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Toro Rosso: Unterschnittene Seitenkästen als Trumpf?

Warum Toro-Rosso-Technikchef Giorgio Ascanelli glaubt, dass die unterschnittenen Seitenkästen perfekt zum neuen Reglement passen und der Auspuff überschätzt wird

(Motorsport-Total.com) - Bei Toro Rosso freute man sich über die Reglementänderungen 2012. Denn so konnte man das im Vorjahr entwickelte, eigenwillige Konzept des STR6 ohne Bedenken in die aktuelle Saison mitnehmen. Vor einem Jahr setzte die Ingenieurstruppe rund um Technikchef Giorgio Ascanelli auf stark unterschnittene Seitenkästen. Dadurch sollte die Luft ohne Hindernis auf das Diffusordach strömen.

Daniel Ricciardo

2012 soll sich das Konzept mit den unterschnittenen Seitenkästen rentieren

Doch Ascanelli gibt zu, dass die Idee im Vorjahr gar nicht optimal funktionierte. "Der niedrige Auspuff sorgte bei uns 2011 für viel Kopfweh, weil das unserer Lösung mit den unterschnittenen Seitenkästen nicht entgegen kam", sagt der Italiener. "Die Seitenkästen sind beim neuen Auto um zwei Inch (zirka fünf Zentimeter, Anm.) tiefer unterschnitten als beim alten Auto. Das Anblasen des Diffusors im Bereich der Reifen war im Vorjahr eine sehr komplexe Herausforderung. Dieses Jahr passt die Architektur des Auspuffs etwas besser zur Geometrie der unterschnittenen Seitenkästen."

Ascanelli möchte sich nicht auf Auspuff konzentrieren


Fotos: Toro Rosso, Testfahrten in Jerez


Viele Teams konzentrieren sich derzeit bei der Suche nach Zehntelsekunden auf den Auspuff. Die Position der Endrohre ist zwar seit dieser Saison reglementiert, dennoch haben die Teams einen gewissen Spielraum, den sie nützen wollen, um einen Teil des verlorenen Abtriebs zurückzugewinnen.

Daniel Ricciardo

Die Frontpartie des STR7 hat das Ziel, viel Luft unter das Auto zu bringen Zoom

Ascanelli glaubt im Gegensatz zu vielen anderen nicht, dass es besonders klug ist, sich dieses Jahr auf den Auspuff zu konzentrieren. Auf die Frage, welchen Beitrag die heißen Abgase dieses Jahr für die Aerodynamik leisten könnte, gibt der Italiener eine überraschende Antwort: "Null Prozent. Charlie Whiting will nicht, dass der Auspuff eine aerodynamische Wirkung erzielt. Die FIA akzeptiert das nicht. Es gibt eine Regel, die das besagt, und es gibt eine technische Direktive, die diese Energiemenge limitiert."

Das Auspuff-System, das die Truppe aus Faenza derzeit einsetzt, ist daher komplett auf Motorleistung ausgerichtet, behauptet Ascanelli. Das dürfte aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein: "Unsere Innovationskapazität im Bereich des Auspuffs ist limitiert. Es ist aber sehr schwierig, sich im Bereich des Auspuffs zu verbessern - vor allem mit unseren Systemen. Wir werden aber bei diesem Test unterschiedliche Lösungen ausprobieren." Dennoch investiert Toro Rosso laut Ascanelli "nicht in diesen Bereich."

Unterboden im Fokus

Vielmehr rückten in Faenza dieses Jahr die Seitenkästen und die Frontpartie in den Fokus. Beim Vorderteil des Autos nützt man die maximale Chassishöhe aus, um viel Luft unter das Auto zu schaufeln, was über den Unterboden Abtrieb erzeugt.

Das Heck ist durch das schmale Getriebe schlanker als in der Vergangenheit Zoom

Außerdem konzentrierte man sich darauf, ein möglichst schlankes Heck zu formen, um ebenfalls den Diffusor so gut wie möglich aktivieren zu können. "Das Heck des Autos musste stromlinienförmig sein", bestätigt Ascanelli. "Daher haben wir das Chassis kürzer gemacht und ein längeres Getriebe gebaut. Die Herausforderung war es, die Gewichtsverteilung dennoch zentral zu halten."

Auch das Bremssystem wurde überarbeitet: "Die Balance ist jetzt besser." Der Toro-Rosso-Technikchef gibt offen zu, dass man beim Zeitplan etwas im Rückstand ist - so muss man beim Testauftakt zunächst mit einer weniger aggressiven Nase auskommen, als es ursprünglich der Plan war.

Leichter Entwicklungs-Rückstand bei Toro Rosso

"Wir sind bei unseren aerodynamischen Zielen im Rückstand, aber ich gebe jetzt niemandem die Schuld", sagt Ascanelli. "Ich bin der Meinung, dass die CFD-Jungs und die Mannschaft im Windkanal in Bicester gute Arbeit geleistet haben." Über die geplanten Entwicklungen möchte er noch nicht zu viel verraten. Eines ist aber gewiss: "Im Vorjahr brachten wir etwas zu lange, um das Auto zu überarbeiten. Hoffentlich sind wir da dieses Jahr besser."

Ein höheres Entwicklungstempo erfordert auch ein höheres Budget. Das bestätigt auch Teamchef Franz Tost: "Leider wird die Formel 1 jedes Jahr teurer. Wir haben in den STR7 mehr Geld investiert als in den STR6. Trotzdem befinden wir uns innerhalb der Grenzen des Ressourcen-Restriktions-Abkommens."

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