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Vettel: Red Bull im Herzen - Ferrari in der Seele

Sebastian Vettel verabschiedet sich in Abu Dhabi emotional von Red Bull - Genauso gefühlsbetont blickt er seiner Zukunft bei Ferrari entgegen

(Motorsport-Total.com) - Vom sportlich nicht ganz so erfolgreichen Wochenende einmal abgesehen, war es ein bedeutendes letztes Rennwochenende der Formel-1-Saison 2014 für Sebastian Vettel. Als viermaliger Weltmeister verabschiedete er sich nach 16 Jahren der Red-Bull-Förderung und sechs Jahre bei dessen Vorzeige-Rennteam aus seiner gewohnten Umgebung, um bei Ferrari in historische Fußstapfen zu treten und einen persönlichen Neuanfang zu wagen.

Sebastian Vettel

Ehre, wem Ehre gebührt: Sebastian Vettel wird von Reb Bull verabschiedet Zoom

Am Rande des Grand Prix von Abu Dhabi wurde dabei deutlich, dass Team und Fahrer ohne jegliches böses Blut auseinander gehen. Vettel selbst bezeichnete seinen Wechsel in den letzten Wochen stets als Entscheidung für eine neue Herausforderung und nicht gegen die Bullen auf Milton Keynes.

"Wir haben vier Titel zusammen gewonnen, das ist natürlich eine sehr privilegierte Situation", so Vettel gegenüber 'Sky Sports F1'. "Es ist schwierig, sich da einen guten Moment herauszupicken. Jeder Titel sticht natürlich heraus. Aber auch der erste Sieg in China 2009 war besonders."

Marmor, Stein und Eisen bricht...

Insgesamt 39 Siege, 45 Pole-Positions, 24 schnellste Runden und eben die vier Titel erreichte das erfolgreiche Gespann seit 2009 gemeinsam. Von den Verantwortlichen, Ingenieuren und Mechanikern gas es dafür einen gebührenden Abschied. Angefangen bei dem vom Team initiierten Twitter-Hashtag #DankeSeb, über die Garagen-Dekoration bis hin zur Schlager-Beschallung erwiesen sie Vettel die Ehre. So sieht kein bitterböses Auseinandergehen aus.

Vom Bullenbezwinger wird Vettel nun aber zum Pferdeflüsterer. Mit seinem Wechsel gibt er einem persönlich schon lange gehegtem Verlangen nach und stellt sich gleichzeitig der vielleicht größten Herausforderung seiner Karriere. "Auf der einen Seite ist es natürlich ein Kindheitstraum, auf der anderen Seite ist es der Zeitpunkt, der richtig erscheint, mit der Möglichkeit etwas Neues aufzubauen und mit dem Ziel, Ferrari wieder ganz nach vorne zu bringen", äußert er sich gegenüber 'Sky'.

Mit Beginn der neuen Turbo-Ära zeigte sich in diesem Jahr, dass die Scuderia so ihre Schwierigkeiten hatte, mit der Spitze mitzuhalten. Der letzte Titel des Legenden-Teams liegt außerdem schon sieben Jahre zurück und auch Fernando Alonso war es in fünf Jahren nicht gelungen, Ferrari wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

Die Herausforderung Ferrari

"Ferrari hatte nicht das Problem, keinen schnellen Fahrer zu haben, denn das ist Alonso absolut", analysiert der ehemalige Ferrari-Pilot Gerhard Berger die Situation. "Aber mit Sebastian kommt ein neuer Mann dorthin, der alle Qualitäten als Fahrer hat. Er hat dort die Aufgabe ein Team zu formen, wie es seiner Zeit Michael Schumacher gemacht hat, das dann die technische Unterstützung für den Fahrer geben kann, damit der gewinnt."


Fotostrecke: Sebastian Vettels Weg zu Ferrari

"Das ist eine Riesen-Herausforderung", so Berger weiter. "Am Ende ist es eine Genugtuung, wenn man es schafft. Aber es ist nicht zu unterschätzen und wird auch seine Zeit dauern. Man muss da Nerven bewahren und Geduld haben."

Umso herausragender wäre es, wenn Vettel der Traum von einem Titel in rot gelingen würde. "Der Reiz ist schon ein ganz besonderer", gibt er zu. "Es ist das Team, was heraussticht. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht ein Grund gewesen ist, mich für Ferrari zu entscheiden."

Vettel will eigenen Weg gehen

Emotional wird der Blick auf den Neuanfang 2015 für den Heppenheimer aber besonders dann, wenn er sich an einen weiteren Beweggrund für die Wahl seiner neuen sportlichen Heimat erinnert. "Die meisten Erinnerungen, die ich an Ferrari habe, sind natürlich mit Michael verknüpft", meint er über sein Vorbild und seinen Freund Schumacher. "Er fuhr dieses rote Auto und war für uns alle auf dem Kartplatz der Held."

"Wir sind im Winter sehr oft nach Italien gefahren", berichtet Vettel bei 'RTL'. "An einem Tag wurde dann auch zufällig getestet und man konnte das Heulen des V10-Motors hören. Ich habe dann auf den Schultern von meinem Vater gesessen und versucht, möglichst viel zu sehen."

Vergleiche mit dem Rekordweltmeister, der fünf seiner sieben Titel mit den Italienern holte, scheut Vettel aber nach wie vor: "Ich mag es nicht so sehr, wenn man von Fußstapfen spricht. Letzen Endes muss man seinen eigenen Abdruck hinterlassen."

"Das ist auch etwas, was mir Michael mit auf den Weg gegeben hat. Als ich ihn als Kind getroffen habe, und endlich die Gelegenheit hatte, ihm Fragen zu stellen, ginge die in diese Richtung. Er sagte dann: 'Ich bin sicher, dass ich dir viele Ratschläge geben kann, aber zu meiner Zeit waren viele Dinge ganz anders. Deshalb musst du deinen eigenen Weg finden'. Das habe ich bis jetzt beherzigt. Ich denke, sein Kapitel ist abgeschlossen, war sehr erfolgreich und wird auch in gewisser Weise immer weiterleben. Es ist aber Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen."