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  • 25.05.2018 · 07:22

  • von Daniel Halder & Adam Cooper

Trotz Williams-Krise: Strolls schauen sich nicht anderweitig um

Lawrence Stroll dementiert, dass er für seinen Sohn Lance ein anderes Cockpit für die Formel-1-Saison 2019 sucht - Aber: Williams-Team soll Probleme schnell lösen

(Motorsport-Total.com) - Bei Williams schrillen nicht erst seit dem völlig missratenen Start in die Formel-1-Saison 2018 alle Alarmglocken. Mit mickrigen vier Zählern ist das stolze Traditionsteam derzeit Zehnter und Letzter in der Konstrukteurs-WM und liegt bereits sieben Punkte hinter Sauber. Ein Hoffnungsschimmer ist nicht erkennbar - zu schwach präsentiert sich der FW41, dem es ganz offensichtlich an Grundlegendem mangelt. Fehlender Abtrieb am Unterboden und am Diffusor bis hin zum Strömungsabriss mache das Auto zeitweise unfahrbar, offenbarte Williams-Berater Alexander Wurz am Rande des Spanien-Grands-Prix.

Toto Wolff

Trotz Toto-Talk wie hier in China: Lawrence Stroll (l.) glaubt noch an das Williams-Team Zoom

Von den eigenen Ansprüchen - die stellvertretende Teamchefin Claire Williams gab vor Saisonbeginn das Ziel WM-Platz vier aus - ist man meilenweit entfernt. Und auch wenn Technikchef Paddy Lowe inzwischen ein Notfallprogramm angeworfen hat, kann man nur erahnen, in welchen Nöten der einstige Weltmeister-Rennstall aus Grove steckt. "Noch so ein Jahr wie 2017 können wir uns nicht leisten", hatte Williams schon bei der Präsentation des Autos im Frühjahr gesagt. Wohlgemerkt: Im Vorjahr wurde man Fünfter in der Teamwertung.

Quo vadis, Williams? Diese Frage stellen sich demnach nicht nur Fans und Beobachter - auch intern ist die Unruhe spürbar. Zuletzt hatte es Meldungen gegeben, wonach Rennfahrer-Vater Lawrence Stroll das Team in eine Mercedes-Partnerschaft drängen würde. Nach dem Vorbild der Ferrari/Haas-Kooperation sollte der alteingesessene Konstrukteur künftig als eine Art "Juniorpartner" von Mercedes fungieren, Technik-Know-how und Teile von den Silbernen beziehen und über die Antriebseinheit hinaus vernetzt werden.

Williams-Vertrag für 2019? Noch will Stroll abwarten

Zwar dementiert Stroll sen. gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass er dem Team eine solche Partnerschaft finanzieren würde. Dass er es sportlich für sinnvoll hält, daraus macht er aber keinen Hehl: "Ja, ich habe versucht, das Team davon zu überzeugen, diesen Weg zu gehen. Es ist aber nicht so, dass ich drauf und dran bin, ihnen irgendwas von Toto (Wolff, Mercedes-Sportchef; Anm. d. Red.) zu kaufen." Bei Claire Williams beißt er damit auch (noch) auf Granit, die Tochter des legendären Teamgründers Sir Frank Williams lässt keinen Zweifel daran, dass sie um das Erbe ihres Vaters kämpfen will.


Fotostrecke: Die Williams-Story

"Wir sind ein Konstrukteur. Frank (Williams) und Patrick (Head; Anm. d. Red.) haben jahrzehntelang für ihre Unabhängigkeit gekämpft. Eine meiner Aufgaben ist es, unsere Unabhängigkeit zu schützen", so die 41-Jährige. Eine Antwort, die Lawrence Stroll nur bedingt zufriedenstellen dürfte. Der kanadische Milliardär will für seinen Sohn Erfolg und eine Perspektive - fraglich, ob ihm Williams auch nur eines davon mittelfristig bieten kann.

Dennoch streitet er gegenüber 'Motorsport-Total.com' ab, dass er sich angesichts der Williams-Flaute bereits anderweitig umschaut. Selbst wenn der Vertrag seines Sprösslings nur noch diese Saison läuft und Stroll finanzstarke Argumente für andere Teams auf seiner Seite hat, sagt er: "So weit sind wir noch nicht. Ich glaube an Williams. Bisher haben sie's ganz offensichtlich nicht hinbekommen. Das war ein böses Erwachen - und ich hoffe, das kitzelt nun das Beste aus ihnen heraus. Es wird nicht so schnell gehen, wie wir und sie das gerne hätten. Aber wir gehen nirgendwo anders hin", so der schwerreiche Unternehmer.

Deutliche Kritik: Selbst ein Blinder merkt, was nicht stimmt

Dabei wählt Stroll sen. durchaus markige Worte und spricht offen an: "Wir hatten schon bei den Wintertests Probleme, und wir haben sie immer noch. Es ist also ganz klar, was falsch läuft. Das Team hat das Problem erkannt. Jeder Blinde würde das erkennen. Aber sie arbeiten hart daran, die Sache in den Griff zu bekommen." Dass er in Sachen Mercedes-Partnerschaft Druck ausübte, verneint er. "Ich gehöre nicht zur Teamführung, ich besitze keine Anteile an Williams. Ich bin einfach Lance's Vater. Lasst es mich so sagen: Was immer sie tun können, um das Auto besser zu machen, wird von mir unterstützt", meint der Kanadier vielsagend.

"Ich gehöre nicht zur Teamführung, ich besitze keine Anteile an Williams. Ich bin einfach Lance's Vater." Lawrence Stroll

Wenig überraschend spricht er dagegen von seinem Sohn in höchsten Tönen. Der 19-Jährige erledige in dem schlechten Auto einen fantastischen Job und tue alles, was in seiner Macht stehe, ist Stroll sen. überzeugt. "In Relation zum Auto war seine Leistung bislang phänomenal. Barcelona war sein fünftes großartiges Rennen. Im Qualifying geht es einfach nicht weiter nach vorne, aber er fährt jedes Mal eine ganz starke erste Runde", spricht er darauf an, dass Lance in den ersten Rennrunden der Saison bislang stetig Positionen gewann und anschließend alle bisherigen Grands Prix beenden konnte.

Punkte holte der Youngster dabei nur bei seinem achten Platz in Baku, doch sein Vater ist sich sicher: "Ich glaube, er hat seinen Teamkollegen in allen fünf Rennen geschlagen - und war auch besser als viele andere, die eigentlich das Auto nicht hätte besiegen können." Und obwohl Stroll jun. in der Qualifying-Bilanz (alle Duelle im Überblick) gegen Rookie-Kollege Sergei Sirotkin mit 2:3 hinten liegt, sagt sein Förderer: "Es ist ideal gelaufen für uns. Wir würden mit dem Auto gerne weiter vorne stehen - aber mit dem Material, das ihm zur Verfügung steht, hätte er es nirgendwo besser machen können." Allen Dementi zum Trotz - nach richtig viel Geduld klingt das nicht mehr...

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