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Ross Brawn exklusiv: So will ich die Formel 1 besser machen!

Ross Brawn analysiert Leservorschläge, wie die Formel 1 besser werden könnte: Warum Tankstopps keinen Sinn ergeben, Update- statt Grid-Strafen aber schon

(Motorsport-Total.com) - Es ist schon ein paar Wochen her, dass wir unsere Leser via Facebook gebeten haben, sich über die Zukunft der Formel 1 den Kopf zu zerbrechen. Unser Versprechen war, alle Ideen zu sammeln, sie vorzusortieren und die meistgenannten und besten Vorschläge direkt mit Formel-1-Sportchef Ross Brawn zu besprechen. Gesagt, getan: Am Rande des Grand Prix von Österreich in Spielberg hat das Treffen stattgefunden.

Ross Brawn

Ross Brawn hat eine klare Vision, wie die Zukunft der Formel 1 aussehen soll Zoom

Erste Teile des Interviews haben wir bereits während der Sommerpause veröffentlicht. Etwa die Idee, inspiriert vom legendären Kartrennen in Paris-Bercy, die heutigen Formel-1-Helden wieder in gleichen Autos gegeneinander antreten zu lassen, außerhalb der Fahrer-WM. Oder die gleichermaßen verrückte wie charmante Vision, dass die Königsklasse eines Tages an die Nürburgring-Nordschleife zurückkehren könnte.

Doch in den mehr als 120 A4-Seiten an Facebook-Vorschlägen, die wir vor dem Treffen mit Brawn ausgewertet haben, wurden auch dutzende andere Themen immer wieder genannt. Einiges davon kam für uns weniger überraschend (etwa der Wunsch nach V12-Motoren), anderes mehr (zum Beispiel ein Comeback der Tankstopps).

Aufgrund der Fülle der Einsendungen konnten wir Brawn nicht mit allen Ideen konfrontieren. Doch was wir besprechen konnten, gibt's jetzt endlich in voller Länge nachzulesen!

Überraschung: Viele Leser wünschen sich Tankstopps

Frage: "Herr Brawn, viele Fans wünschen sich Tankstopps in die Formel 1 zurück. Mit dem Argument, dass unterschiedliche Benzinmengen im Rennen mehr Überholmanöver begünstigen. Ist das ein Vorschlag, der in Betracht gezogen wird?"
Ross Brawn: "Ehrlich gesagt nicht unbedingt. Wir kennen dieses Feedback nämlich nicht. Ich höre von Ihnen gerade zum ersten Mal, dass viele Fans sich das Nachtanken zurück wünschen."

"Wir setzen uns gerade mit einer sauberen Analyse aller Faktoren auseinander, die sich auf das Racing auswirken. Zum Beispiel mit dem Layout der Strecken. Auf einigen Strecken haben wir sehr gute Rennen, auf anderen weniger. Was sind die Faktoren, die sich auf die Qualität des Racing auswirken? Darauf konzentrieren wir uns im Moment."

"Ich verstehe das Argument für das Nachtanken. Aber momentan ist der Boxenstopp in der Formel 1 ein herausragendes Ereignis, eine aufregende Choreografie in teilweise nur noch gut zwei Sekunden! Wir dürfen nicht vergessen, dass wir früher am Kommandostand nervös Däumchen gedreht haben, weil der Reifenwechsel längst fertig war, aber noch Benzin floss. Es gab Vor- und Nachteile des Nachtankens."


Ross Brawn über die Zukunft der Formel 1

"Ich erinnere mich noch genau an die Kritikpunkte. Im ersten Rennabschnitt wusste zum Beispiel niemand, wer wie viel Benzin an Bord hat und was eigentlich los ist. Und das Qualifying war phasenweise völlig irrelevant, weil mit unterschiedlicher Startbenzinmenge gefahren wurde. Es gab Nachteile des Nachtankens, die wir nicht vergessen sollten. Damit will ich keineswegs über die Wünsche Ihrer Leser hinwegfegen. Ich verstehe vollkommen, dass das Racing besser werden muss."

