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Ferrari-Doppelsieg in Istanbul: Massa gewinnt!

Mit einem Doppelsieg vor Alonso in der Türkei hält Ferrari die WM offen - Hamilton nach Reifenschaden nur Fünfter - Heidfeld starker Vierter

(Motorsport-Total.com) - Wer geglaubt hat, dass die Formel-1-Weltmeisterschaft 2007 bereits entschieden ist, wurde heute in Istanbul eines Besseren belehrt: In einem spannenden Grand Prix der Türkei schlug Ferrari mit einem souveränen Doppelsieg zurück, holte damit wertvolle Punkte auf - während die silberne Konkurrenz nicht das Optimum erreichte.

Felipe Massa und Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen und Felipe Massa schlugen in Istanbul eindrucksvoll zurück

Felipe Massa war es, der nach den 58 heißen Runden bei bis zu 35 Grad Luft- und 52 Grad Asphalttemperatur am euphorischsten jubeln durfte, denn der Brasilianer wiederholte ein Jahr nach seinem Premierensieg in der Formel 1 seinen türkischen Triumph vor seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen. WM-Leader Lewis Hamilton verlor einen sicher scheinenden dritten Platz wegen eines Reifenschadens an seinen McLaren-Mercedes-Teamkollegen Fernando Alonso.#w1#

Ferraris starteten weich, Silberpfeile hart

Doch der Reihe nach: Die Ferraris setzten am Start auf weiche Bridgestone-Reifen, während die Silberpfeile mit der harten Mischung ins Rennen gingen. Polesetter Massa kam am besten weg, stach vor Räikkönen in die erste Kurve - womit die Vorentscheidung schon gefallen war. Dahinter folgte Hamilton vor Robert Kubica, Nick Heidfeld (beide BMW Sauber F1 Team) und Alonso, der auf der schmutzigen Fahrbahnseite schlecht wegkam und zwei Positionen verlor.

Dies sollte den Arbeitstag des Doppelweltmeisters auch prägen, denn hinter Heidfeld hätte er in der zweiten Runde beinahe seinen MP4-22 außer Kontrolle verloren, so dass er es anschließend etwas weniger aggressiv angehen ließ. Dadurch verlor er jedoch ungefähr 20 Sekunden auf die Spitze, so dass er im Kampf um den Sieg keine Rolle mehr spielte. Vielmehr war wichtig, überhaupt noch Platz vier zu retten.

Noch am Start kam es auch zu einer kleinen Karambolage, denn im Mittelfeld schob Giancarlo Fisichella (Renault) seinen italienischen Landsmann Jarno Trulli (Toyota) von hinten an, der sich daraufhin drehte und auf den letzten Platz zurückfiel. Trulli fuhr in der Folge ein kämpferisches Rennen, zeigte mehrere spektakuläre Überholmanöver im Zweikampf gegen das Honda-Duo Jenson Button und Rubens Barrichello, kam aber nicht mehr über Rang 16 hinaus.

Harter Kampf um die Punkteränge

Hinter der Spitzengruppe und den beiden BMW Sauber F1 Team Piloten entbrannte ein harter Kampf um die weiteren Punktepositionen zwischen Nico Rosberg (Williams-Toyota), David Coulthard, Mark Webber (beide Red-Bull-Renault) und Alexander Wurz (Williams-Toyota), in den später dank eines langen ersten Stints auch noch Fisichella eingriff. Für Webber war aber früh Endstation - in der neunten Runde musste er an der Box mit einem technischen Problem aufgeben.

Jarno Trulli

Durch diese Kollision am Start fiel Jarno Trulli ans Ende des Feldes zurück Zoom

Bereits in der zwölften Runde eröffnete Kubica, der im Qualifying offenbar extrem wenig Benzin an Bord hatte, die Serie der ersten Boxenstopps - übrigens kamen heute bis auf die Einstopper Ralf Schumacher (Toyota) und Takuma Sato (Super-Aguri-Honda) alle zweimal zum Service. Fünf Umläufe später folgten dann Heidfeld, der durch den längeren ersten Stint an seinem Teamkollegen vorbeikam, Rosberg und Coulthard.

Räikkönen kam immer vor Massa zum Stopp

Zu jenem Zeitpunkt lagen die beiden führenden Ferraris eng beisammen, hatten ein Polster von gut vier Sekunden auf Hamilton. Dann die Boxenstopps: Räikkönen kam in der 18. Runde als Erster herein, gleichzeitig mit Alonso, Massa stand in der 19., Hamilton konnte bis in die 20. Runde fahren. Verschiebungen ergaben sich dadurch ganz vorne nicht, Alonso schnupfte aber - für den weiteren Rennverlauf wichtig - Heidfeld und Kubica. Allerdings betrug sein Rückstand bereits 18 Sekunden.

Stark aufzeigen konnte in jener Phase auch Kovalainen, der durch die Boxenstopps sogar eine Führungsrunde einheimste und an Kubica vorbeikam. Apropos Kubica: Der Pole war mit seiner aggressiven Strategie und den frühen Boxenstopps denkbar schlecht bedient, fiel vom vierten Platz zu Beginn sukzessive zurück und musste am Ende froh sein, 2,7 Sekunden vor Fisichella als Achter noch einen Punkt geerntet zu haben.

