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Toto Wolff lobt Funkausraster: "Endlich lässt Valtteri mal alles raus!"

Valtteri Bottas sparte im Rennen nicht mit Kritik an der Mercedes-Strategie: Toto Wolff hält zwei Stopps immer noch für besser, freut sich aber über den Ausbruch

(Motorsport-Total.com) - "Du fühlst dich einfach wie ein leichtes Opfer", sagt Valtteri Bottas über die letzten Runden beim Großen Preis von Frankreich. Der Mercedes-Pilot hatte auf abgefahrenen Reifen keine Chance gegen die beiden Red Bull von Max Verstappen und Sergio Perez und musste sich mit Platz vier begnügen. "Ich habe versucht, auf dem Podium ins Ziel zu kommen. Aber die Reifen waren komplett im Eimer. Keine Chance!"

Sergio Perez vor Valtteri Bottas in Le Castellet

Gegen Red Bull hatte Valtteri Bottas am Ende keine Chance Zoom

Bottas ist überzeugt: "Wenn wir zwei Stopps gemacht hätten, dann wären wir auf dem Podium gewesen und hätten um den Sieg gekämpft. Das ist sicher." Und diese Meinung hatte er auch bereits während des Rennens seinem Team gesagt. Tenor: Er wusste, dass die Einstoppstrategie nicht funktionieren würde, aber Mercedes hätte nicht auf ihn gehört.

"Ja, zwei Stopps waren heute die Gewinnerstrategie. Im Nachhinein kann man das natürlich einfach sagen, aber es ist einfach so", hadert er. "Wir waren als Team zu sehr darauf fokussiert, den einen Stopp zu machen und haben gedacht, dass es am besten wäre. War es aber nicht."

Mercedes hatte erwartet, dass die Reifen bei den kühleren Temperaturen besser halten würden. Taten sie aber nicht. "Unsere Vorhersagen haben daher nicht gepasst." Bottas habe in den letzten zehn bis 15 Runden nichts mehr auf seinen Vorderreifen gehabt. "Es ging nur darum, das Auto ins Ziel zu bekommen. Der letzte Stint hat überhaupt keinen Spaß gemacht."

Früher Boxenstopp "unnötig"

Dafür gab es zwei Faktoren, die Bottas' Probleme vergrößert haben. Der eine war, dass der Finne lange im DRS-Fenster hing, um eventuell auftretende Möglichkeiten zu nutzen. Der andere war, dass Mercedes ihn aus seiner Sicht unnötig früh zum Boxenstopp holte. "Ich glaube, dass ich einer der ersten war, der auf die harten Reifen gegangen ist. Mein Verschleiß vorne links war ziemlich hoch."

Tatsächlich blieb nur Daniel Ricciardo länger auf den harten Reifen, weil er eine Runde vor Bottas gestoppt hatte. Ferraris Charles Leclerc war zwar noch zwei Runden früher an der Box, musste aber einen zweiten Stopp einlegen.

Mercedes hatte mit Bottas' Stopp in Runde 18 einen Undercut gegen Verstappen fahren und ihn so unter Druck setzen wollen - vergeblich. "Es war total unnötig, so früh mit dem Valtteri-Stopp so einen Druck drauf zu machen und die ganze Position vom Lewis zu riskieren", meint auch Ex-Pilot Nico Rosberg bei 'Sky'. "Kapitaler Fehler eigentlich."

Wolff findet Bottas-Kritik "super"

Für Schlagzeilen sorgte aber vor allem Bottas' Vokabular am Funk. Denn so verärgert hatte man den Finnen schon lange nicht mehr erlebt. "Warum hört mir denn niemand zu, wenn ich sage, dass das ein Zweistopper ist?", war eine der öffentlichen Kritiken an seinem Team.

"Ich habe einfach sehr deutlich gemacht, was ich gedacht habe", verteidigt er seinen Ausbruch. "Ich habe davor zwei Stopps vorgeschlagen, aber das Team hat auf einen Stopp gesetzt. Und jetzt stehen wir hier."

Dass er damit einen Schritt zu weit gegangen sein könnte, glaubt er aber nicht. Und tatsächlich nimmt ihm Motorsportchef Toto Wolff die öffentliche Schelte auch nicht krumm: "Ich finde das super. Endlich mal kritisiert er. Valtteri lässt es endlich mal raus und es ist eine Freude, das anzuschauen", meint der Österreicher.

Allerdings glaubt Mercedes weiterhin, dass ein Stopp die bessere Strategie war. "Aber wenn wir nach dem Stopp so stark kämpfen, dann nehmen wir die Reifen zu hart ran, um bis zum Ende zu kommen", so Wolff.

Wolff lobt "gutes Rennen"

So bleibt unter dem Strich wieder einmal ein enttäuschendes Ergebnis für den Finnen stehen. Eigentlich kam er in Le Castellet lange besser zurecht als sein Teamkollege Lewis Hamilton, doch pünktlich zu Q3 und im Rennen hatte der Brite wieder die Oberhand und Bottas am Ende kein Podium.

"Ich denke trotzdem, dass er ein gutes Rennen abgeliefert hat", lobt Wolff. "Er war lange mit Lewis und Max auf Augenhöhe. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung." Zwar gebe es vor allem beim Reifenmanagement noch ein paar Defizite, doch darauf werde man in den kommenden Tagen schauen.


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"Ich sehe aber echte Fortschritte, wie Valtteri die Rennen angeht. Am Qualifying haben wir nie gezweifelt", so der Motorsportchef.

Die Frage ist aber, was das für Bottas' Zukunft bei Mercedes heißt. War das nach zwei Nullnummern endlich wieder ein gutes Wochenende oder muss man ihm ankreiden, dass er Lewis Hamilton am Rennende nicht helfen konnte?

"Valtteri weiß, dass die einzige Antwort auf die Gerüchte ist, dass er auf der Strecke performt", sagt Wolff und gibt eine eindeutige Antwort auf die Frage, was dafür spricht, dass er seinen Platz behalten darf: "das heutige Rennen."

"Er ist bärenstark gefahren, das muss man schon sagen, er war die ganze Zeit da auf der Pace. Ich sehe da eine gute Entwicklung", so Wolff. "Was das für das nächste Jahr bedeutet, ist einfach noch viel zu früh zu sagen, sowohl für den George [Russell] als auch für Valtteri."

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