, wenn sich ein Youngster schon vor der Formel-1-Premiere wie ein Weltmeister gibt.

Teamchef Tost, der weiß, wie man mit jungen Fahrern arbeitet und Albon den nötigen Fokus gibt, bestätigt: "Er ist völlig unvoreingenommen. Man kann mit ihm ganz normal zusammenarbeiten. Er hört auf die Ingenieure und aufs Team. Ich glaube, das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass er sich dann auch behaupten wird in diesem Feld."

Nach Triumph über Verstappen folgte der Red-Bull-Rauswurf

Und auch Ferrari-Senkrechtstarter Leclerc, der in der Formel 3 sogar Niederlagen gegen Albon einsteckte, urteilt: "Alex war der härteste Gegner, den ich in all meinen Nachwuchsserien hatte."

Schon in Kart-Zeiten setzte sich der Sohn des britischen Tourenwagen-Piloten Nigel Albon immer wieder gegen Leclerc, Pierre Gasly und vor allem Max Verstappen (Platz zwei im Kart-Weltcup in Braga 2010 hinter Albon) durch und fiel damit Marko auf. Doch nach dem Aufstieg in den Formelsport im Jahr 2012 entzog man dem 16-jährigen Neuling im Red-Bull-Nachwuchskader rasch das Vertrauen: Platz 17 in der Formel Renault Alps war zu wenig.

Kein großes Ego

"Damals bin ich wirklich nicht gut gefahren", fühlt sich Albon, der als Youngster Michael Schumacher und Valentino Rossi bewunderte, alles andere als ungerecht behandelt. "Es gab keinen Grund, mich zu behalten. Da bin ich nicht nachtragend."

Obwohl seine Karriere nach dem Red-Bull-Rauswurf laut eigenen Angaben "in Gefahr" war, biss er sich durch. Seine Bewerbung für die Formel 1 gab er in Wahrheit 2018 auf, als er vier Formel-2-Rennen gewann und den Titelkampf gegen McLaren-Hoffnung Lando Norris und Williams-Rookie George Russell lange offenhielt. Wenn man sieht, wie gut sich vor allem Norris in der Formel 1 eingefunden hat, dann weiß man Albons Leistung im Vorjahr besser einzuschätzen.

"Dass gleich so viele Fahrer auf einem verhältnismäßig hohen fahrerischen Niveau und mit sehr viel Talent in die Formel 1 reinkommen und auch gute Leistungen zeigen, ist nicht alltäglich. Alle drei sind sehr talentiert", weiß auch Toro-Rosso-Teamchef Tost, der schon Piloten wie Sebastian Vettel und Max Verstappen groß machte.

Warum Albon noch besser schläft

Franz Tost, Helmut Marko

Franz Tost und Helmut Marko haben bei Albon ihr gutes Händchen bewiesen Zoom

Albon selbst schien mit der Formel 1 allerdings Ende 2018 bereits abgeschlossen zu haben: Er hatte nach seinem zweiten Formel-2-Jahr bereits einen Vertrag bei Nissan in der Formel E unterschrieben, als der Anruf von Helmut Marko kam. Kein Wunder also, dass Albon die Gelegenheit nun beim Schopf packt und mit dem nötigen Maß an Demut Topleistungen bringt.

Dass man bei Red Bull nicht daran denkt, ihn als potenzieller Nachfolger für den glücklosen Gasly beim A-Team ins Spiel zu bringen, sollte Albon übrigens noch besser schlafen lassen. Denn die größte Gefahr ist, dass der Toro-Rosso-Rookie verheizt wird. "Für mich braucht er mindestens die zwei, drei Jahre, die ich immer angebe, dass sie ein Fahrer braucht, bis er weiß, wo es in der Formel 1 langgeht", stellt Tost klar. Und zeigt damit auch, wie gut Albons Formel-1-Einstand wirklich ist.

Sven Haidinger

PS: Warum dieses Mal ausnahmsweise nicht Ferrari, sondern unsere Redaktion schlecht geschlafen hat, lesen Sie in unserer Schwesterkolumne "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat". Diese fand jahrelang jeden Montag auf unseren Portalen Formel1.de und Motorsport-Total.com statt, ist aber nun auf das Schwesterportal de.motorsport.com umgezogen.

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