Frage: "Auch mir liegt es fern, unsere Leser zu kritisieren. Aber meinen Sie, dass dieser Wunsch vielleicht nicht zu Ende gedacht ist?"
Brawn: "Die Botschaft, die wir daraus ableiten sollten, ist, dass sich die Fans unbedingt besseres Racing wünschen. Und wenn sie glauben, dass mit Nachtanken bessere Rennen zustande kommen, dann werden sie sich das Nachtanken wünschen."

"Aber gibt es auch andere Wege, das Racing zu verbessern? Das ist die Frage. Ich persönlich bin nicht überzeugt, dass Nachtanken der beste Weg ist. Ich glaube, da gibt es andere Möglichkeiten."

Qualifying im Retro-Style: eine Stunde, zwölf Runden

Frage: "Sie erwähnen die Unklarheit über die Benzinmengen der einzelnen Fahrer am Beginn eines Rennens, als Tankstopps noch erlaubt waren. Wäre nicht der einfachste Weg, das zu lösen, die Benzinmengen einfach im TV einzublenden?"
Brawn: "Wir könnten sie offenlegen, ja. Das wurde damals oft diskutiert. Und es gab sogar eine Zeit, in der die Startbenzinmenge am Samstagabend bekannt gegeben wurde. Wir haben im Moment ein großartiges Qualifying-Format. Ich finde es toll. Das Qualifying gehört zu den Dingen, die wir gut machen."

"Ich halte das aktuelle Qualifying für gut." Ross Brawn

Frage: "Das finde ich interessant. Denn ein weiterer Vorschlag, der sehr häufig von unseren Lesern genannt wurde, war eine Rückkehr zum alten Qualifying-Format mit maximal zwölf Runden in einer Stunde."
Brawn: "Wir sind mit dem aktuellen Format zufrieden. Die Veranstalter sagen uns, dass die Zuschauer auf der Tribüne eine Stunde lang unterhalten werden wollen. Wenn du zwölf Runden in einer Stunde hast, verlagert sich die Action meistens ans Ende der Session. Aktuell hingegen haben wir drei gleichmäßig attraktive Segmente. Ich halte das aktuelle Qualifying für gut. Und das Feedback, das wir dazu erhalten, ist auch positiv."

Frage: "Weniger überrascht hat mich, dass viele Leser anstelle der asphaltierten Auslaufzonen wieder Kiesbetten wollen. Schon klar, das hat Sicherheitsgründe. Aber wäre es in dem Bereich vielleicht sinnvoll, einen oder zwei Schritte zurück zu machen, ohne allzu viel Sicherheit zu opfern?"
Brawn: "Ich möchte Fragen wie diesen wirklich nicht aus dem Weg gehen. Aber meiner Meinung nach muss die Frage lauten: Warum wünschen sich die Fans mehr Kiesbetten? Was steckt hinter ihrem Vorschlag?"

"Ein Beispiel: Wenn einer der Publikumslieblinge einen Fehler macht und im Kiesbett stecken bleibt, ist das wirklich so toll? Ich finde nicht. Vielmehr müssen wir uns fragen: Was stört die Fans konkret an den asphaltierten Auslaufzonen und können wir das vielleicht anders lösen?"

Brawn über Kiesbetten: In Monaco geht's ja auch!

Frage: "Es geht darum, dass die Fahrer für ihre Fehler heutzutage nicht mehr bestraft werden."
Brawn: "Genau. Und wir wissen ja auch: Wenn wir auf Stadtkursen fahren, können sich die Fahrer keine Fehler leisten - und sie schaffen es, sich darauf einzustellen. Ich verstehe das Argument Ihrer Leser, frage mich aber gleichzeitig, ob es nicht eine bessere Art und Weise gibt, die Fahrer für ihre Fehler zu bestrafen. Zum Beispiel aggressivere Randsteine oder Prozeduren für den Fall, dass ein Fahrer die Strecke verlässt, sodass er dabei Zeit verliert."

