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  • 17.07.2016 · 12:43

  • von Christian Nimmervoll & Daniel Halder

Schnelle Boxenstopps: Toro Rosso will Williams kopieren

Spannende Einblick: Weshalb Toro Rosso bei den Stopps im Schnitt eine Sekunde langsamer ist als Williams - und wie der Rückstand aufgeholt werden soll

(Motorsport-Total.com) - Der Große Preis von Großbritannien vor wenigen Tagen erbrachte ein Novum in der Formel-1-Saison 2016: Zum ersten Mal in diesem Jahr absolvierte nicht das Williams-Team den schnellsten Boxenstopp bei einem Grand Prix. Mercedes fertigte Rennsieger Lewis Hamilton in 2.33 Sekunden ab und war damit exakt zwei Zehntelsekunden schneller als Williams beim Stopp von Felipe Massa. In den vorangegangen neun Rennen war stets die Mannschaft aus Grove das beste Team in der Boxengasse!

Daniil Kwjat

Bie Toro Rosso hat man diese Saison Probleme bei den Boxenstopps Zoom

Bei der Konkurrenz verfolgt man diese beeindruckende Leistung nicht ohne Neid, erkennt aber gleichzeitig die tolle Arbeit der Williams-Mechaniker an. "Wir sind im Durchschnitt eine Sekunde langsamer", gibt etwa Toro-Rosso-Teammanager Graham Watson unumwunden zu. Tatsächlich: Die Boxenstopps sind eine der großen Schwachstellen der italienischen Mannschaft aus Faenza.

Bei noch keinem einzigen der bisherigen zehn Grands Prix schaffte es die Toro-Rosso-Truppe bei einem Reifewechsel unter die Top-5 der schnellsten Boxenstopps. In Silverstone betrug der Abstand zwischen dem schnellsten Stopp der Roten Stiere und dem Mercedes-Hamilton-Stopp ziemlich exakt jene Sekunde, die dem Red-Bull-Schwester-Team in der Regel fehlt.

Rob Smedley: Williams-Achillesferse ausgemerzt

Bereits in Monaco platzte Pilot Carlos Sainz deshalb der Kragen. "Jeder Stopp hat uns zwei Plätze zurückgeworfen. Vor unserem ersten Halt lag ich vor Sergio Perez, danach war ich hinter ihm." Der Mexikaner in Diensten Force Indias beendete den Monte-Carlo-Grand-Prix als Dritter, Sainz wurde Achter und stellte mit Blick auf die Boxenarbeit fest: "Das ist nicht gut genug." Jetzt heißt es bei Toro Rosso, der Konkurrenz genau über die Schulter zu schauen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Valtteri Bottas

Das Williams-Team war in zehn Rennen neunmal Schnellster beim Boxenstopp Zoom

Ein Vorbild dürfte dabei das Mercedes-Weltmeister-Team sein, das sich im Laufe der Saison ständig verbesserte und seine Piloten Hamilton und Nico Rosberg zuletzt konstant schnell abfertigte. Besonders zu Beginn der Saison beeindruckte auch Ferraris Boxenmannschaft, auch Red Bull und Force India sind stetig unter den Top-5 der schnellsten Stopps eines Rennens zu finden. Überstrahlt werden aber alle von Williams-Leuten, die ihren Piloten Massa und Valtteri Bottas an der Box bei jedem Grand Prix enorme Vorteile verschaffen.

"Das ist das Ergebnis sehr harter Arbeit. Eine tolle Gemeinschaftsleistung aller, die an den Boxenstopps beteiligt sind", gibt Williams-Chefingenieur Rob Smedley einen Einblick in die Boxenarbeit der Engländer. Neben Ingenieuren und Designern lobt er in erster Linie sein Rennteam für die interne Koordination und die viele Trainingsarbeit.

Eine Sekunde Zeitverlust beim Stopp raubt strategische Optionen

Der wahre Schlüssel sei aber eine tiefgreifende Analyse des Boxenstopps der vergangenen Jahre gewesen, so Smedley. "Wir haben herausgefunden, wo unsere Schwachstellen lagen und sind dann beim Design ins Detail gegangen. Wir haben nicht mal etwas Fundamentales verändert, sondern sind einfach nur unserer Achillesferse der vergangenen Jahre sehr genau auf den Grund gegangen."

Der Brite macht kein Geheimnis daraus, wo diese Achillesferse bei Williams lag. "Ihr könnt es im TV anschauen und erkennen, wo wir langsam waren. Wir konnten die Räder nicht runterbekommen. Wir brauchten dafür eineinhalb- bis zweieinhalbmal länger als die anderen." Also habe man beim Design des FW38 auch auf diesen Part Augenmerk gelegt. "Eine fantastische Leistung, besonders von den Leuten, die für das Aufhängungsdesign verantwortlich sind. Sie haben uns aus diesem Problem rausgeboxt", lobt Smedley, der noch einmal unterstreicht, wie wichtig schnelle Boxenstopps im engen Formel-1-Feld sind.


Fotos: Toro Rosso, Großer Preis von Großbritannien


"Ihr seht ja die Resultate. Die Stopps bereiten uns keine Schwierigkeiten mehr, es gibt uns mehr Optionen bei der Strategie und wir können am Sonntagnachmittag nun wesentlich mehr taktische Varianten anwenden als noch in den Jahren 2014 und 2015. Viele Leute erkennen gar nicht, dass eine Sekunde Zeitverlust bei einem Boxenstopp jedes Mal riesige Auswirkungen auf deine Strategie und Taktik hat", so der Williams-Chefingenieur abschließend.

"Wir müssen den Mechanikern einfach die Ausstattung geben, die sie benötigen, um auch solch phänomenalen Boxenstopps wie Williams oder Ferrari zu machen. Wie gesagt, eine Sekunde Unterschied hat einen massiven Einfluss auf deine Strategie und deinen Rennverlauf", so Watson abschließend. Und die Williams-Mechaniker scheinen noch nicht am Ende ihrer Kapazitäten angelangt zu sein: Beim Grand Prix von Europa in Baku egalisierten sie beim Stopp von Massa die bislang schnellste, offiziell bei einem Formel-1-Rennen gemessene Zeit: 1.92 Sekunden dauerte es, genauso lange - oder kurz - wie bei Red Bull beim US-Grand-Prix vor drei Jahren.

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