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Susie Wolff reitet weitere Attacke gegen die FIA: "Und das soll alles sein?"

Die Vorwürfe gegen Susie und Toto Wolff haben sich in Luft aufgelöst, und die FIA hat dabei keine gute Figur abgegeben - Susie Wolff mit zweitem Statement zur Affäre

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich hätte der Freitagabend der krönende Jahresabschluss der FIA sein sollen. Bei einer prunkvollen Gala in Baku, im fernen Aserbaidschan, wurden die Weltmeister der Motorsportsaison 2023 geehrt, allen voran die Formel-1-Champions Max Verstappen und Red Bull. Doch nach allem, was in den Tagen zuvor geschehen war, hing ein dunkler Schatten über der Veranstaltung.

Titel-Bild zur News: Mohammed bin Sulayem und Susie Wolff

Werden in diesem Leben keine Freunde mehr: Mohammed bin Sulayem und Susie Wolff Zoom

Zwei Tage lang, von Dienstag um 18:30 Uhr bis Donnerstag um 18:30 Uhr, erweckte der Automobil-Weltverband den Anschein, es laufe eine Compliance-Untersuchung gegen Mercedes-Teamchef Toto Wolff und dessen Ehefrau Susie, ihrerseits Chefin der F1-Academy, einer Plattform, die junge Frauen im Formelsport unterstützen soll.

Das Branchenmagazin BusinessF1, erschienen bereits am 30. November, erhob schwere Anschuldigungen gegen die Wolffs, wonach Susie im Zuge von "Bettgeflüster" (wörtliche Formulierung der Headline) vertrauliche Informationen von Rechteinhaber Liberty Media an ihren Ehemann Toto durchgestochen haben soll.

Sechs Tage lang nahm niemand Notiz von der Story, ehe diese durch ein Statement der FIA über eine angebliche Compliance-Untersuchung weltweit in die Schlagzeilen geriet. Doch weil die Inhalte der BusinessF1-Story nicht erhärtet werden konnten, stand die FIA nach einem Sturm der Entrüstung plötzlich mit dem Rücken zur Wand.

Dieser Verdacht gegen die FIA steht im Raum

Der Verdacht: Man habe sich für eine Agenda gegen die Wolffs instrumentalisieren lassen. Das hatte Susie Wolff bereits am Dienstagabend in einer ersten, sehr emotional vorgetragenen Reaktion auf Instagram kritisiert. Am Freitagnachmittag, nachdem die FIA die Untersuchung unter massivem Druck unter anderem von allen zehn Teams fallen gelassen hatte, meldete sie sich erneut zu Wort.

"Als ich gestern Abend die Erklärung der FIA sah, war meine erste Reaktion: 'Und das soll alles sein?' Seit zwei Tagen werden in der Öffentlichkeit und in Hintergrundbriefings Andeutungen über meine Integrität gemacht, aber niemand von der FIA hat direkt mit mir gesprochen", schreibt die F1-Academy-Chefin auf Instagram.

Ihr Vorwurf: Obwohl alle zehn Teams am Mittwochabend öffentlich erklärt hatten, keine Anzeige gegen die Wolffs erstattet zu haben, soll die FIA über inoffizielle Kanäle weiterhin Medienvertreter gebrieft haben, dass sehr wohl andere Teams Beschwerden über die Wolffs geäußert hätten. Anmerkung der Redaktion: Mit Motorsport-Total.com hat kein solches Briefing stattgefunden.

Warum wurde Sulayems Ansprache wirklich abgesagt?

Am Freitag ging die Affäre dann merkwürdig weiter, als vor den Weltmeister-Pressekonferenzen eine geplante Ansprache von FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem kurzfristig abgesagt wurde. Der Präsident habe sich vor einigen Tagen krank gemeldet, sei gestürzt und habe dabei eine Gehirnerschütterung erlitten, die im Krankenhaus behandelt werden musste, teilte die FIA mit.

Doch ein paar Stunden später wirkte Sulayem auf der Bühne der FIA-Gala in Baku recht fit, was bei einigen Beobachtern den Eindruck erweckte, die Story über seinen Gesundheitszustand sei konstruiert, um unangenehmen Fragen über die Wolff-Affäre aus dem Weg zu gehen. Anders als bei der Pressekonferenz konnte ihm auf der Showbühne schließlich niemand Fragen stellen.

Möglich, dass dem FIA-Präsidenten damit unrecht getan wird und er tatsächlich angeschlagen war. Phasenweise wirkte er während der Gala verwirrt, etwa als er bei seinem ersten (von vielen) Bühnenauftritten während der WEC-Zeremonie einen angesichts des Kontexts der Ereignisse deplatzierten Witz vom Stapel ließ.

Deplatziert anmutender Witz auf der Bühne

Sulayem wurde gefragt, ob er Ferrari bei den 24 Stunden von Le Mans die Daumen gedrückt habe. Worauf er antwortete: "Ganz egal, wen ich unterstütze, ich kann es nicht verraten. Sie wissen das sehr genau. Sonst habe ich gleich die Compliance an der Backe!" Was im Saal ein eher verhaltenes Gelächter auslöste.

Mohammed bin Sulayem

Mohammed bin Sulayem war zumindest fit genug, um bei der FIA-Gala aufzutreten Zoom

Susie Wolff hingegen findet das, was passiert ist, gar nicht zum Lachen: "Vielleicht war ich ein Kollateralschaden bei einem erfolglosen Angriff auf jemand anderen, oder das Ziel eines fehlgeschlagenen Versuchs, mich persönlich zu diskreditieren. Aber ich habe zu hart gearbeitet, um meinen Ruf durch eine unbegründete Presseerklärung in Frage stellen zu lassen."

Sie betont ausdrücklich: "Ich habe mit so vielen leidenschaftlichen Frauen und Männern in der Formel 1 und in der FIA gearbeitet, denen die Interessen unseres Sports ehrlich am Herzen liegen." Doch speziell Sulayem und seine engere Führungsmannschaft haben in der Wolff-Affäre keine gute Figur abgegeben.

Bisher keine Entschuldigung von der FIA

Die FIA habe Transparenz vermissen lassen und sei nicht für ihre Behauptungen zur Rechenschaft gezogen worden. Entschuldigung? Fehlanzeige. "Ich habe online Beleidigungen über meine Arbeit und meine Familie aushalten müssen", schreibt Wolff und kündigt an, sie werde "so lange bohren, bis ich herausgefunden habe, wer diese Kampagne angezettelt und die Medien in die Irre geführt hat".

Wichtig ist, den Sachverhalt präzise zu verstehen. Ursprünglich angezettelt hat die Vorwürfe über ein angebliches "Leak" innerhalb der Familie Wolff nicht die FIA, sondern BusinessF1. Die FIA nannte in ihrem Statement am Dienstagabend nicht einmal die Namen von Susie und Toto Wolff, formulierte dieses aber so, dass jeder wusste, wer gemeint war.

Merkwürdig mutet zudem auch an, dass weder die Wolffs noch das Mercedes-Team vor den Medien über die angebliche Compliance-Untersuchung informiert wurden. Susie Wolff stellt klar: "Was diese Woche passiert ist, ist einfach nicht gut genug. Als Sport müssen wir müssen wir etwas Besseres verlangen, und wir verdienen auch etwas Besseres."