"Eine Sache, die die Fans in diesem Zusammenhang stört, sind die Track-Limits. Die werden viel zu oft diskutiert. Weil die FIA oftmals dazu gezwungen ist, Einschätzungen zu treffen, ob jemand gegen die Track-Limits verstoßen hat oder nicht. Dafür haben wir noch keine gute Lösung. Wir versuchen, gemeinsam mit der FIA Ansätze zu finden, die subjektive Einschätzung überflüssig zu machen."

"Es gab da ja immer diese Grenzfälle, wenn ein Fahrer im direkten Zweikampf über die Track-Limits hinausgefahren ist. Oder wenn ein Auto alleine fahrend über die Track-Limits hinausfährt, aber nicht bestraft wird. Ich verstehe die Logik dahinter, aber es gibt auch einen Widerspruch. Ich habe noch keine Lösung. Aber es freut mich, dass die Leser nicht damit einverstanden sind, wie es jetzt ist. Denn wie es jetzt ist, ist nicht, wie es sein sollte."


Fotostrecke: GP Belgien, Highlights 2017

Frage: "Es gibt einen Vorschlag auf unserer Liste, der nur einmal genannt wurde, und zwar zugegebenermaßen nicht von einem Leser, sondern von mir selbst. Ich erinnere mich gern zurück an das Kartrennen in Paris-Bercy 1993, als Ayrton Senna und Alain Prost gegeneinander angetreten sind. Die TV-Übertragung hat hunderttausende Fans fasziniert und ist vielen Fans bis heute in Erinnerung. Natürlich würden da Sponsoreninteressen aufeinanderprallen, die Egos der Fahrer - eine Neuauflage wäre sicher mit Komplikationen verbunden. Aber möchte Liberty versuchen, solche Events neu aufleben zu lassen?"
Brawn: "Wir schauen uns gerade an, welchen Event wir durchführen könnten, der kommerziell neutral wäre, sodass alle Fahrer teilnehmen können."

"Es gab ja mal die BMW-Procar-Serie. Wir überlegen gerade, wie wir die Fahrer stärker einbinden können. Denn unser Ziel ist, die Fahrer zu noch größeren Helden zu machen, als sie ohnehin schon sind. Ich glaube, wenn wir sie in andere Aktivitäten einbinden könnten, wäre das sehr attraktiv für die Fans und auch für uns. Also schauen wir uns gerade an, was wir da tun können."

Auf den Spuren von Paris-Bercy: Eitelkeiten stehen im Weg

Frage: "Während der Rennwochenenden?"
Brawn: "Ja, während der Rennwochenenden. Es ist schwierig. Ein Auto zu finden, das neutral ist, und gleichzeitig das Commitment der Teams zu haben, ist nicht leicht."

Frage: "Müssten Sie persönlich halt das Auto dafür bauen, ohne Herstellerunterstützung ..."
Brawn: "Wir ziehen all diese Initiativen in Betracht (lacht; Anm. d. Red.), mit einem neuen Blick auf das große Ganze, was man mit den Fahrern anstellen kann und was nicht. Und wir planen mehr Aktivitäten abseits der Strecke mit den Fahrern. Wir werden den Fans Möglichkeiten öffnen, die Fahrer abseits der Strecke zu treffen."

"Wir können nicht zum Saugmotor zurück." Ross Brawn

Frage: "Das Motorenthema überspringen wir. Den V12 wünschen sich viele Fans zurück, aber das wird ohnehin laufend öffentlich diskutiert."
Brawn: "Aber der Motor ist ein interessantes Thema, finde ich. Auch hier ist es so, dass die Fans ihre Vorschläge zum Ausdruck bringen. Die meisten sagen, sie wollen wieder Saugmotoren. Ich denke, wir müssen analysieren, warum sie das wollen. Dann gibt es vielleicht einen Mittelweg, der einerseits für die Hersteller attraktiv ist, aber gleichzeitig auch den Fans gefällt."

