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Ross Brawn rät: Ferrari braucht eine "menschliche Firewall"

Von den Erfolgen, die Ferrari mit Ross Brawn erlebte, kann die Scuderia derzeit nur träumen - Der ehemalige Technik-Direktor weiß, was damals anders war als heute

(Motorsport-Total.com) - Unter Ross Brawn erlebte Ferrari von 1999 bis 2004 eine einmalige Siegesserie. Sechsmal in Folge wurde die Scuderia Konstrukteursweltmeister, Michael Schumacher holte fünfmal in Folge den Fahrertitel. Davon ist Ferrari in der aktuellen Formel-1-Saison weit entfernt. Doch Brawn weiß, dass es vor allem eines braucht, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden: Durchhaltevermögen.

Ross Brawn

Formel-1-"Superhirn" Ross Brawn glaubt zu wissen, was Ferrari zum Erfolg derzeit fehlt Zoom

Schließlich brauchte auch er vier Jahre Aufbauarbeit, bis Ferrari wieder sieg- und titelfähig war. Brawn erinnert sich im Gespräch mit 'BBC': "Als ich zu Ferrari kam, wusste ich nicht, was zu erwarten war. Ich war nie dort, bis ich den Job bekam. Ich war sehr überrascht. Man findet dort Mechaniker, die in dritter Generation für Ferrari arbeiten. Es gibt dort viel Leidenschaft."

Der Brite ist sicher, dass Maranello noch immer die über die nötigen Ressourcen verfügt, um mit Ferrari um Siege und Titel zu fahren. Doch entscheidend sei etwas anderes: "Es braucht Stabilität und die richtige Atmosphäre, um die eigenen Kapazitäten auch gewinnbringend zu nutzen. Es braucht jemanden, der als eine Art Firewall, ein Schutzschild agiert, um den Druck ein wenig zu nehmen, den Medien und Fans ständig auf das Team ausüben."

Was Ross Brawn Ferrari-Chef Sergio Marchionne rät

Nur so könne das Team in Ruhe seinen Job erledigen und produktiv arbeiten, "ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen, was die Konsequenzen sein könnten", erklärt Brawn. Er weiß, dass man niemandem vorschreiben kann, innovativ zu sein: "Man kann niemandem sagen: Erfinde einen neuen Frontflügel. Man kann nur sagen: Hier sind die Werkzeuge, die Umgebung und die Investition. Du hast meine Unterstützung."


Fotostrecke: Alle Sieger unter Ross Brawn

Mit den richtigen Leuten an Bord komme der Erfolg dann von ganz allein. Doch so eine Atmosphäre müsse erst erschaffen werden. "Das haben wir zumindest in meiner Ära bei Ferrari versucht", sagt Brawn. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Dabei sei auch der frühere Ferrari-Chef Luca di Montezemolo eine wichtige Komponente gewesen.

"Luca wollte immer wissen, was passiert. Er ist eine sehr leidenschaftliche Person. Aber er hat immer die nötige Distanz bewahrt und darauf vertraut, dass wir das Richtige tun. Wenn dieses Vertrauen fehlt, dann kommen die Probleme", erklärt Brawn und spricht di Montezemolos Nachfolger Sergio Marchionne an: "Ich persönlich würde Sergio raten, das nicht zu tun. Aber ich denke, er sieht einfach keine Alternative."

"Vettel hat wenigstens Leidenschaft gezeigt"

Mittlerweile herrscht bei Ferrari zumindest dem Eindruck nach mehr Frustration als Motivation vor. Sebastian Vettels Wutausbruch in Mexiko passt da ins Bild. "Zu Beginn des Wochenendes war das Auto sehr gut und dann gab es Probleme. Das ist immer ärgerlich, wenn man das Wochenende beginnt und denkt: Wir haben eine echte Chance. Und dann geht alles aus unerklärlichen Gründen schief", zeigt Brawn Verständnis.

Vettels Ärger am Funk, der sich erst auf Gegner Max Verstappen und schließlich auf die Rennleitung richtete, "war eine Kombination all dieser Umstände". Er sei auch ein Spiegel der Gesamtsituation bei Ferrari, mutmaßt Brawn und verteidigt Vettel: "Er hat wenigstens Leidenschaft gezeigt. Das kann man nicht kritisieren. Das ist besser, als wenn jemand denkt: das interessiert mich, ich fahre hier weiter meine Runden."

Zwar sei der Deutsche in diesem Fall wohl einen Schritt zu weit gegangen. Ob dafür jedoch eine Strafe nötig gewesen sei, wie zuweilen diskutiert und gefordert wurde, vermag Brawn nicht zu beurteilen. "Ich habe früher auch einige pikante Funksprüche gehört, nur wurden diese nicht übertragen", erinnert er sich. "Es wird sicher nicht mehr passieren."

Bernie Ecclestone will Ferrari wieder siegen sehen

Auch Formel-1-Primus Bernie Ecclestone hatte Vettel nach seiner Verbalattacke in Schutz genommen. "Er hat eine Meinung. Das ist gut. Und sie racen. Das ist auch gut", sagte er nach dem Mexiko-Grand-Prix. Von diesem Racing würde er künftig nur allzu gerne mehr sehen. Denn niemand wolle zu einem Rennen gehen und schon vorher wissen, wer gewinnt.

"Ich hoffe wirklich, dass Ferrari wieder in die Spur findet und damit beginnt, Rennen zu gewinnen", stellt Ecclestone gegenüber 'Formula1.com' klar. Und er glaubt zu wissen, was dafür nötig ist: "Maurizio (Arrivabene; Anm. d. R.) braucht dringend die Unterstützung, wie man sie zum Beispiel bei Mercedes hat. Dann würde es mit dem Gewinnen auch ziemlich sicher wieder klappen. Aber ich bin sicher, dass wir im kommenden Jahr ein anderes Ferrari erleben werden."

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