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Technikchef analysiert: Für und Wider des Core-Car-Konzepts

Williams-Technikchef Pat Symonds hält das in dieser Woche vorgelegte "Core-Car-Konzept" im Kren für gut, sieht aber noch einige ungeklärte Fragen

(Motorsport-Total.com) - Wie lassen sich die Kosten der Formel 1 eindämmen und der Sport auch für die kleineren Teams zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell entwickeln? Auf diese Frage gab es vom Kostendeckel bis hin zu Kundenautos schon viele Antworten, von denen bisher aber keine umgesetzt wurde. Seit dieser Woche liegt mit dem sogenannten Core-Car-Konzept ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Dieser sieht vor, dass die Teams bei der Entwicklung eines Autos deutlich enger kooperieren dürfen bisher. So könnten beispielsweise Sauber, Force India und Lotus gemeinsam ein Auto entwicklen, welches dann von den Teams individuell angepasst wird.

Pat Symonds

Pat Symonds hält das Core-Car-Konzept für noch nicht vollständig durchdacht Zoom

Damit würde allerdings an einen Grundprinzip der Formel 1 gerüttelt, wie Williams-Technikchef Pat Symonds zu bedenken gibt. "Da geht es an fundamentale Eingriffe", sagt der Brite am Rande der Testfahrten in Barcelona. "Das große Alleinstellungsmerkmal der Formel 1 ist es bislang, dass hier jedes Team ein Konstrukteur ist. Die kleinen Teams wollen kein GP1-Auto. Damit gingen deren Werte verloren. Es sind bisher Konstrukteure", so Symonds.

Doch längst nicht alles am Auto müssen die Teams selbst konstruieren, denn sonst wäre laut Symonds ein noch größerer und teurere Technik-Wettlauf die Folge. "Die Reifen sind ein entscheidender Faktor für die Performance. Warum entwickelt nicht jeder seine eigenen Reifen? Warum nicht jeder seinen eigenen kompletten Antrieb?", fragt er sich. "Man muss einfach einsehen, dass so etwas Grenzen hat."

Was müssen die Teams selber bauen und was nicht?

Diese Grenzen sind in der Formel 1 von den Regelhütern des Automobil-Weltverbands FIA festgelegt, die ins Reglement eine Liste mit Bauteilen geschrieben haben, welche die Teams von Dritten beziehen dürfen. "Einen richtigen Grund gibt es dafür eigentlich nicht", meint Symonds. "Kurzum: Über die Jahre haben wir die Regeln, die definieren, ob ich als Konstrukteur gelte, immer weiter aufgelockert."


Fotos: Testfahrten in Barcelona


So ist es aktuell beispielsweise schon möglich, neben dem Antrieb auch das komplette Getriebe von einem anderen Hersteller zu kaufen. Für Symonds ist das ein guter Kompromiss. "Ich persönlich finde, dass wir bei der Definition des Begriffs Konstrukteur in der Formel 1 mittlerweile einen recht passenden Weg gefunden haben", sagt er. "Ich muss die Überlebenszelle, also das Monocoque selbst bauen und die aerodynamischen Oberflächen. Sonst nicht viel mehr."

"Man könnte bei uns Aufhängungen kaufen, die Lenkung von Mercedes - all diese Dinge sind erhältlich. Wenn große und kleine Teams strategische Partnerschaften eingehen, dann gibt es dort immer eine große Basis für die gemeinsame Entwicklung von Teilen, es gibt viele Synergieeffekte. Es ist heute doch ganz normal, dass Getriebe und hintere Aufhängungen an zwei Fahrzeugen komplett identisch sind. Da ist schon so vieles möglich", zählt er auf.

Offene Fragen bei Umsetzung und Kosten

Das nun auf dem Tisch liegende Core-Car-Konzept, mit dem die kleineren Teams auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone überzeugen konnten, würde die aktuell gültigen Regeln nicht umgeschrieben, sondern lediglich ausgeweitet. "Wir würden mit dem Core-Car nun noch einen kleinen Schritt weitergehen, indem wir sagen, dass die kleinen Teams beim Design kooperieren dürfen", so Symonds.


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Allerdings hat der Williams-Technikchef einen Schönheitsfehler an dem neuen Konzept entdeckt, denn derzeit steht zur Debatte, dass die Entwicklung des Core-Cars von einem Arbeitsgruppe gesteuert wird. Davon hält Symonds gar nichts. "Wenn man allerdings ein Komitee ins Leben ruft, dann kann es nichts werden. Wenn ein Dommittee ein Pferd entwerfen soll, dann kommt ein Kamel dabei heraus - so ist es doch, oder?", scherzt er. "Ich weiß nicht, ob dieser Plan die Lösung aller Probleme sein kann."

Zweifel hat Symonds auch beim Thema Kosten. "Ich weiß nicht, ob das Sparpotenzial wirklich so groß ist. Ich habe Zahlen im Umlauf gesehen. Da hieß es, dass man eine Summe x sparen könne, wenn man gemeinsame Entwicklung betreibe. x war dabei mehr als das, was wir bei Williams für diese Teile ausgeben. Ich frage mich dann, wie manche Leute ihr Geschäft betreiben."

Für die kleinere Teams sei laut Symonds weniger die Größe, als vielmehr die Professionalität der Mannschaft das größte Problem. Deshalb könnten sie nicht mit Spitzenteams wie Mercedes oder Red Bull mithalten. "Caterham hatte rund 300 Leute, Marussia lag bei ungefähr 200 Mitarbeiten. Das ist eine ganze Menge", sagt er. "Es fehlte letztlich innerhalb dieser Organisationen an der Bandbreite, um wirklich jedes kleinste Detail mit der nötigen Aufmerksamkeit zu betrachten, um in der Formel 1 konkurrenzfähig sein zu können."

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