• 05.07.2013 11:40

  • von Stefan Ziegler

Was, wenn's wieder knallt? Die Formel 1 und der Fall der Fälle

Die Formel 1 bereitet sich auf ein mögliches erneutes Reifendebakel vor: Was die Fahrer von der Situation halten und wie ihre Reaktion darauf ausfallen könnte

(Motorsport-Total.com/Sky) - Und was ist, wenn's wieder knallt? Wenn die Pirelli-Reifen auch am Nürburgring nicht standhalten? Diese Fragen beschäftigen die Formel 1 vor dem Großen Preis von Deutschland. Und dieses Mal sagen die Fahrer klipp und klar: Sollte sich ein erneutes Reifendebakel andeuten, würden sie sofort ihre Konsequenzen ziehen. Und das könnte bedeuten: Die Piloten weigern sich, in die Autos zu steigen.

Titel-Bild zur News: Pirelli-Reifen

Die Formel-1-Reifen von Pirelli bestimmen auch am Nürburgring die Gesprächsthemen Zoom

Doch der Vorsitzende der Formel-1-Fahrer-Gewerksschaft (GPDA), Pedro de la Rosa, will das "nicht als Boykott und auch nicht als Politik" verstanden wissen. "Es geht nur um die Sicherheit", betont der Spanier. Deshalb behält sich die GPDA auch einen Fahrerstreik vor. "Und es gibt keinen Fahrer, der sich gegen diese Entscheidung gestellt hat", meint de la Rosa. "Die Sicherheit hat einfach Vorrang."

Der frühere Formel-1-Stammpilot erklärt: "Wenn an einem Rennwochenende die Reifen explodieren, dann müssen wir an unsere eigenen Leben denken und an die der Streckenposten und der Fans. Es ist es nicht wert, weitere Risiken einzugehen. Ich denke, die Fahrer haben in den jüngsten Rennen schon genug Risiken auf sich genommen. Vor allem in Silverstone." Und das liegt erst wenige Tage zurück.

Die Fahrer drohen nicht, sie machen aufmerksam

Noch sitzt den Piloten ein gewisser Schock in den Gliedern, wie Nico Hülkenberg (Sauber) bestätigt: "Es ist sicher nicht lustig, wenn einem bei 300 auf einmal der Reifen wegfliegt und man gerade beim Einlenken in eine Kurve ist. Das ist sehr gefährlich." Die Information der GPDA für den Fall der Fälle sei daher als "Warnung" zu verstehen, meint Hülkenberg. "Es sollte keineswegs eine Drohung sein."

Zumal Pirelli für den Nürburgring nachgerüstet und modifizierte Reifen angeliefert hat. "Pirelli hat tolle Arbeit geleistet, indem sie fast 1.000 Reifen der neuen Spezifikation an die Strecke gebracht haben", sagt de la Rosa. "Wir glauben: Diese Pneus sind sicher genug. Die Daten, die Informationen von Charlie (Whiting; Formel-1-Rennleiter; Anm. d. Red.) - alles deutet darauf hin, dass es mehr als gut sein wird."


Fotos: Großer Preis von Deutschland


"Wir müssen solche Dinge aber trotzdem vor dem Start ins Wochenende klären. Denn wenn erst einmal eine gewisse Entwicklung einsetzt, müssen wir als Gruppe vorbereitet sein", meint de la Rosa. "Und wenn es wieder einen explodierenden Reifen gibt, dann müssen wir darüber nachdenken, den Fall genau anschauen und dann eine Entscheidung treffen." Wie auch immer diese dann aussehen würde.

Ein Schaden ist kein Grund zur Panik

De la Rosa stellt jedenfalls klar, dass man nicht sofort in Panik verfallen würde, sollte ein Reifen auf der Strecke seinen Dienst quittieren. "Plattfüße kann es geben, solche Reifenschäden auch - aus vielerlei Gründen", sagt der Formel-1-Routinier. "Wir haben kein Problem damit, wenn sich ein Stück Karbon in den Reifen bohrt. Das gehört zum Rennsport dazu. In einem Rennen können wir aber nicht viel tun."

