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Lewis Hamilton: Frontalattacke gegen Sulayem bei der FIA-Gala!

Ohne laute Töne, aber doch in sehr klaren Worten hat Lewis Hamilton bei der FIA-PK in Baku scharfe Kritik am Verband und an Präsident Sulayem geübt

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich hätten die Weltmeister-Pressekonferenzen im Rahmen der FIA-Gala in Baku am Freitagabend mit einer Ansprache von FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem beginnen sollen. Der Programmpunkt wurde aber kurzfristig gestrichen. Der Präsident, ließ der Verband ausrichten, sei kürzlich krank gewesen und gestürzt, und musste deswegen sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Titel-Bild zur News: Lewis Hamilton

Lewis Hamilton hat bei der FIA-Gala in Baku sehr wirksame Kritik an der FIA geübt Zoom

Praktisch für Sulayem, denn so konnte er unbequemen Begegnungen aus dem Weg gehen. Etwa mit Lewis Hamilton, dessen Mercedes-Teamchef Toto Wolff genau 48 Stunden lang Gegenstand einer FIA-Compliance-Untersuchung war, im Zuge einer absurd anmutenden Posse, die auf den stolzen Verband kein gutes Licht wirft.

Hamilton, der die FIA-Gala 2021 nach den dramatischen Ereignissen von Abu Dhabi geschwänzt hatte, war zum ersten Mal seit 2020 Gast beim offiziellen Jahresabschluss, und wenn der siebenmalige Weltmeister auf der glitzerndsten Bühne, die der Verband hat, spricht, dann hat das Gewicht. Und es tut doppelt weh, wenn er ausgerechnet diese Bühne nutzt, um die FIA zu kritisieren.

"Ich mag Baku wirklich, es ist eine wunderschöne Stadt", sagt Hamilton - und setzt seinen ersten Stich ins Herz der FIA-Funktionäre, wenn er sagt: "Aber ich frage mich, ob sich die FIA wirklich ernsthaft mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt. So viele Leute mussten hierher fliegen. Die FIA sitzt in Paris, und es wäre ganz einfach gewesen, es dort zu machen."

Ein Statement, das Sulayem und seiner Gefolgschaft insofern Schmerzen verursachen muss, als die FIA gemeinsam mit der Formel 1 Nachhaltigkeit propagiert, mit so symbolträchtigen Aktionen wie dem Verzicht auf Plastikflaschen im Fahrerlager. Hunderte Funktionäre, Sportler, Teamvertreter und Journalisten ins ferne Aserbaidschan zu jetten, nimmt man aber in Kauf. Das missfällt Hamilton.

"Wolff-Leak": Jetzt ist Stunk zwischen Mercedes und der FIA

Doch der siebenmalige Weltmeister, der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der FIA-geregelten Formel 1, ist damit noch nicht fertig. Auch die Affäre um das angebliche "Wolff-Leak", die sich am Donnerstagabend nach nur 48 Stunden in Luft aufgelöst hat, lässt er nicht unkommentiert. Es sei "eine herausfordernde" und "eine traurige Woche" gewesen, findet der Mercedes-Fahrer.

"Zu sehen, dass der Verband versucht hat, die Integrität einer der unglaublichsten weiblichen Führungsfiguren, die wir in unserem Sport jemals hatten, in Frage zu stellen, ohne jede Anhörung und ohne jeden Beweis, und dann am Ende einfach 'Sorry' zu sagen, das ist schlicht und einfach inakzeptabel", kritisiert Hamilton.

"Wir haben viele großartige Leute in unserem Sport, die fantastische Arbeit leisten. Es wird stetig dafür gekämpft, Themen der Diversität und Inklusion in der Branche zu verbessern", sagt er - und ergänzt: "Aber es scheint bestimmte Personen in der Führung der FIA zu geben, die uns jedes Mal wieder runterziehen, wenn wir einen Schritt nach vorn machen."

"Das muss sich ändern. Die Formel 1 ist ein globaler Sport. Wir haben so eine tolle Chance und gleichzeitig eine Verantwortung, diese Veränderung zu führen. Wir reisen in all diese Länder, und es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass es in die richtige Richtung geht. Ich erkenne an, dass viele Leute gute Arbeit leisten. Aber wir müssen sicherstellen, dass wir alle das tun."

Direkter Angriff auf Präsident Sulayem

Ohne dass Hamilton den Namen ausgesprochen hat, ist klar, wen er mit seiner Kritik meint: den FIA-Präsidenten, Mohammed bin Sulayem, und seinen Beraterkreis. Auch wenn das nicht offen ausgesprochen wird: Spätestens seit dieser Woche gibt es noch mehr Formel-1-Schwergewichte als ohnehin schon, die Sulayem am liebsten loswerden würden.


FIA-Gala in Baku

Also wieder keine besonders glanzvolle Gala für den 62-Jährigen Araber. 2021, nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt, musste er nach dem dramatischen Finale in Abu Dhabi die Wogen glätten, in Abwesenheit des Mercedes-Teams, das die Gala boykottierte. Und 2022 kam es auf der Bühne zu einem bizarr anmutenden Dialog mit Christian Horner, der von vielen belächelt wurde.

Als Horner in Bologna den WM-Pokal für den siegreichen Konstrukteur aus den Händen von Formel-1-CEO Stefano Domenicali erhielt, witzelte Sulayem: "Den ziehen wir dir nicht vom Costcap ab, Christian." Wofür sich der, eher ironisch gemeint, bedankte: "Das ist sehr großzügig!"

Als Horner dann wegen des chaotischen Rennens in Suzuka eine flapsige Bemerkung vom Stapel ließ, fühlte sich Sulayem angegriffen: "Es war nicht die FIA, die die Regeln gemacht hat, sondern es waren die Teams. Die FIA implementiert sie nur." Domenicali musste den Präsidenten lachend am Riemen packen und die Szene retten: "Jungs, lasst uns aufs Wesentliche konzentrieren."