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Ross Brawn: Wer ihn 1996 wirklich zu Ferrari geholt hat

In seinem neuen Buch erinnert sich Ross Brawn an seinen Wechsel zu Ferrari und übt scharfe Kritik am damaligen Benetton-Fahrer Gerhard Berger

(Motorsport-Total.com) - Michael Schumachers Manager Willi Weber hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, Ross Brawn zu Ferrari zu holen. Das geht aus dem gerade erschienenen Buch "Total Competition: Lessons in strategy from Formula 1" (erschienen 2016 im Verlag Simon & Schuster) hervor, das der langjährige Ferrari-Mastermind in Zusammenarbeit mit dem früheren Williams-Geschäftsführer Adam Parr verfasst hat.

Michael Schumacher, Ross Brawn

Michael Schumacher und Ross Brawn wurden bei Benetton zweimal Weltmeister Zoom

Brawn und Schumacher arbeiteten zwischen 1991 und 1995 bei Benetton zusammen, gekrönt von den Weltmeister-Jahren 1994 und 1995. Schumacher wollte dann eigentlich zu McLaren-Mercedes wechseln, letztendlich landete er aber bei Ferrari. 1996 war dort John Barnard Technischer Direktor, und der Scuderia gelangen in einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen "nur" drei Siege. Gleichzeitig war auch Brawn bei Benetton längst nicht mehr glücklich.

Und das lag zu einem nicht unwesentlichen Teil an den neuen Fahrern Jean Alesi und Gerhard Berger. Alesi sei "ein riesiges Talent" gewesen, zwar nicht ganz einfach in der Handhabung, "aber wir gingen davon aus, dass er eine Bereicherung für das Team sein würde". Später verpflichtete Teamchef Flavio Briatore in einem Alleingang noch Berger als zweiten Fahrer. Davon waren die Ingenieure wenig angetan: "Das war das Schlimmste, was uns passieren konnte."

Gerhard Berger, Jean Alesi

Gerhard Berger und Jean Alesi waren sich als Teamkollegen nicht grün Zoom

"Berger und Alesi hatten ein angespanntes Verhältnis, als sie bei Ferrari waren. Also hatten wir jetzt zwei neue Fahrer, die mit einer sehr schwierigen Beziehung zu uns kamen. Alesi drehte völlig durch, als er hörte, dass Berger kommen würde", erinnert sich Brawn und ergänzt: "Eines von Gerhards Zielen war, Jean ständig einen Strich durch die Rechnung zu machen - und darin war er sehr gut. Ihre Beziehung war nicht konstruktiv für das Team."

Der heute 61-Jährige erklärt in dem niedergeschriebenen Gespräch mit Co-Autor Parr, der 1996er-Benetton sei "ein sehr gutes Auto" gewesen, "genauso gut wie das im Jahr davor, aber wir gewannen kein einziges Rennen damit". Er sei also "desillusioniert" gewesen, genau wie Schumacher, der sich die Sache bei Ferrari ebenfalls einfacher vorgestellt hatte. Also lag es nahe, das Traumpaar Brawn/Schumacher wieder zusammenzubringen - und das nahm Weber in die Hand.

"Kurz vor Monaco 1996 kontaktierte mich Willi Weber und fragte mich, ob ich dazu bereit wäre, mich mit Jean Todt zu unterhalten", erzählt Brawn. "Ich habe Jean dann in Monaco getroffen. Da begannen die Gespräche über einen Wechsel zu Ferrari. Und ungefähr im September teilte ich Flavio mit, dass ich gehe." Zwar mussten noch vertragliche Streitereien geklärt werden, inklusive einer Zahlung an Tom Walkinshaw, aber ab 1997 war Brawn tatsächlich Ferrari-Technikchef.

Was dann folgte, war eine in der Geschichte der Formel 1 einmalige Erfolgsgeschichte: Ferrari kämpfte 1997 bis zum legendären Rammstoß von Jerez um den WM-Titel, war 1998 bis zum Reifenschaden in Suzuka knapp dran, verlor alle Chancen 1999 durch Schumachers Beinbruch in Silverstone. Aber ab 2000 setzte das Dream-Team Brawn/Schumacher zu fünf Fahrertiteln en suite an. Und zwischen 2010 und 2012 arbeiteten sie bei Mercedes noch einmal zusammen...