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  • 17.04.2023 10:25

  • von Stefan Ehlen, Co-Autor: Jonathan Noble

Saudi-Arabien dementiert: Formel-1-Kauf ist "pure Spekulation"

Wie der Sportminister von Saudi-Arabien auf die Gerüchte reagiert, sein Land habe ein Angebot eingereicht, um die Formel 1 für fast 20 Milliarden Euro zu übernehmen

(Motorsport-Total.com) - Saudi-Arabien erwäge, Liberty Media die Formel 1 abzukaufen und dafür fast 20 Milliarden Euro zu bezahlen. Das berichtete im Januar 2023 die Nachrichtenagentur 'Bloomberg'. Zu einem Verkauf aber kam es nicht. Und laut dem saudi-arabischen Sportminister Prinz Abdulaziz bin Turki Al Faisal ist das auch kein Thema.

Titel-Bild zur News: Start zum Grand Prix von Saudi-Arabien 2023 in Dschidda aus der Vogelperspektive

Start zum Grand Prix von Saudi-Arabien 2023 in Dschidda aus der Vogelperspektive Zoom

"Ich weiß nur, was ich in den Nachrichten gelesen habe. Und ich halte das für bloße Spekulation", sagte er am Rande des diesjährigen Rennens in Dschidda.

Er gehe nicht davon aus, dass es "ernsthafte Gespräche" gegeben habe. "Die Sache hat aber große Wellen geschlagen", meint Al Faisal.

FIA-Präsident mischt sich ein und wird gerügt

In der Tat hat vor allem Mohammed bin Sulayem als Präsident des Automobil-Weltverbands (FIA) für Irritationen gesorgt, als er sich mit energischen Worten zu den Gerüchten äußerte. Er bezeichnete den spekulierten Kaufpreis für "überhöht" und "übertrieben". Aus seiner Sicht würden diese Zahlen "keinen Sinn ergeben", so bin Sulayem.

Bei der Formel 1 und Liberty Media kamen diese Aussagen nicht gut an. Die Rechtsabteilung der Rennserie wies den FIA-Präsidenten in einem Schreiben scharf zurecht, weil dieser sich lautstark eingemischt habe. Denn: Der Weltverband hat bei kommerziellen Themen kein Mitspracherecht in der Formel 1, nur Liberty Media als Inhaber der kommerziellen Rechte.

Saudi-Arabien wiederum hat durchaus ein (kommerzielles) Interesse an der Formel 1, unterhält seit 2021 einen Grand Prix in Dschidda und könnte in den kommenden Jahren sogar ein zweites Rennen im Kalender unterbringen. Mit dem staatlichen Ölkonzern Aramco tritt das Land einerseits als Teamsponsor bei Aston Martin auf, andererseits als Werbepartner der Formel 1.

Sportswashing? Saudi-Arabien nennt es "Inspiration"

Weil sich die Aktivitäten von Saudi-Arabien nicht nur auf den Rennsport beschränken, sondern auf Profisport jeglicher Form, wird dem Land immer wieder "Sportswashing" vorgeworfen. Es heißt: Saudi-Arabien wolle mit Großsportereignissen lediglich von seiner mangelhaften Menschenrechtslage ablenken.

2022 hatte das Land im Frühjahr an nur einem Tag 81 Hinrichtungen vornehmen lassen; die Anzahl vollstreckter Todesstrafen soll sich seit 2015 auf fast 130 jährlich verdoppelt haben.

Sportminister Al Faisal aber sagt, man nutze den Sport lediglich dazu, "unsere Jugend zu inspirieren und unsere Programme umzusetzen". Es gäbe in Saudi-Arabien eine große Nachfrage nach Events. Al Faisal: "Die Leute sehen die Dinge aus aller Welt und fragen sich: 'Warum können wir das nicht in unseren Städten haben?'"

Mittelfristig entsteht in Saudi-Arabien die Planstadt Qiddiya, die bewusst auf Großveranstaltungen wie die Formel 1 ausgerichtet ist. "2027 oder 2028", so heißt es, soll dort ein Grand Prix ausgetragen werden. Offen sei einzig, ob als neuer Standort für das Rennen in Saudi-Arabien oder als Ergänzung zum bestehenden (temporären) Rennplatz in Dschidda. Zwei Grands Prix stuft das Land als "machbar" ein.