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Roland Ratzenberger: Stationen einer Formel-1-Karriere

Chronologie einer vielseitigen Motorsport-Karriere: Roland Ratzenberger hat als Schrauber für Walter Lechner begonnen und es bis in die Formel 1 geschafft

(Motorsport-Total.com) - 1960: Roland Ratzenberger wird am 4. Juli als ältester Sohn von Rudolf und Margit in Salzburg geboren. Von Kindheit an dreht sich bei ihm alles um Autos und den Motorsport. Als 1969 der Salzburgring eröffnet wird, wird er dort zum Stammgast - und träumt davon, einmal selbst wie Jochen Rindt und Niki Lauda Rennfahrer zu werden.

Roland Ratzenberger siegt beim Formel-Ford-Festival 1986

Roland Ratzenberger siegt beim Formel-Ford-Festival 1986 in Brands Hatch Zoom

1976: Ratzenberger wird Mitglied im ersten Salzburger Kart-Club.

1978: Ratzenberger macht den Führerschein und kauft seinen ersten VW Käfer. Er bricht (sehr zum Missfallen seiner Eltern) im vierten Jahr seine Schulbildung ab (Höhere Technische Lehranstalt), absolviert den Militärdienst als Pinzgauer-Fahrer und beginnt für Walter Lechner zu arbeiten, dessen Werkstatt sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Elternhauses befindet. Um sich seine ersten Renneinsätze zu finanzieren, nimmt Ratzenberger auch andere Nebenjobs an. Zum Beispiel fährt er für eine Salzburger Bäckerei Brötchen aus.

1979: Ratzenberger testet auf dem Salzburgring erstmals einen Formel Ford. Weil er sich jedoch eine komplette Saison 1980 nicht leisten kann, wechselt er von der Walter-Lechner- in die Jim-Russel-Racing-School und zieht nach Italien.

Instruktor von Bodyguards reicher Menschen

1980: Bei Jim Russel gewinnt Ratzenberger nicht nur dessen Trophy-Wettbewerb, sondern verdient sich zusätzliches Geld, indem er als Instruktor Bodyguards von reichen Menschen beibringt, schnell und sicher Auto zu fahren und Verfolger abzuschütteln. Er bekommt den Spitznamen "Topo di Montagna" verpasst, was so viel bedeutet wie "Ratte der Berge".

Roland Ratzenberger beim Formel-Ford-Fesival in Brands Hatch 1986

Ratzenberger feiert seine ersten internationalen Erfolge in der Formel Ford Zoom

1981: Ratzenberger kehrt in die Heimat zurück und arbeitet wieder für Walter Lechner. Gemeinsam mit einem Bekannten beginnt er, ein eigenes Kart-Team zu betreiben und junge Talente zu unterstützen. Aus Geldmangel muss das Juniorteam aber schon am Jahresende wieder eingestellt werden.

1983: Ratzenberger fährt Formel Ford für das Lechner-Team.

1984: Ratzenberger wechselt zu Peter Gärtner und finanziert sich als Mechaniker in dessen Team seine eigenen Einsätze in der Formel-Ford-Saison 1984. Im Juni bricht er sich bei einer Kollision mit Bertrand Gachot in Zandvoort das Khanbein und fällt für den Rest der Saison aus.

Ratzenberger steigt in die Nachwuchsförderung ein

1985: Der deutsche Geschäftsmann Alois Roppes ist auf der Suche nach einem Mentor und Teammanager für die Karriere seines Sohnes Markus - und wird in Ratzenberger fündig. Im Gegenzug finanziert er dem Salzburger dessen eigene Einsätze in der Zentraleuropäischen, Deutschen und Österreichischen Formel Ford. Mit elf Siegen in 19 Rennen wird Ratzenberger 1985 Zentraleuropäischer und Österreichischer Meister.

Martin Donnelly, Damon Hill und Roland Ratzenberger auf dem Formel-3-Podium in Spa 1987

Martin Donnelly, Damon Hill und Roland Ratzenberger auf dem Formel-3-Podium Zoom

1986: Ratzenberger übersiedelt nach Großbritannien und bestreitet die Saison 1986 für das Space-Team von Jeff Cherry. Er gewinnt das Race of Champions (gegen 25 Landesmeister in identischen Autos) und das Formel-Ford-Festival und schafft damit den internationalen Durchbruch.

1987: Ratzenberger wird beim Schnitzer-Team BMW-Werksfahrer für die Tourenwagen-Weltmeisterschaft und verdient mit seiner Rennfahrerei zum ersten Mal Geld. Die WM wird aber Ende 1987 wegen explodierender Kosten und mangels Teilnehmer nach nur einem Jahr wieder eingestellt. Parallel dazu fährt Ratzenberger in Großbritannien auch die nationale Tourenwagen-Meisterschaft und sammelt erste Erfahrungen in der Formel 3.

