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Susie Wolff: Nächste Chance in Hockenheim

Susie Wolff erhält in Hockenheim ihre nächste Bewährungsprobe, doch wie akzeptiert sind Frauen wirklich in der "Männerwelt" Formel 1?

(Motorsport-Total.com) - Lange hatte Susie Wolff auf diesen Moment hingearbeitet. Beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone fuhr die Schottin zum ersten Mal im ersten Freien Training für Williams und war damit nach 22 Jahren die erste Frau, die an einem Grand-Prix-Wochenende der Formel 1 teilnahm. Doch die Freude darüber wich nicht nur bei ihr selbst bald blankem Entsetzen. Denn nach nur viereinhalb Runden war der geschichtsträchtige Einsatz beendet, Wolff musste den FW36 mit einem Motordefekt an der Strecke abstellen.

Susie Wolff

Susie Wolff wird in Hockenheim wieder im ersten Freien Training fahren Zoom

Die Enttäuschung darüber sitzt der Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff auch mit zwei Wochen Abstand noch ein wenig in den Knochen. "Es war sehr hart, aber so ist der Rennsport", sagt Wolff im Interview mit 'Sky Sports F1'. Allerdings hadert die 31-Jährige nicht mit ihrem Schicksal. "So etwas kann jedem passieren, das war einfach Pech", meint sie.

Doch für Wolff gab es nach der Enttäuschung auch einen Hoffnungsschimmer. "Auf der einen Seite war ich natürlich unheimlich enttäuscht, auf der anderen Seite habe ich mir gesagt: 'Hey, zum Glück habe ich in zwei Wochen noch eine Chance'", sagt sie. Denn schon an diesem Wochenende kommt sie beim Großen Preis von Deutschland erneut im ersten Freien Training im Auto. Und das in Hockenheim auf einer Rennstrecke, auf der sich Wolff wie zu Hause fühlt.

Wie viel nutzt die DTM-Erfahrung?

Susie Wolff

In der DTM fuhr Wolff insgesamt zwölf Rennen in Hockenheim Zoom

"Ich kenne die Strecke aus meiner DTM-Zeit sehr gut, allerdings nur aus dem DTM-Auto", sagt sie. "Jetzt muss ich sehen, wie es mit einem Formel-1-Auto ist, denn das wird eine völlig neue Erfahrung." Insgesamt zwölf Rennen bestritt Wolff während ihrer DTM-Karriere in Hockenheim, doch morgen erwartet Wolff, dass sie den Kurs in vielerlei Hinsicht neu lernen muss.

"Welche Randsteine man benutzen kann, Bremspunkte und die Geschwindigkeit in den schnellen Kurve", beschreibt Wolff einige der Unterschiede. "Ich denke, dass im Formel-1-Auto alles viel schneller ablaufen wird." Die Zielsetzung ist für die Entwicklungsfahrerin von Williams hingegen die gleiche wie schon in Silverstone. "Ich will für das Team einen guten und soliden Job machen und vor allem das Auto für Valtteri in einem Stück zurückbringen."

Doch schon mit ihren vorherigen Test-Einsätzen für Williams hat Wolff eines ihrer Ziele erreicht: Mädchen mehr für den Motorsport zu begeistern. Das belegt eine Begebenheit, die Williams Chef-Aerodynamiker Jason Sommerville erlebte und über die er Wolff berichtete. Dieser sah sich vor einiger Zeit zusammen mit seinem Sohn im TV eine Dokumentation über die Formel 1 an, während seine Tochter mit ihrem iPad herumspielte.

Frauen gegen Männer? Webber schmeckt's nicht

Mark Webber

Mark Webber kann sich mit weiblicher Konkurrenz nicht anfreunden Zoom

Als auf dem Bildschirm aber plötzlich zu sehen war, wie Wolff in ein Formel-1-Auto einsteigt, wurde auch das Mädchen aufmerksam. "Sie sagte: 'Es gibt keine Frauen als Formel-1-Fahrer, ich dachte, Mädchen dürften nicht in der Formel 1 fahren", berichtet Wolff gegenüber der 'BBC' über diese Begebenheit. Seitdem, so habe ihr Sommerville versichert, verpasse seine Tochter kein Formel-1-Rennen mehr, da sie nun weiß, dass es keine reine "Jungssache" ist.

Mittlerweile haben einige Damen ihren Weg in der Formel 1 gemacht, wie Claire Williams und Monisha Kaltenborn zeigen. Doch während sie in der Teamleitung mittlerweile akzeptiert sind, tun sich manche Fahrerkollegen mit weiblichen Konkurrentinnen noch immer ein wenig schwer. "Es gibt nicht viele Sportarten, bei denen Frauen gegen Männer antreten", sagt beispielsweise der ehemalige Red-Bull-Pilot Mark Webber.

