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  • 25.05.2016 · 15:41

  • von Roman Wittemeier

Stoffel Vandoorne: Renault als Alternative zu McLaren?

Shootingstar Stoffel Vandoorne will 2017 den Sprung in ein Formel-1-Renncockpit schaffen: Der Ausweg, falls McLaren seinem Zögling keine Chance bieten kann

(Motorsport-Total.com) - Bei McLaren deutet sich zur Formel-1-Saison 2017 der erste Schritt zu einem Generationswechsel an. Der Vertrag von Jenson Button läuft zum Jahresende aus, der erfahrene Brite wird mit Williams in Verbindung gebracht. McLaren-Boss Ron Dennis will nach dem Verlust von Kevin Magnussen an Renault nicht ein weiteres Talent verlieren. Die Briten wollen Youngster Stoffel Vandoorne nicht nur eine Perspektive, sondern eine langfristige Heimat bieten, sagt Dennis im Interview. Sicher ist der Aufstieg ins Renncockpit aber noch nicht.

Stoffel Vandoorne

Hat gute Aussichten auf ein Formel-1-Cockpit 2017: Stoffel Vandoorne Zoom

"Ich hoffe auf eine zeitnahe Entscheidung. Das dürfte für alle Beteiligten am besten sein", so Vandoorne. Der 24-Jährige steht als McLaren-Test- und Ersatzfahrer derzeit noch im zweiten Glied. Dennoch nutzte er seine Chance perfekt, als er im Grand Prix von Bahrain 2016 den verletzten Fernando Alonso vertrat. Vandoorne holte bei seinem ersten Renneinsatz in der Formel 1 auf Anhieb einen Punkt - es war der erste Zähler des Jahres für die Mannschaft aus Woking.

"Ich gebe alles und denke, dass ich ganz gute Chancen habe. Hoffentlich sitze ich im kommenden Jahr im Cockpit. Das ist auf jeden Fall mein Ziel", sagt der Belgier. Vandoorne ist von McLaren im laufenden Jahr in Japan "geparkt". In der dortigen Super Formula, der Nachfolgeserie der Formel Nippon, hat er bereits nachhaltig seine Visitenkarte hinterlassen. "Im ersten Rennen war ich Dritter. Das war ganz gut. Mal schauen, wie der Rest der Saison laufen wird", sagt er bei 'Sky Sports F1'.

In der Super Formula konnte er sich gleich beim ersten Auftritt gegen erfahrene Renngrößen wie Andre Lotterer, Kamui Kobayashi oder Kazuki Nakajima durchsetzen. An diesem Wochenende steht der zweite Saisonlauf in Okayama auf dem Programm. "Die Autos sind extrem gut zu fahren, man kann richtig schnell durch die Kurven jagen. Insgesamt laufen die Rennen anders - und zwar Vollgas vom Start bis ins Ziel, weil die Reifen durchhalten", sagt er.

Verstappen-Triumph war hilfreich für Youngster

Nicht nur Vandoorne selbst macht derzeit beste Werbung in eigener Sache, auch andere Faktoren spielen ihm in die Karten. Der sensationelle Sieg von Max Verstappen nach dem Wechsel zu Red Bull gibt ihm zusätzlichen Schub. "Das zeigt, dass auch junge Piloten mit weniger Erfahrung große Leistungen zeigen können", sagt der McLaren-Youngster. "Ich habe das bei meinem Einsatz in Bahrain auch bewiesen. Wenn junge Leute in Topteams gut aussehen, dann erhöht das generell meine Chancen."

Stoffel Vandoorne

Bei den Barcelona-Tests durfte Stoffel Vandoorne erneut in den McLaren-Honda Zoom

Die große Frage bleibt, ob ihm McLaren-Honda 2017 eine entsprechende Chancen bieten kann - oder will. "Wir haben ersten Zugriff", stellt Teamchef Eric Boullier fest. Der Franzose tätigt diese Aussage vor dem Hintergrund, dass bereits andere Teams ihre Fühler nach dem Talent ausstrecken. "Wenn wir keinen Platz für ihn haben sollten, dann ziehen wir in Erwägung, ihn an ein anderes Team auszuleihen." Konkret ist die Rede von Renault, wo Kevin Magnussen als Ex-McLaren-Pilot beeindruckt.

Vandoorne könnte 2017 möglicherweise den Platz von Jolyon Palmer übernehmen, heißt es. Der Brite steht bislang klar im Schatten des dänischen Teamkollegen. "Er ist ein Rookie, das warf man nicht vergessen. Er hat zwar 2015 bei einigen Freitagseinsätzen etwas Erfahrung sammeln dürfen, aber nicht allzu viel", nimmt Renault-Rennleiter Frederic Vasseur seinen Fahrer in Schutz. "In der GP2 war er richtig stark. Ich weiß das genau, denn ich war mit meinem Team auf Platz zwei hinter ihm."

"Er befindet sich in einer Lernkurve, verbessert sich immer weiter", sagt Vasseur über Palmer. Dennoch steht der britische Ex-GP2-Champion unter Druck. "Allzu viel gezeigt hat er bislang tatsächlich nicht", meint Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle über seinen Landsmann. Steht die Renault-Tür für Vandoorne also offen? "Warum nicht?", fragt McLaren-Teamchef Eric Boullier. Renault-Amtskollege Vasseur kontert: "Wir wollen ihn nicht nur ausgeliehen von McLaren. Es hat keinen Sinn, einen Fahrer ein Jahr lang auszubilden, um ihn dann wieder zur Konkurrenz ziehen zu lassen."

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