"Nehmen wir den Sound. Viele Fans sagen, die alten Motoren waren fantastisch, viel lauter. Ich halte das für einen validen Punkt. Also nehmen wir für das neue Motorenformat auf die Liste, dass der Sound viel lauter und leidenschaftlicher werden muss. Die aktuellen Motoren gewinnen bei niedriger Drehzahl Energie aus der Abwärme zurück, was bedeutet, dass der Sound aus den Turbinen sehr kontrolliert rauskommt, weil die Energie wiederverwendet wird. All das arbeitet gegen laute Motoren."

"Wir sagen: In Zukunft wollen wir das nicht. Wir können gern beim Turbo bleiben, aber wir müssen die Faktoren eliminieren, durch die der Sound öder ist als beim Saugmotor. Wir können nicht zum Saugmotor zurück. Aber wir verstehen, dass der Sound für die Fans sehr wichtig ist, und wir können versuchen, das wiederherzustellen."

Brawn stellt klar: Soundgenerator ist kein Thema!

Frage: "Aber das muss authentisch passieren, nicht wahr? Ein Soundgenerator wäre keine gute Idee."
Brawn: "Absolut. Es muss authentisch sein."

Frage: "Ein Vorschlag, der sehr oft kam: Verbietet DRS! Was ich interessant finde, denn einerseits wollen die Fans mehr Überholmanöver, aber andererseits sind die heutigen Überholmanöver wohl vielen Fans zu künstlich."
Brawn: "Ich stimme dem zu. Wir haben momentan leider keine bessere Lösung. DRS ist ein Kompromiss. Wir haben es jetzt, und wir sollten eine bessere Lösung suchen. Eigentlich sollte das Ziel sein, dass die Autos wieder aus dem Windschatten überholen können."

US-F1-Designshop

Formel-1-Aerodynamik ist inzwischen ein hochkomplexes Thema geworden Zoom

"Für mich ist die Lösung, Autos so zu designen, dass sie wieder dicht auffahren können. Das Projekt ist bereits in Arbeit. Ein aktuelles Formel-1-Auto ist total darauf optimiert, frei zu fahren. Wenn die Teams in den Windkanal gehen und mit CFD entwickeln, passiert das in Isolation, ohne andere Autos. Wenn dann ein anderes Auto dazukommt, funktioniert das Auto nicht mehr so gut. Wir arbeiten daran, dass die Autos einander wieder folgen können, und evaluieren, welches Design dafür erforderlich ist."

"Wenn uns das gelingt, können wir DRS abschaffen. Vielleicht brauchen wir noch andere Lösungsansätze dafür. Aber DRS ist zu künstlich. Die Fans wollen tolle Überholmanöver sehen. Nicht einen Fahrer, der einen Knopf drückt und vorbeifährt."

Frage: "Der einfache Weg wäre, Flügel und Diffusor zu standardisieren. Aber Sie sagen ja gleichzeitig, dass die Aerodynamik ein wichtiger Teil der Formel 1 ist."
Brawn: "Das stimmt. Ich finde, dass dieser Bereich für die Fans sehr interessant sein könnte. Wir sollten die Aerodynamik durchschaubarer machen, als ein interessantes Feature eines Formel-1-Autos."

"Die Performance dieser Autos - fast aller modernen Rennautos - kommt überwiegend von der Aerodynamik. Aerodynamische Phänomene werden in praktisch jeder Rennserie genutzt. Es ist ein bisschen naiv zu glauben, dass wir einfach die Aerodynamik abschaffen und fette Reifen draufschnallen und plötzlich ist das Racing wieder gut."

Brawn warnt vor zu langsamen Formel-1-Autos

"Die Autos wären viel langsamer. Ich glaube nicht, dass das erforderlich ist. Ich glaube nur, wir brauchen ein Aerodynamik-Design, das engeres Auffahren ermöglicht. Es gibt einige Rennserien, die aerodynamisch geprägt sind, aber trotzdem enges Racing zulassen. Das wollen wir auch in der Formel 1 erreichen."

