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  • 05.02.2015 · 09:50

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Ron Dennis unkt: Geht es den Kleinen wirklich um das Sparen?

Der McLaren-Boss vermutet, dass eine Kostenobergrenze das Hauptziel verfolgt, die Platzhirsche zu schwächen - In Woking soll durch Effizienz gespart werden

(Motorsport-Total.com) - Obwohl das Team weder einen Hauptsponsor noch sportlichen Erfolg verzeichnet: Wenn es um Mannschaften geht, die den Gürtel enger schnallen müssen, fällt nur selten der Name McLaren. Honda und den festgeschriebenen Boni aus den allgemeinen Formel-1-Töpfen sei Dank. Ron Dennis erklärt das Unternehmensrezept: "Uns ist Technologie so wichtig, weil wir daraus Kapital schlagen. Das ist unsere Herausforderung." Kurzum: McLaren investiert in Effizienzsteigerung und spart langfristig.

Ron Dennis

Dennis macht auch als Geschäftsmann einen konservativen Eindruck Zoom

So sieht zumindest die Theorie aus, die der Konzernpatron anhand eines über einem Flughafen kreisenden und unnötig Kerosin verfeuernden Flugzeugs veranschaulicht. Dennis glaubt, dass jeder in der Königsklasse ein Stück weit seines eigenen Glückes Schmied sei: "Unsere Philosophie ist es, dass wir identische Ausgangsbedingungen wollen", sagt er, bekennt sich aber zu (unverbindlichen) Sparabsichten: "Wüsste ich, wie wir das hinbekommen können, würde ich damit nicht hinter dem Berg halten."

Aktionismus kann Dennis gar nichts abgewinnen: "Wenn wir versuchen, die Formel 1 schon 2016 umzukrempeln, explodieren die Kosten", erteilt der Brite Plänen wie der Wiedereinführung der V8-Motoren eine Absage. Honda dürfte an dieser Sichtweise nicht unschuldig sein. Auch eine fixe Budgetobergrenze ist nicht nach seinem Geschmack: "Sparen kann nur die Teamführung und dazu braucht es Selbstdisziplin. Von außen auferlegte Beschränkungen können nicht die Lösung sein. Wir müssen entscheiden."


Fotos: McLaren, Testfahrten in Jerez


So ist für Dennis logisch, welchen Plan die kleinen Teams mit ihrem Pochen auf eine günstigere Formel 1 verfolgen: "Wenn man mit den Mannschaften vernünftig diskutiert, dann ist es ziemlich unklar, wo wirklich gespart werden soll", nörgelt der Brite. "Was durchkommt: Die großen Teams wären mit Kostenlimits weniger konkurrenzfähig. Ihre Argumente beziehen sich mehr auf Dinge, die ihnen nicht zur Verfügung als auf Einsparmöglichkeiten." Sprich: Windkanäle, Hightech-Panels und so weiter.

Den Ausweg erkennt Dennis in talentierten Fahrern, die über die Motorenhersteller in die Cockpits kommen und für sportliche Akzente sorgen. Dazu brauche es eine interne Kostenkontrolle: "Unsere Mechanismen sind so scharf, dass wir immer genau informiert sind", erklärt Dennis und legt offen, dass McLaren im Januar eine halbe Million Pfund Sterling (umgerechnet rund 660.000 Euro) unter dem Budget operierte. Er räumt jedoch ein, dass die weltwirtschaftliche Situation für die Szene ungünstig sei.