Wurz nur phasenweise stark

Ein Sieger der ersten Boxenstoppserie war auch Fisichella, der an Coulthard und Wurz vorbeikam. Wurz hingegen hatte Pech, fuhr nach seinem Tank- und Reifenstopp hinter einer Gruppe anderer Fahrzeuge wieder auf die Strecke, wodurch er den Anschluss zu den Punktepositionen verlor. Am Ende trumpfte er aber noch einmal groß auf, indem er tolle Rundenzeiten hinlegte, was an seinem elften Platz jedoch nichts mehr änderte.

Felipe Massa vor Kimi Räikkönen

Die beiden Ferraris fuhren im Paarlauf einen Doppelsieg nach Hause Zoom

Das Rennen ging dann in eine eher statische Phase, ehe die Entscheidung folgte: Räikkönen eröffnete in der 41. Runde die Serie der zweiten Boxenstopps, nachdem er sich zuvor erstmals aggressiv und großformatig in den Rückspiegeln seines Teamkollegen gezeigt hatte. Massas Crew arbeitete aber nur eine Runde später schnell, benötigte für Reifenwechsel und Nachtanken 6,9 Sekunden und brachte ihren Schützling vor dem "Iceman" auf die Strecke zurück.

Reifenschaden: Hamilton erstmals im Pech

Fast zeitgleich Drama bei McLaren-Mercedes: Hamilton erlitt im Mittelsektor einen Reifenschaden rechts vorne, rollte langsam an die Box zurück, musste dabei Alonso durchlassen, der in der gleichen Runde zu seinem regulären Stopp hereinkam. Nur ein paar Sekunden nachdem Alonso wieder rausfuhr, waren die Mechaniker auch schon für Hamilton parat, der nach gut zehn Sekunden Standzeit als Fünfter, etwa drei Sekunden hinter Heidfeld, ins Rennen zurückging.

Der britische Pechvogel konnte wegen eines durch den Reifenschaden beschädigten Frontflügels nicht mehr attackieren und steckte zurück, besann sich darauf, die vier Punkte über die Runden zu bringen. Vorne tat sich indes nichts mehr, denn nach dem letzten Boxenstopp griff bei Ferrari der in der Formel 1 durchaus übliche Nichtangriffspakt. Räikkönen demonstrierte aber mit einer überragenden schnellsten Runde von 1:27.295 Minuten noch, dass auch er gewinnen hätte können.

Rosberg wieder einmal überragend

Alonso fuhr nach dem Pech seines Teamkollegen als sicherer Dritter über die Linie, gefolgt von Heidfeld, Hamilton, dem starken Kovalainen und Rosberg, der 0,9 Sekunden Vorsprung vor Kubica abgewunken wurde. Der deutsche Williams-Toyota-Pilot fuhr heute übrigens einen bärenstarken Grand Prix, machte keine Fehler und konnte zeitweise sogar die Pace des BMW Sauber F1 Teams mitgehen.

Schumacher belegte hinter Wurz den elften Platz, Sebastian Vettel (Toro-Rosso-Ferrari) - wieder einmal im Schatten von Vitantonio Liuzzi - wurde mit einer Runde Rückstand 19. und Adrian Sutil (Spyker-Ferrari) nach einem langen Boxenstopp nur 21. und Letzter. Sutil sah allerdings nicht einmal mehr die Zielflagge, sondern beendete das Rennen im Mittelsektor der allerletzten Runde. Sein Teamkollege Sakon Yamamoto (20.) fuhr immerhin erstmals durch.

Lewis Hamilton

Dieser Reifenschaden kostete Lewis Hamilton den sicheren dritten Platz Zoom

In der Weltmeisterschaft hat Ferrari nun wieder Blut geleckt, denn auch wenn Massa noch 15 und Räikkönen 16 Punkte auf den führenden Hamilton fehlen, war der heutige Sieg vor allem psychologisch enorm wichtig - und wer weiß, wie die letzten Rennen in Belgien, Japan, China und Brasilien verlaufen, falls die Italiener bei ihrem Heimspiel in Monza in zwei Wochen einen weiteren Doppelsieg feiern?

Ferrari kommt auch bei den Konstrukteuren näher

Bei den Konstrukteuren hat Ferrari nur noch elf Punkte Rückstand auf McLaren-Mercedes, allerdings mit Vorbehalt, denn die gestrichenen 15 Zähler von Ungarn könnten die Silberpfeile vom Berufungsgericht der FIA noch zurückbekommen. Im Kampf um Platz fünf sieht es dank der zwei Punkte von Rosberg nun sehr gut für Williams-Toyota aus, denn Red-Bull-Renault liegt schon sechs, Toyota zehn Punkte zurück.

Kleine Randnotiz: Sieger Massa und Alonso wechselten vor der Siegerehrung im Parc Fermé diesmal ein paar freundliche Worte in Englisch, nachdem sie sich am Nürburgring noch wüst beschimpft hatten, und Massa sorgte auch für eine der kurioseren Szenen des Tages, als er sich eine kleine Lufthuze von seinem Helm riss, weil dieser durch den Luftstrom leicht nach oben gezogen wurde, was für ihn nicht angenehm war.

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