"Ich finde außerdem, wir könnten mit der Aerodynamik und dem Bodywork im sportlichen Bereich was tun. Zum Beispiel ändern die Teams die Aerodynamik heutzutage fast von Rennen zu Rennen. Warum erlauben wir nicht maximal ein Update in jedem dritten oder vierten Rennen, das man den Fans genau erklärt, sodass sie auch sehen können, was genau gemacht wurde? Derzeit ist ja alles top secret. Aber ein Update jedes vierte Rennen, zu dem es dann ein erklärendes Video gibt, das wäre eine Aufwertung."

"Es geht mir gegen den Strich, dass das Rennen eines Fahrers wegen eines technischen Problems beeinflusst wird." Ross Brawn

Frage: "Die NASCAR macht solche Videos ja auch. Manchmal sogar während der Rennen. Und theoretisch wäre das sogar eine neue Möglichkeit für Strafen. Anstelle eines Grid-Penaltys gibt's dann halt ein verspätetes Update."
Brawn: "Stimmt! Ich finde übrigens spannend, dass Sie die Grid-Penaltys ansprechen. Ich mag diese Strafen nicht. Es geht mir gegen den Strich, dass das Rennen eines Fahrers wegen eines technischen Problems beeinflusst wird."

"Klar kann man auch argumentieren, dass ein Defekt im Rennen sich auch auf das Rennen auswirkt und der Fahrer nichts dafür kann. Aber das verstehen die Fans. Was sie nicht verstehen ist, dass ihr Held auf dem letzten Platz steht, weil er den Motor wechseln musste. Das ist nicht gut für den Sport. Wir müssen dafür eine Lösung finden, entweder durch eine neue Form der Strafe - oder durch ein komplettes Abschaffen der Strafe. Dann müsste man einfach damit leben, dass die Komponenten öfter getauscht werden."

"Wir stehen diesbezüglich mit der FIA in Kontakt, ob es nicht eine bessere Lösung gibt. Wir hoffen, dass das spätestens mit dem neuen Motorenformat und dem neuen Reglement der Fall sein wird. Vielleicht schaffen wir es auch schon früher. Denn die Rückversetzungen sind derzeit ein extrem unpopulärer Faktor in der Formel 1."

Frage: "Sie sind kein Fan von schnellen Lösungen. Aber eine schnelle Lösung wäre, nicht mehr den Fahrer zu bestrafen, sondern das Team. Zum Beispiel durch den Abzug von Konstrukteurspunkten."
Brawn: "Das ist einer der Vorschläge, die auf dem Tisch liegen."

Strafen: Warum kein Update-Verbot statt Rückversetzung?

Frage: "Weil es den Teams finanziell, wenn es um die WM-Platzierung geht, sehr weh tun kann."
Brawn: "Genau. Und es gibt noch diskretere Strafen. Sie haben vorhin die Updates erwähnt. Wir hatten ja das Tokensystem bei den Motoren. Ich fand es gar nicht so schlecht. Es wurde ein bisschen kompliziert. Aber man hätte dann vielleicht eine Zeit lang den Einsatz solcher Token als Strafe sperren können. Die Grid-Penaltys sind jedenfalls sehr unpopulär, und wir sollten nach einem besseren Ansatz suchen."

Frage: "Liberty hat angedeutet, dass es ikonische Rennen geben soll, sowohl in großen Metropolen als auch auf klassischen Rennstrecken. Und welche Rennstrecke wäre klassischer als die Nürburgring-Nordschleife? Mir ist schon klar, dass das in Sachen Sicherheit und Kosten ein unfassbar herausforderndes Projekt wäre. Aber es würde auch einen gigantischen Hype erzeugen. Besteht auch nur die geringste Chance, dass die Formel 1 wieder an die Nordschleife kommen könnte?"
Brawn: "Das wäre fantastisch!"

"Die Nordschleife gehört zu den Kultstrecken der Welt." Ross Brawn

"TV-seitig könnte man es hinbekommen - einfach weil es so ein Spektakel wäre! Ich kenne die Antwort aber nicht, weil ich mich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Die Strecke auf die für die Formel 1 erforderlichen Sicherheitsstandards zu bringen, wäre (denkt nach; Anm. d. Red.) ... Vielleicht wäre es die Sache wert, uns das einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Nordschleife gehört zu den Kultstrecken der Welt."