"Serena Williams spielt nicht gegen Roger Federer. Ich denke, das sollte in der Formel 1 auch nicht passieren." Mark Webber

"Serena Williams spielt nicht gegen Roger Federer", zieht der Australier einen Vergleich zum Tennis. "Ich denke, das sollte in der Formel 1 auch nicht passieren." Doch mit solchen Sprüchen kann Webber Wolff nicht aus der Reserve locken. "Jeder darf seine eigene Meinung haben", sagt sie. "Es gibt und gab aber nie eine Rennserie nur für Frauen. Ich bin im Laufe meiner Karriere gegen Frauen und Männer gefahren und hatte Erfolg. Manchmal ist es eine von Männern dominierte und sehr egoistische Welt, in der die Männer keinen Platz für eine Frau sehen."

Kaum Erfolge im Formelsport, aber trotzdem Formel 1?

Susie Wolff

Am 17.10.2012 fuhr Susie Wolff erstmals ein Formel-1-Auto Zoom

Kritiker der Schottin verweisen hingegen - nicht ganz unberechtigt - auf die fehlenden sportlichen Erfolge in der Karriere Wolffs. Eine Handvoll Podiumsplatzierungen in der britischen Formel Renault und ganze vier Meisterschaftspunkte in sechs Jahren DTM - qualifiziert einen diese Bilanz für die Formel 1? Auf den ersten Blick hat da auch David Coulthard, der in der DTM gegen Wolff gefahren ist, seine Zweifel.

"Ob ich glaube, dass Susie eine talentierte Rennfahrerin ist? Ja, das tue ich", sagt der Ex-Grand-Prix-Pilot und heutige TV-Experte. "Ist sie ein Fernando Alonso, Sebastian Vettel oder Daniel Ricciardo? Das muss man abwarten, aber für gewöhnlich haben solche Leute auf dem Weg nach oben Meisterschaften gewonnen."

Angesichts der nackten Zahlen habe sich Wolff ihren Platz in der Formel 1 daher vielleicht nicht unbedingt verdient als andere Fahrer, meint Coulthard. Allerdings seien Ergebnisse in Nachwuchsserien oder im Tourenwagen nicht immer das entscheidende Kriterium für eine Qualifikation für die Formel 1. "Nur weil man in der Schule hart arbeitet, bekommt man auch nicht automatisch den besten Job", gibt Coulthard zu bedenken. "Talent zu haben ist eine Sache, dieses Talent auch richtig einzusetzen eine andere."

Ehemann Toto als Wegbereiter

Toto Wolff, Susie Wolff

Susie Wolff gibt zu, dass ihr Ehemann Toto beim Formel-1-Einstieg geholfen hat Zoom

Eines hat Wolff bei ihrem Weg in die Formel 1 aber unzweifelhaft geholfen: Ihr jetziger Nachname. "Ich bin die erste die zugibt, dass ich mit meinem Mann sehr glücklich bin", sagt sie. Susie Wolff stieß zu der Zeit zu Williams, in der ihr Mann dort Anteilseigner und rechte Hand von Teamchef Frank Williams war.

"Sicherlich war das ein wichtiger Faktor bei meinem Einstieg in die Formel 1", gibt Wolff zu. "Aber es war nicht alles. Wäre meine Performance nicht gut genug gewesen, wäre ich nicht hier." Außerdem verweist sie darauf, dass sie bei Williams schon mehr erreicht hat, als ursprünglich vereinbart war.

"Hätte dieser Test im Kiesbett geendet oder wäre ich fünf Sekunden zu langsam gewesen, säße ich jetzt nicht hier." Susie Wolff

"Es war nie geplant, das ich mehr als diesen einen Test im Formel-1-Auto hätte machen sollen", sagt Wolff über ihren ersten Test, den sie im Oktober 2012 in einem Vorjahreswagen absolvierte. "Hätte dieser Test im Kiesbett geendet oder wäre ich fünf Sekunden zu langsam gewesen, säße ich jetzt nicht hier. Es reicht sicherlich nicht aus, nur talentiert zu sein. Man muss aber auch nicht glauben, dass man sich nur mit viel Geld in ein Team einkaufen kann."

Bleibt noch die Frage nach den körperlichen Voraussetzungen, denn Frauen verfügen nun einmal über weniger Muskelmasse als Männer. Doch bisher hatte ist Wolff nach eigener Aussage noch keine körperlichen Probleme. "Ich bin das letztjährige Auto gefahren und das aktuelle und bin damit zurechtgekommen", sagt sie.

Außerdem weiß sie von männlichen Kollegen zu berichten, denen in der Formel 1 ebenfalls ihre Limits aufgezeigt wurden. "Fernando Alonso hat mit gesagt, dass es für ihn zur Zeiten der weichen Reifen wirklich anstrengend war. Und wenn ein Alonso sagt, dass es hart war, dann muss es richtig hart gewesen sein", so Wolff.