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Trotz Drohnenangriff in Dschidda: Formel 1 beschließt Fortsetzung des Grand Prix

Erste Statements zum Drohnenangriff auf eine Aramco-Anlage in der Nähe der Rennstrecke in Saudi-Arabien - Veranstalter schließt Absage des Grand Prix aus

(Motorsport-Total.com) - Trotz eines Raketenangriffs in unmittelbarer Nähe der Strecke in Dschidda hat die Formel 1 entschieden, ganz normal mit dem Rennwochenende fortzufahren. Darauf haben sich die Formel 1, die Teams und die Fahrer in einem Sondermeeting am Abend geeinigt.

Explosion in Saudi-Arabien

Von der Rennstrecke aus kann man das Feuer nach der Explosion sehen Zoom

"Wir haben die volle Zusicherung erhalten, dass für das Land die Sicherheit an erster Stelle steht, egal in welcher Situation", sagt Formel-1-Boss Stefano Domenicali in einem Statement. "Sie sind mit ihren Familien hier, direkt an der Rennstrecke, und haben alle Systeme eingerichtet, um diese Gegend, die Stadt und die Orte, an die wir gehen, zu schützen."

"Wir sind daher zuversichtlich und müssen den örtlichen Behörden in dieser Hinsicht vertrauen. Deshalb werden wir natürlich mit der Veranstaltung fortfahren", so der Italiener.

Auch FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem unterstreicht die Sicherheit aller Beteiligten vor Ort: "Auf wen haben sie es abgesehen? Sie zielen auf die Infrastruktur, nicht auf die Zivilisten und nicht auf die Strecke", macht er sich keine Sorgen. "Wir schauen nur nach vorne, aber mit der Gewissheit, dass nichts passieren wird."

Zwischen den Teamchefs habe es über die Fortsetzung sogar Einstimmigkeit gegeben, betont Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Es war ein gutes Meeting. Die Fahrer sprechen jetzt im Fahrermeeting, und uns Teamchefs wurde versichert, dass wir hier geschützt sind", sagt er bei 'Sky'. "Das ist vermutlich der sicherste Ort, an dem man momentan in Saudi-Arabien sein kann. Darum werden wir fahren."

Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner sieht "alle Garantien von den Organisatoren" und schließt sich daher der Meinung an. "Der Sport muss zusammenstehen. Jeglicher aktiver Terror kann nicht geduldet werden", betont er.

Nach Ende des ersten Freien Trainings zum Grand Prix von Saudi-Arabien 2022 rückte das sportliche Geschehen auf dem Jeddah Corniche Circuit in Dschidda zunächst in den Hintergrund. Denn nur wenige Kilometer von der Rennstrecke entfernt soll es zu einem Anschlag auf eine Fabriksanlage des Mineralölkonzerns Aramco gekommen sein.

Der Beginn des zweiten Freien Trainings um 20:00 Uhr Ortszeit (18:00 Uhr deutscher Zeit) wurde zunächst um 15 Minuten verschoben. Kurz zuvor hatte die Formel 1 ein Meeting mit allen Teamchefs und Fahrern einberufen. Dabei wurde besprochen, zunächst das Freitagstraining zu fahren und danach noch einmal eine Besprechung abzuhalten.

"Uns wurde von der Regierung versichert, dass es sicher ist, hier zu fahren. Nach dem Training haben wir dann noch einmal eine Besprechung", berichtet Haas-Teamchef Günther Steiner gegenüber 'ServusTV' und unterstreicht: "Ich persönlich fühle mich absolut sicher. Sonst wäre ich nicht hier."

Auch Helmut Marko glaubt, "dass es das Richtige ist", den Grand Prix nicht abzusagen. Die Teams seien darüber informiert wurden, "dass von Jemen eine Drohne losgeschickt wurde. Die Saudis haben ein Abwehrsystem, und aus irgendeinem Grund wurde die Drohne nicht abgefangen", erklärt er im Interview mit 'Sky'.

"Ich glaube, der Termin ist bewusst ausgesucht. Die Rebellen wissen, dass sie beim Grand Prix eine wesentlich höhere Publicity haben. Das ist Teil dieses Konzepts", sagt Marko. "Es gibt diese Drohnenangriffe, glaube ich, häufig. Nur: Die haben ein sehr gutes Abwehrsystem. Warum das nicht funktioniert hat, muss man jetzt herausfinden."

