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Valtteri Bottas: Hat er sich mit dem Crash selbst abgeschossen?

Mercedes-Teamchef Toto Wolff entscheidet in der Sommerpause, ob er Valtteri Bottas oder George Russell den Vorzug gibt, worüber jetzt schon wild spekuliert wird

(Motorsport-Total.com) - In der Sommerpause, das hat Toto Wolff mehrmals angekündigt, soll bei Mercedes die Entscheidung darüber fallen, wer 2022 Teamkollege von Lewis Hamilton wird. Für viele Experten steht jetzt schon fest: Valtteri Bottas muss nach fünf Jahren seinen Platz für den aufstrebenden Mercedes-Junior George Russell räumen.

Valtteri Bottas (Mercedes) nach dem von ihm ausgelösten Startunfall beim Grand Prix von Ungarn 2021 auf dem Hungaroring bei Budapest

Wie ein Häufchen Elend: Valtteri Bottas nach dem Startcrash am Hungaroring Zoom

Umso mehr, als Bottas beim letzten Grand Prix vor der Mercedes-Entscheidung in Ungarn einen der vielleicht verheerendsten Fehler seiner gesamten Karriere gemacht hat. Das kam für seinen Vorgänger Nico Rosberg überraschend, denn "Valtteri hat in seiner ganzen Karriere noch nie einen Unfall in der ersten Runde gehabt. Da ist er normalerweise eine sichere Bank."

Am Hungaroring, nimmt Rosberg den Finnen bei 'Sky' in Schutz, sei die Situation "extrem" gewesen. Bottas sei im Sandwich zwischen Lando Norris und Sergio Perez gewesen, "die direkt vor ihm zusammengezogen sind. Dann muss er auf einmal zurückstecken. Und direkt danach muss er schon bremsen. Ich glaube, das hat ihn durcheinandergebracht."

Doch während viele User in den sozialen Netzwerken davon sprechen, dass sich Bottas damit, ausgerechnet beide Red Bulls abgeräumt zu haben, als perfekter "Wingman" für Hamilton empfohlen hat, kam der Crash in Wahrheit zum für ihn denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn so ein eklatanter Fahrfehler hilft einem, der für 2022 noch auf Jobsuche ist, natürlich nicht.

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Laut Rosberg war der Crash "genau das Gegenteil" von dem, was Bottas gerade braucht: "Du bist nur so gut wie dein letztes Rennen. Es kann wirklich sein, dass Toto immer noch 50:50 ist zwischen Russell und Bottas und er einfach nicht weiß, welchen Weg er gehen soll. Und mit so einem Tag schiebst du Toto vielleicht genau um ein Prozent in die andere Richtung."

Wolff freilich dementiert das: "Der eine Fehler macht es nicht aus", stellt er im Interview mit 'Sky' klar. "Ich glaube, wir müssen im Sommer sehr genau analysieren, was wir tun. Setzen wir auf die Jugend oder auf die Stabilität? Und das werden wir machen."

Auffällig, dass Bottas' Manager Didier Coton am Hungaroring war. Um ein neues Cockpit für 2022 zu suchen, wie manche spekulieren. Bei Alfa Romeo könnte eine Tür für ihn aufgehen, hat 'Motorsport-Total.com' bereits im Juli recherchiert. Und auch eine Rückkehr zu Williams wäre theoretisch denkbar.


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Er könne nicht sagen, wohin die Reise geht und mit wem Coton gesprochen habe, bleibt Bottas nach dem Grand Prix von Ungarn kryptisch. Aber er verrät über sein Management: "Sie arbeiten dran." Das klingt ein wenig nach Abschied von Mercedes. Auch wenn er sagt: "Ich habe schon mit Toto geredet. Kurz, nach dem Rennen. Aber nichts Besonderes."

Frage an den 31-Jährigen: So ein Crash so kurz vor der Sommerpause ist wahrscheinlich nicht ideal für deine Zukunft, oder? "Darüber haben wir nicht geredet", entgegnet er in Bezug auf das Gespräch mit Wolff. Nächste Frage: Glaubst du, dass Ungarn einen Einfluss haben wird? Bottas winkt ab: "Glaube ich nicht. Werden wir die nächsten Wochen ja sehen. Ich weiß es nicht."

Weil, wie Ralf Schumacher glaubt, die Entscheidung hinter den Kulissen längst gefallen ist. Auch wenn nach außen hin noch etwas anderes behauptet wird. Der 'Sky'-Experte meint: "Ich glaube, dass Bottas raus ist - für mich zumindest ziemlich sicher - und auf der Suche nach einem neuen Cockpit. Und da ist für ihn so ein fataler Fehler alles andere als gut."

Ralf Schumacher: "Ziemlich sicher", dass Bottas gehen muss

Schumacher ist überzeugt, dass der Crash in Ungarn nicht der Auslöser dafür wäre, sollte sich seine Theorie bewahrheiten. Sondern er meint, Signale aus einem Interview mit Wolff bei 'Sky' seien so zu lesen: "Ich glaube, das ist schon klar, und Valtteri ist da auch schon benachrichtigt. Das ist mein Gefühl. Ich glaube, da ist alles gesagt." Nachsatz: "Vermute ich!"


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Rosberg ist gespannt darauf, "was Toto dann entscheidet. Schwierige Entscheidung. Bottas ist einfach eine sichere Bank. Außer in Ungarn. Und er macht einen guten Job. Das sollten wir nicht vergessen. Er ist schnell. Russell könnte halt spannender sein. Aber wer weiß, wie der dann agiert mit Lewis, unter Druck? Das sind so viele Fragezeichen und Risiko."

Interessant: Das Mercedes-Team bestritt am Dienstag auf dem Hungaroring noch einen offiziellen Pirelli-Test. Dabei war keiner der beiden Stammfahrer am Steuer, sondern Russell. Um sich schon an sein zukünftiges Team zu gewöhnen, wie manche vermuten. Das gab Bottas Zeit, sich in die Sommerpause zu verabschieden - und über die erste Saisonhälfte nachzudenken.

"Ist für mich nicht nach Wunsch gelaufen", seufzt er. "Die letzten paar Rennen fühlen sich halbwegs positiv an, mit einigen Podestplätzen und Punkten. Aber ich habe auch drei Ausfälle. Das sind ganz schön viele Punkte. Nicht so toll. Aber mehr als die Hälfte der Rennen liegen noch vor uns. Also lassen wir den Kopf nicht hängen."

Nach elf von 23 geplanten Rennen liegt Bottas in der Fahrerwertung an vierter Stelle. Das Duell der Nummer-2-Fahrer gegen Sergio Perez hat er damit vorerst für sich entschieden (108:104 Punkte); sein Rückstand auf Hamilton beträgt allerdings 87 Punkte. Und dass mit Norris sogar ein McLaren-Fahrer besser klassiert ist, ist ein Umstand, der bis Saisonende korrigiert werden muss ...