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  • 10.07.2022 · 14:46

  • von Kevin Hermann, Co-Autor: Jonathan Noble

Vasseur: Zhou-Crash doppelt so stark wie Crashtest-Anforderung der FIA

Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur erklärt die aktuelle Zusammenarbeit mit der FIA nach dem Unfall von Guanyu Zhou in Silverstone - Meinung über Halo geändert

(Motorsport-Total.com) - Alfa Romeo hat enthüllt, dass die ersten Daten des Unfalls von Guanyu Zhou beim Großen Preis von Großbritannien zeigen, dass die Überrollstruktur doppelt so stark belastet wurde wie in den Crashtests der Formel 1 gefordert wird.

Guanyu Zhou

Der Startcrash von Guanyu Zhou in Großbritannien Zoom

Der Chinese überschlug sich beim Start in Silverstone, nachdem sich das linke Vorderrad des Mercedes-Piloten George Russell mit dem rechten Hinterrad von Zhou berührten. Sein Alfa Romeo schlitterte kopfüber über den Streckenasphalt, bevor er durch das Kiesbett rutschte und sich letztlich in der Abbey-Kurve über eine Reifenbarriere überschlug.

Während die Sicherheitsstrukturen der Formel 1 dafür sorgten, dass Zhou bei dem Unfall keine Verletzungen davontrug, wird sich die Untersuchung der FIA wahrscheinlich auf die Tatsache konzentrieren, dass seine Überrollstruktur beim ersten Aufprall brach.

Alfa Romeo fährt anderen Überrollbügel als Konkurrenz

Alfa Romeo ist der einzige Hersteller, der für die Überrollstruktur eine Blatt- statt einer Bügellösung einsetzt, aber die Anforderungen der FIA an die Crashtests stellen sicher, dass alle Fahrzeuge den gleichen Kräften standhalten müssen.

Derzeit muss die primäre Überrollstruktur Belastungen standhalten, die 60 kN in Querrichtung, 70 kN in Längsrichtung und 105 kN in vertikaler Richtung entsprechen. Laut Frederic Vasseur, dem Teamchef von Alfa Romeo, war Zhous Aufprall auf die Fahrbahn - die eine lange Furche in der Asphaltoberfläche hinterließ - mehr als doppelt so stark.

Auf die Frage nach dem neuesten Stand der Erkenntnisse über den Unfall sagt Vasseur: "Die Untersuchung läuft noch, und wir teilen alle Informationen über den Unfall mit der FIA."

Silverstone-Asphalt nach Unfall beschädigt

"Die erste Überlegung ist, dass der Aufprall etwa doppelt so stark war wie die Belastung beim Crashtest. Das bedeutet, wir haben eine Rille in den Asphalt gegraben, die etwa vier oder fünf Zentimeter breit ist."

"Es spielt also keine Rolle, auf welchem Niveau der Crashtest durchgeführt wird, man kann immer etwas Größeres finden. Sicherlich müssen wir auf unserer Seite und mit der FIA Maßnahmen ergreifen, um zu sehen, wie wir die Sicherheit verbessern können."

Vasseur dankbar über Sicherheit in der Formel 1

Aber während es immer Verbesserungen gibt, die gemacht werden können, um die Fahrer besser zu schützen, sagt Vasseur, dass er auch für bestimmte andere Aspekte dankbar ist - wie die Elemente, die ein Feuer verhindert haben.

"Am Ende des Tages möchte ich positiv bleiben, dass nach einem so großen Unfall nichts passiert ist", sagt er. "Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es ausgegangen wäre, wenn wir keine [Abschaltung] am Auto gehabt hätten. Ich denke, dass wir dank der Sicherheitsentscheidungen kein Benzinleck am Auto hatten, denn das wäre der schlimmste Fall gewesen."

Vasseur von Zhous Mindset beeindruckt

Abgesehen davon, dass Zhou bei dem Unfall unverletzt blieb, zeigt sich Vasseur auch von der Einstellung des chinesischen Rennfahrers beeindruckt, der sich fast sofort nach dem Vorfall wieder hinter das Steuer setzen wollte.

"Er kam eine Stunde nach dem Unfall zurück in die Garage, als er aus dem medizinischen Zentrum entlassen wurde, und er hatte absolut nichts", fügt Vasseur hinzu. "Seine erste Frage war die nach den Ersatzteilen für Spielberg."

"Wenn man also ein paar Tage später darüber nachdenkt, ist es einfach unglaublich, einen so schweren Unfall zu haben und mit nichts in die Garage zurückzukommen und sich auf die nächsten Rennen zu konzentrieren. Das ist unglaublich."

Vasseur ändert Meinung: Ich war anfangs noch gegen das Halo


Fotostrecke: Der schwere Unfall mit Überschlag von Guanyu Zhou in Silverstone 2022

"Ich denke, das ist der FIA und den Sicherheitskriterien zu verdanken. Ich war anfangs nicht der größte Fan des Halos, aber ich habe mich geirrt." Die Einführung des Halos im Jahr 2018 hatte zur Folge, dass bereits einige heftige Unfälle im Formelsport glimpflich ausgegangen sind.

In Spa 2018 gab es einen großen Startunfall, bei dem Fernando Alonso über das Cockpit von Charles Leclerc geschleudert wurde und ein Reifen des Spaniers das Halo von Leclerc traf. Auch der spektakuläre Feuerunfall von Romain Grosjean in Bahrain 2020 hätte ohne den Überrollbügel tödlich enden können, da sich der Haas in die Leitplanke einbohrte, das Halo jedoch Grosjeans Kopf schützte.

Im Formel-3-Rennen von Monza 2019 wurde Alexander Peroni durch die Luft geschleudert, nachdem er ausgangs der Parabolica einen "Sausage-Kerb" traf. In der Folge knallte er kopfüber in den Reifenstapel, doch das Halo konnte ernsthaftere Verletzungen verhindern.

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