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  • 05.10.2016 · 14:46

  • von Sven Haidinger & Dieter Rencken

Warum sich Lewis Hamilton 2016 so schwer tut

Warum Lewis Hamilton dieses Jahr vor allem auf welligen Strecken gegen Nico Rosberg immer wieder den Kürzeren zieht und wieso ihm ein Geniestreich schadet

(Motorsport-Total.com) - Hat Lewis Hamilton dieses Jahr das Auto, um Weltmeister zu werden? Eine Frage, auf die der Brite mit einer Nachdenkpause reagierte. "Wir werden sehen", sagte der WM-Zweite, der diese Saison im Gegensatz zum Vorjahr phasenweise langsamer als Titelrivale Nico Rosberg ist. "Wir müssen zum Jahresende alles analysieren und schauen, wo wir uns verbessern können." Gut möglich, dass Hamiltons Unzufriedenheit auch mit der Entwicklung des F1 W07 zu tun hat. Denn der scheint dem Fahrstil Rosbergs eher entgegenzukommen.

Radaufhängung, Mercedes, Vorderradaufhängung

Das hydraulisch vernetzte Fahrwerk an der Vorderachse liegt Hamilton nicht Zoom

Die Ursache: Mercedes hat nach dem Verbot des komplett vernetzten Fahrwerks FRIC einen Weg gefunden, zumindest die beiden Vorder- und Hinterradaufhängungen in Sachen Rollsteifigkeit und Bodenfreiheit hydraulisch zu steuern, damit die Aerodynamik stabiler bleibt. Das wird über ein Hydrauliksystem im Seitenkasten gewährleistet, das mit den Druckstreben an der Vorderachse verbunden ist.

Das der hydraulische Dämpfer an der Vorderachse viel Platz braucht, macht man sich im vorderen Teil des Chassis einen Trick zunutze und definiert auch die Zierabdeckung als Teil des Rumpfes. Genau dieses System verhindert, dass das Chassis beim Bremsen vorne zu stark einnickt, wodurch die Aerodynamik durcheinander gebracht werden würde. Es wirkt gewissermaßen wie eine aktive Radaufhängung. Nur Red Bull hat bislang ein ähnliches System an Bord - die Entwicklung aus Milton Keynes ist aber im Vergleich zu Mercedes relativ spartanisch.

Baku und Singapur: Hamilton ohne Chance

Doch Hamilton ist kein großer Freund des Systems: Er ist bekannt dafür, sein Auto auf sehr direkte Art und Weise in die Kurven zu wuchten - auf der Bremse und beim Einlenken holt er normalerweise die Zeit. Mit dem hydraulischen System an der Vorderachse kann der Brite aber nicht mehr seinen gewohnten Fahrstil pflegen. Anstatt am Limit und oft sogar mit dem inneren Vorderrad in der Luft durch die Kurven zu fahren, muss sich Hamilton diese Saison bei ähnlichem Fahrstil vermehrt mit blockierenden Vorderrädern herumschlagen.

Lewis Hamilton

Hamilton kann den F1 W07 nicht immer so fahren wie er gerne würde Zoom

Vor allem auf Kursen mit vielen Bodenwellen hat sich das dieses Jahr gezeigt. Sowohl in Baku als auch in Singapur - bislang eigentlich stets eine Hamilton-Strecke - hatte der Titelverteidiger gegen seinen Herausforderer keine Chance.

Laut Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist es völlig normal, dass es von Saison zu Saison Schwankungen zwischen den Piloten gibt und der Bolide schon mal dem einen Fahrer mehr liegen kann. "Das Auto funktioniert innerhalb gewisser Parameter und mit einem gewissen Reifengrip", erklärt er gegenüber 'Sky Sports F1'. "Man muss herausfinden, wo sich dieser Bereich befindet. In einem Jahr kann einem das entgegenkommen, im anderen hat man dann zu viel Unter- oder Übersteuern."

Wolff: Hamilton mit Entwicklungsrichtung einverstanden

Doch auch die Psychologie spiele dabei eine Rolle. "Ein Fahrer muss sich im Auto wohlfühlen. In einem Jahr geht einem alles einfach von der Hand, und in einem anderen Jahr ist es etwas kniffliger. Vielleicht hat Lewis dieses Jahr diesen Eindruck." Er sei aber "nicht sicher, ob das Auto wirklich Nico besser liegt. Es hat 14 von 15 Rennen gewonnen."

Doch die Vergangenheit beweist, dass vor allem die Radaufhängung entscheidend ist, wenn es um den Fahrstil der unterschiedlichen Piloten geht. Bei McLaren änderte man 2000 während der Saison das Konzept der Hinterradaufhängung, und just lief Mika Häkkinen wieder zu alter Form auf und hatte David Coulthard im Griff.

Bei Mercedes beteuert man aber, dass es zwischen Hamilton und dem Team keine Unstimmigkeiten bei der Entwicklungsrichtung des F1 W07 gibt. "Er trägt unseren Weg mit, vertraut den Ingenieuren - alle ziehen an einem Strang", erklärt Wolff.