"Es ist ja nicht die erste Drohne. Aber es ist die erste, die massiv einschlägt. Man darf sich durch Terror nicht das normale Leben komplett einschüchtern lassen. Wir sollten jetzt schauen, und wenn dann für die nächsten zwei Tage die Sicherheit garantiert ist, dann sollten wir fahren", findet der Red-Bull-Motorsportkonsulent.

Der Veranstalter in Saudi-Arabien wird das Rennen Stand jetzt nicht absagen: Man stehe in direktem Kontakt zu den Behörden, lässt die Saudi Motorsport Company ausrichten, und unternehme alles, um die Sicherheit zu gewährleisten.


Trotz Bomben auf Aramco: F1-Rennen findet statt!

Das sportliche Geschehen rückt in den Hintergrund: In Dschidda gab es einen Raketenangriff gegen eine Aramco-Anlage, die im Paddock für Unruhe sorgt. Weitere Formel-1-Videos

Aber: "Der Zeitplan des Rennwochenendes wird wir geplant fortgesetzt. Die Sicherheit aller unserer Gäste bleibt weiterhin unsere oberste Priorität, und wir freuen uns darauf, die Fans für ein Wochenende mit Premium-Rennsport und Unterhaltung willkommen zu heißen."

Auf Twitter kursierten zunächst Handyvideos, die eine lichterloh brennende Fabrik zeigten. Dazu berichteten Kollegen vor Ort an der Rennstrecke, dass man in der Ferne eine gigantische Rauchwolke sehen konnte, die von der internationalen TV-Regie nicht gezeigt wurde. Offenbar befand sich das Feuer in der Nähe des Flughafens, der rund zehn Kilometer von der Rennstrecke entfernt liegt.

Inzwischen haben laut Agenturmeldungen die Huthi-Rebellen bestätigt, eine Reihe von Angriffen gegen Ziele in Saudi-Arabien initiiert zu haben. Das Saudi-Staatsfernsehen bestätigt indes Anschläge gegen Ziele in der Stadt Dhahran, bei denen unter anderem ein Wasserreservoir und Wohnhäuser zu Schaden gekommen sein sollen, und in der Nähe der jemenitischen Grenze.

Und das nicht zum ersten Mal. Bereits vergangene Woche stand das Rennen in Saudi-Arabien am Rande einer Absage, als am Sonntag die gleiche Aramco-Anlage mit einer Rakete und Drohnen angegriffen wurde. Das saudi-arabische Staatsfernsehen berichtete damals, dass ein weiteres Geschoss von der Luftabwehr abgefangen werden konnte.

Ein Angriff auf eine Aramco-Anlage ist aus Sicht der Mitglieder des Formel-1-Zirkus vor Ort in Dschidda eine äußerst beunruhigende Nachricht. Aramco ist ein saudi-arabischer Staatskonzern, der nicht nur das Formel-1-Team Aston Martin sponsert, sondern auch einer der wichtigsten Seriensponsoren der Formel 1 ist.

Bereits vor dem Zwischenfall am Freitag hatte die 'dpa' einen saudi-arabischen Regierungssprecher mit den Worten zitiert, dass "die Sicherheit unserer Gäste oberste Priorität" habe. Seitens des Veranstalters zeigte man sich ebenfalls um Ruhe bemüht: "Dieser Vorfall hat keine Auswirkungen auf das Rennwochenende."

Unabhängig von den Ereignissen am Freitag hatte im Vorfeld des Grand Prix Amnesty International zu einem Boykott des Grand Prix von Saudi-Arabien aufgerufen. In der Stellungnahme hieß es unter anderem: "Trotz der Versprechen einer Reform verschlechtert sich der Zustand um Menschenrechtsverletzungen immer weiter."

"Verständlicherweise ist die Aufmerksamkeit der Welt gerade auf die Ukraine gerichtet. Aber die Sportwelt darf ihr Bewusstsein nicht nur auf einen Konflikt begrenzen. Saudi-Arabien darf kein Freifahrtschein für seine fortgesetzten Bombenanschläge auf Zivilisten im Jemen ausgestellt werden", so die Menschrechtsorganisation.

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