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Video: Gewinnt Mercedes alle Rennen der F1-Saison 2020?

Marc Surer analysiert exklusiv auf YouTube: Diese Stärke des Mercedes F1 W11 könnte 2020 auf manchen Strecken noch zu einer Schwäche werden

(Motorsport-Total.com) - Vier Rennen, vier Siege für Mercedes - und in der Konstrukteurs-WM haben die "schwarzen Pfeile" fast doppelt so viele Punkte auf dem Konto wie der erste Verfolger Red Bull. Wohlgemerkt trotz des Reifenschadens von Valtteri Bottas in Silverstone, der 18 Punkte gekostet und die Gegner um einen Platz aufrücken lassen hat. Die Dominanz von Mercedes, da sind sich fast alle Beobachter einig, ist so erdrückend wie nie zuvor in der Hybrid-Ära der Formel 1.

Alain Prost und Ayrton Senna, Portugal 1988

Alain Prost und Ayrton Senna hätten 1988 beinahe alle Rennen gewonnen Zoom

Viele Fans beginnen daher die Frage zu stellen: Kann Mercedes das schaffen, woran McLaren-Honda 1988 nur knapp gescheitert ist, nämlich alle Rennen einer Saison zu gewinnen? Wir erinnern uns: Ayrton Senna und Alain Prost gewannen vor 32 Jahren 15 der 16 Rennen. Nur in Monza gab's einen Ferrari-Doppelsieg, weil Senna beim Überrunden, in Führung liegend, mit Williams-Ersatzfahrer Jean-Louis Schlesser kollidiert ist.

Die Chance, tatsächlich als erstes Team in der Geschichte der Formel 1 alle Rennen zu gewinnen, "besteht absolut", sagt Formel-1-Experte Marc Surer in einem Interview, das nur auf den YouTube-Kanälen von Motorsport-Total.com und Formel1.de in voller Länger geschaut werden kann.

"Die haben dieses Jahr ein praktisch perfektes Auto gebaut. Die haben überall ein bisschen zugelegt. Und eben dieses bisschen zulegen hat offensichtlich den Unterschied gemacht", findet Surer.

Dazu kommt: "Wenn die Gegner schwächeln, sieht die Überlegenheit natürlich noch viel krasser aus", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot und heutige TV-Kommentator (SRF).


Das perfekte F1-Auto: Gewinnt Mercedes 2020 alle Rennen?

Ferrari sei "weg vom Fenster", weil man "gepfuscht" habe, spricht Surer den umstrittenen Motorendeal mit der FIA an. Und Red Bull habe zwar mit Honda einen Motor, der "inzwischen richtig gut" ist, aber: "Sie haben mit ihrer Aerodynamik etwas nicht im Griff."

Interessant: Surer stellt in dem Video eine Theorie auf, warum Mercedes in Silverstone als einziges Team mit beiden Autos Reifenschäden erlitten haben könnte. "Eine Luxus-Schwäche", meint er zwar, aber die mache den Mercedes-Gegnern Hoffnung: "Was passiert, wenn es heiß wird?"

Dass der Schweizer vor Saisonbeginn Max Verstappen als Weltmeister getippt hat, "muss ich eigentlich jetzt schon korrigieren", lacht Surer. Alle Rennen zu gewinnen sei für Mercedes trotzdem kein Selbstläufer.

Unter anderem weil: "Wir wissen nicht, wer in Portimao schnell ist, oder in Mugello, oder in Imola. Es gibt Hoffnung, dass jemand anders dann doch auf irgendeiner Strecke zuschlagen kann."

Und immerhin findet Surer, dass man Mercedes nicht den Vorwurf machen kann, den viele dem goldenen Ferrari-Team um Michael Schumacher gemacht haben: "Alle Dominanzen waren langweilig. Klar haben wir uns gefreut über Michael Schumacher, weil er Deutscher war. Aber grundsätzlich war das furchtbar langweilig."

"'Let Michael pass for the Championship!' So hast du ja die Luft rausgenommen. Das macht Mercedes zumindest nicht", sagt er. "Die lassen die beiden fahren. Deswegen zittern die sicherlich manchmal auch an den Boxen, ob die nicht ein bisschen übers Limit gehen. Hätten die Spazierfahrt gemacht da vorne, wären die Reifen nicht kaputtgegangen."