Charlie Whiting

Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting und Kollegen überwachen das Geschehen Zoom

"Da liegt es an der Rennleitung, eine Entscheidung zu treffen und das Rennen abzubrechen. Charlie hat uns schon immer sehr unterstützt, wenn es beispielweise zu viel stehendes Wasser auf der Strecke gab. Ich denke, hierbei handelt es sich um ein ganz ähnliches Szenario. Wir haben Vertrauen in Charlie. Er nimmt unsere Sicherheitsbedenken ernst. Es liegt in seinen Händen. Und das ist gut so."

Deshalb gehen die Piloten am Freitag geschlossen auf die Strecke. "Ich denke, wir alle sind zuversichtlich", meint Paul di Resta (Force India) gegenüber 'Sky Sports F1'. Er fügt hinzu: "Pirelli hat in nur drei Tagen wirklich ganze Arbeit geleistet. Sie haben das Rad zwar nicht neu erfunden, aber unsere Reifen sicherer gemacht, damit wir Fahrer im Cockpit sicher sind. Das ist das Wichtigste."

Und was passiert im Fall der Fälle?

Und was, wenn die Maßnahmen von Pirelli nicht ausreichen? Mercedes-Sportchef Toto Wolff erklärt das Vorgehen für den Fall der Fälle: "Wenn die Fahrer sagen, wir wollen nicht fahren, dann muss man sich mit der FIA und den Rechteinhabern besprechen. So weit sind wir aber noch nicht. Hoffentlich kommt es auch nicht so weit." Man müsse jedoch Verständnis für die Rennfahrer aufbringen, meint er.

Lewis Hamilton, Reifenschaden

Dergleichen gilt es zu vermeiden: Die Fahrer behalten sich sogar einen Streik vor Zoom

Das Statement der GPDA sei zwar "hart", doch "wenn Reifen durch die Gegend fliegen, dann ist das gefährlich. Die Fahrer wollten einfach deutlich machen, dass Handlungsbedarf besteht. Jetzt hat Pirelli gehandelt. Schauen wir einmal, ob das funktioniert", sagt Wolff. Und Red Bull-Teamchef Christian Horner merkt an: "So etwas wie am vergangenen Wochenende will niemand hier erneut erleben."

"Wir wollen dieses Problem gelöst wissen. Pirelli hat aber bereits reagiert und hier ein neues Produkt an den Start gebracht", sagt Horner. "Am Freitag sollten wir einen guten Eindruck davon kriegen. Speziell am Nachmittag werden wir viele Kilometer abspulen. Hoffentlich wird dabei deutlich, dass der weitere Verlauf des Wochenendes nicht gefährdet ist." Denn ein zweites Indianapolis will niemand.

Indy 2005 reloaded? Nicht am Nürburgring!

Beim USA-Grand-Prix 2005 hatten die Michelin-Teams aus Sorge um die Sicherheit der Reifen ihre Fahrer nach der Einführungsrunde zurück an die Boxen beordert, einzig die drei Bridgestone-Teams fuhren das Rennen. Zu einer Neuauflage davon kommt es aber nicht, meint Horner. "Dieses Mal sitzen wir alle im selben Boot, weil alle die gleichen Reifen haben." Gefährlich sei es aber allemal.

"Die Formel 1 ist nach wie vor ein sehr gefährlicher Sport", erklärt der Red-Bull-Teamchef. "Die Autos fahren ungeheuer schnell. Die Sicherheit ist da unglaublich wichtig." Doch vielleicht ist die ganz große Sorge am Nürburgring unbegründet: "Silverstone war aufgrund der Kurven sicherlich der extremste Kurs, was die Belastung für die Reifen anbelangt. Hier sollte es viel besser sein", erklärt Wolff.

Robert Fernley, stellvertretender Teamchef bei Force India, pflichtet dem Mercedes-Sportchef bei. Er sagt gegenüber 'Sky Sports F1': "Ich glaube, selbst wenn wir hier die Reifen aus Silverstone fahren würden, gäbe es keine Probleme." Und zumindest im ersten Freien Training sah es ganz danach aus, dass die Situation am Nürburgring als "entschärft" zu werten ist. Reifenschäden am Vormittag: Fehlanzeige.

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