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Webber will Hamilton in die GPDA holen

GPDA-Direktor Mark Webber spricht im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' über die aktuelle Arbeit der Fahrergewerkschaft

(Motorsport-Total.com) - Die Formel-1-Fahrergewerkschaft (GPDA) setzt sich seit vielen Jahren für Verbesserungen der Sicherheit im Grand-Prix-Sport ein. So haben die Mitglieder in den vergangenen Jahren zum Beispiel den Umbau einer Schikane in Monza durchgesetzt und auch die Sicherheitsstandards bei Testfahrten neu definiert. Die Weigerung der beiden Formel-1-Stars Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton, der GPDA beizutreten, hatte in den vergangenen Wochen für viele Diskussionen gesorgt. GPDA-Direktor Mark Webber erklärt im Interview mit 'Motorsport-Total.com' die aktuellen Entwicklungen bei der Fahrergewerkschaft.

Mark Webber

Mark Webber ist neben Pedro de la Rosa und Fernando Alonso im GPDA-Vorstand

Frage: "Mark, die Fahrergewerkschaft GPDA hat im Vorstand statt früher vier jetzt nur noch drei Mitglieder. Wie kam diese Reduzierung zustande?"
Mark Webber: "Die Entscheidung ist schon vor rund zwei Jahren gefallen, als wir uns neu konstituiert haben. Es war einfach nur, weil wir bei Abstimmungen kein zwei gegen zwei mehr haben wollten, deswegen haben wir das wieder auf drei Direktoren reduziert. Um genau zu sein sind es zwei Direktoren und ein Vorsitzender."#w1#

Neuer dreiköpfiger Vorstand

Frage: "Der Vorstand besteht nun aus Pedro de la Rosa, Fernando Alonso und dir selbst. Seit ihr per geheimer Wahl bestimmt worden, oder wie funktionierte das?"
Webber: "Wir hatten Pedro als Vorsitzenden schon vor einer Weile nominiert und Fernando und ich haben uns mit den Rollen auch angefreundet. Die Wahl war ganz schnell in drei Minuten durch."

"Pedro ist von allen akzeptiert." Mark Webber

Frage: "Warum habt ihr euch für Pedro als Vorsitzenden entschieden, der ja jetzt nicht mehr im aktuellen Formel-1-Fahrerfeld aktiv und jetzt auch gar nicht hier ist?"
Webber: "Erstmal ist Pedro von allen akzeptiert und außerdem ist die ganze GPDA-Geschichte ganz einfach zu kontrollieren. Man muss dafür nicht überall vor Ort sein. Im Grunde ist es aber so, dass Pedro schon so rund 70 Prozent der Saison bei uns ist."

Frage: "Was sind die Ziele der GPDA in diesem Jahr?"
Webber: "Wir werden nach wie vor natürlich viele Sicherheitsaspekte beleuchten und wir müssen sagen, dass bei den Testfahrten diese Dinge schon viel besser geworden sind. Die Anlagen in Barcelona, Jerez und Valencia waren in diesem Winter vorbildlich. Wir werden außerdem schauen, was mit den Regeländerungen für das kommende Jahr passiert. Und es gibt viele weitere Dinge. Im Moment arbeiten wir zum Beispiel an neuen Vorgaben für die Rückspiegel, wo wir noch einiges Verbessern können. Es sind viele Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten und die wir nach vorne bringen."

Burgfrieden mit der FIA

Frage: "Es gab in der Vergangenheit häufiger mal kritische Kommentare von Seiten der FIA. Hat sich diese Beziehung verbessert?"
Webber: "Ja, auf jeden Fall. Es nun einmal immer so, dass wenn der Sport von gewisser Seite kritisiert wird, oder man einfach nur eine Meinung hat, dann macht man sich dadurch in gewisser Weise angreifbar. Das ist teilweise auch jetzt so. Aber wenn wir mal schauen, wie viele Dinge wir in den vergangen drei oder vier Jahren im Dialog gemeinsam auf den Weg gebracht haben, dann ist das gut."

"Kimi war aber niemals wirklich in irgendeiner Form involviert." Mark Webber

Frage: "Zwei der prominentesten Piloten, Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton, sind nicht Mitglied in der GPDA. Untergräbt das etwas die Glaubwürdigkeit eurer Fahrergewerkschaft?"
Webber: "Vielleicht ein wenig schon. Wir hätten den amtierenden Champion gern in unseren Reihen, weil bei Michael (Schumacher; Anm. d. Red.) ging das ja auch immer. Kimi war aber niemals wirklich in irgendeiner Form involviert. Lewis wird sicher eines Tages Mitglied werden und wir bringen das voran. Wir haben auf der anderen Seite viele junge Leute wie zum Beispiel Nelson (Piquet Jr.; Anm. d. Red.), die jetzt kürzlich beigetreten sind und das ist gut. Wir haben natürlich auch viele erfahrene Fahrer wie Rubens Barrichello bei uns. Das Gemisch stimmt einfach und wir haben eine breite Basis."

Frage: "Ihr habt ja ein Büro in Monaco und spendet immer am Jahresende für wohltätige Zwecke, oder?"
Webber: "Ja genau. Wir haben das jetzt leider längere Zeit nicht mehr machen können, aber in den vergangenen Jahren hat das ganz gut geklappt. Mehrmals während einer Saison unterstützen wir Charity-Aktionen und dann stellen einige Fahrer mal einen Helm oder einen Overall zur Verfügung, damit wir irgendwo helfen können."

Schlagkraft gefährdet?

Frage: "Wenn ihr mal die GPDA mit der Gewerkschaft aus dem Jahr 1982 zum Beispiel vergleicht, als Niki Lauda das gesamte Fahrerfeld im Streit um die Superlizenzen zum Streiken brachte. Wäre so etwas heute noch möglich? Hättet ihr noch die Macht?"
Webber: "Hoffentlich kommt so ein Tag niemals. Aber wenn wir in einer schwierigen Situation wären, denke ich schon."

"Die Sicherheit ist eines der Kernziele der GPDA." Mark Webber

Frage: "Ist das irgendwann einmal diskutiert worden?"
Webber: "Nein, das war nie nötig. Die einzige kritische Situation, die wir in den vergangen Jahren hatten, drehte sich in Indianapolis um eine Geschichte mit einem Reifenhersteller. Als man den Teams sagen wollte, was zu tun ist und damals gab es keine Alternative."

Frage: "Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, dann war es damals so, dass Michael Schumacher noch Vorsitzender der GPDA war und gleichzeitig aber von dem Reifenproblem nicht betroffen war. Wart ihr damals enttäuscht, dass er sich im Sinne der GPDA nicht mehr eingesetzt hat?"
Webber: "Ja, schon. Wir hatten einfach erwartet, dass es auch für ihn keinen Unterschied macht, ob nun sein eigener Reifen in die Luft geht, oder der Reifen eines anderen Piloten. Aber er war eben nicht von diesem Reifenproblem betroffen. Es war schon enttäuschend, weil es ging in dem Fall wirklich um die Sicherheit und das ist ja nun eines der Kernziele der GPDA."

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