Frage: "Wurde das Thema je angesprochen - oder wollen Sie jetzt einfach nicht mit einem Nein antworten, um höflich zu sein?"
Brawn: "Nein! Es wurde bisher nie erwähnt. Ich höre zum ersten Mal von diesem Vorschlag. Gut gemacht!"

Frage: "Ich werde eine Provision einfordern, falls es so weit kommt. Anderes Thema: Liberty ist sehr davon abhängig, was die TV-Stationen aus dem Produkt Formel 1 machen. In Großbritannien zum Beispiel setzt Sky neue Maßstäbe. Anderswo ist das nicht so. Aber Sie haben darauf letztendlich keinen Einfluss. Ist das ein Thema, mit dem Sie sich beschäftigen?"
Brawn: "Ja. Besonders in Bezug auf TV-Stationen, die nicht die gleichen Kapazitäten haben wie Sky. Wir stellen den Content zur Verfügung, und wir denken gerade darüber nach, mehr Content gerade für kleinere TV-Stationen anzubieten."

"Vielleicht sollten wir mehr tiefgründiges Material für bestimmte TV-Stationen produzieren. Damit setzen wir uns gerade auseinander. Es wäre gut für die Formel 1. Denn letztendlich werden wir danach beurteilt, was die Fans im TV sehen. In kleineren Ländern, die nur ein Studio zu Hause haben und keine Reporter an der Strecke, könnten wir viel mehr Content und Material zur Verfügung stellen als jetzt. Nächstes Jahr werden wir da erste Änderungen sehen."

Liberty: Wer sonst, wenn nicht wir?

Frage: "Wir kommen langsam zum Ende. Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mitteilen?"
Brawn: "Ich denke, wir befinden uns inmitten eines Evolutionsprozesses. Für mich gibt es im Rennsport drei Hauptaspekte: Es gibt die Teams mit ihren Prioritäten und Zielen. Es gibt die FIA mit ihren Prioritäten und Zielen, nämlich den Sport fair zu regulieren. Und es gibt den Inhaber der kommerziellen Rechte, der bisher sehr auf die Rechtevermarktung beschränkt war und sich nicht weiter in die Entwicklung des Sports eingebracht hat."

"Wir können nicht von den Teams erwarten, dass sie sich darum kümmern, und die Hauptaufgabe der FIA ist, die Regeln zu gestalten und für die Sicherheit zu sorgen - auch wenn sie natürlich ein ehrliches Interesse am Wohlergehen der Formel 1 hat. Also muss es unsere Aufgabe sein, die Formel 1 für die Fans so interessant und attraktiv wie möglich zu gestalten. Und genau das versuchen wir."

Ross Brawn

Neue und unkonventionelle Wege: Ross Brawn bei der Team-Regatta in Montreal Zoom

"Wir sammeln jetzt erst mal alle Informationen, damit wir ein klares Bild davon erhalten, was wir zu tun haben. Jeder weiß, dass die Autos besseres Racing zulassen müssen, und jeder weiß, dass die Kosten kontrolliert werden müssen. Jeder weiß, dass die Teams mehr Geld verdienen müssen, denn dann wird auch der Wettbewerb spannender. Das wissen wir alles."

"Was wir auch zu verstehen versuchen, sind die sogenannten Mikrothemen wie: Wollen die Fans wieder Tankstopps? Welches Rennformat und Qualifying funktioniert? Mit diesen Änderungen bin ich vorsichtig, denn wir haben schon oft erlebt, dass Schnellschüsse nach hinten losgegangen sind. Das schadet dem Sport."

"Meine Botschaft lautet daher: Es gibt jetzt eine Organisation, die sich jeden Tag damit auseinandersetzt, wie die Formel 1 besser werden könnte. Das gab es vorher nicht. In den nächsten paar Jahren werden wir sehen, wie die Formel 1 in all diesen Bereichen besser wird. Und das wird dann auch den Fans gefallen."

Frage: "Herr Brawn, vielen Dank für das Gespräch!"

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