Schwierige Saison in der Britischen Formel 3

Roland Ratzenberger im Schnitzer-BMW bei der Tourenwagen-WM 1987 in Donington

Kurze WM-Bühne: In der WTCC verdient Ratzenberger 1987 erstmals Geld Zoom

1988: Ratzenberger wechselt zum Madgwick-Team in die Britische Formel 3, erleidet aber eine ganze Reihe technischer Defekte. Bei einem Test in Snetterton brennt sein Auto ab, woraufhin die unheilvolle Zusammenarbeit beendet wird. Ratzenberger konzentriert sich wieder auf die Britische Tourenwagen-Meisterschaft und belegt in dieser bei sechs Renneinsätzen fünfmal einen Podestplatz.

1989: Ratzenberger empfiehlt sich durch einen überragenden Test für eine Formel-3000-Saison im Spirit-Team. Obwohl sein Team aus Geldmangel nicht an allen Rennen teilnehmen kann, beendet er die Meisterschaft an dritter Stelle der Gesamtwertung. Parallel dazu bestreitet er gemeinsam mit seinem früheren Chef Walter Lechner und Mauricio Sandra-Sala in einem Porsche 962C erstmals die 24 Stunden von Le Mans. Dort scheidet das österreichisch-brasilianische Trio wegen eines Reifenschadens aus. In Spa fährt Ratzenberger ein Rennen zur Tourenwagen-Weltmeisterschaft und beendet dieses als Vierter. Doch jetzt folgt ein entscheidender Wendepunkt in seiner Karriere: Bei einem Sportwagen-Test für Toyota in Japan überzeugt er den japanischen Hersteller derart von seinen Fähigkeiten, dass er als erster europäischer Rennfahrer mit einem Werksvertrag ausgestattet wird. Ratzenberger übersiedelt nach Japan.

In Japan ein Star, in Österreich ein Nobody

Roland Ratzenberger im Toyota-Sportwagen in Autopolis 1991

Star in Japan: Ratzenberger wird als erster Europäer Toyota-Werksfahrer Zoom

1990: Ratzenberger verdient jetzt gutes Geld mit dem Rennfahren und gewinnt die 1.000 Kilometer von Fuji. Dafür kassiert er umgerechnet rund 75.000 Euro Preisgeld. Ratzenberger gewinnt auch die Gruppe-A-Gesamtwertung der Japanischen Tourenwagen-Meisterschaft und fährt in der Japanischen Formel 3000. Am Saisonende steht er knapp davor, für das neue Formel-1-Team von Eddie Jordan unter Vertrag genommen zu werden. Sein japanischer Sponsor springt jedoch in letzter Minute ab, der vier Millionen US-Dollar schwere Deal platzt.

1991: Ratzenberger triumphiert bei den 1.000 Kilometern von Suzuka und damit auch beim zweiten großen Sportwagen-Klassiker in Japan. Er ist jetzt in Japan endgültig ein Star, sein Gesicht lächelt in Tankstellen von Postern. Zu Hause in Österreich nimmt aber kaum jemand Notiz von seinen Erfolgen. Ratzenberger wird Mitglied im Toyota-Entwicklungsteam und absolviert auf den Toyota-Strecken in Japan tausende Entwicklungskilometer. Er gewinnt neuerlich die Gruppe-A-Tourenwagen-Meisterschaft und tritt auch erneut bei den 24 Stunden von Le Mans an. Außerdem absolviert er auf Wunsch von Chassishersteller Lola einen CART-Test in Laguna Seca und sorgt dabei für hochgezogene Augenbrauen. Fortan wird er von Dick Simon mit einem Vertrag als CART-Testfahrer ausgestattet.

Teamkollege von Eddie Irvine in Japan

1992: Ratzenberger bleibt in der Japanischen Sportwagen-Szene und holt (unter anderem mit seinem neuen Teamkollegen Eddie Irvine) drei Podestplätze in der Gruppe C. Im Gruppe-A-Tourenwagen wird er nach zwei Meistertiteln hintereinander diesmal Zweiter. Dafür feiert er in Suzuka einen Sieg in der Japanischen Formel 3000, die er als Siebter der Gesamtwertung beendet. Außerdem bestreitet er 1992 die 24-Stunden-Rennen in Daytona (Dritter) und Le Mans (Neunter).

Roland Ratzenberger in Brasilien 1994

Ein Traum wird wahr: Eine Geschäftsfrau finanziert 1994 den Einstieg bei Simtek Zoom

1993: Ratzenberger bleibt in der Japanischen Formel 3000 ohne Sieg, wird aber Fünfter bei den 24 Stunden von Le Mans. Mit der Formel 1 hat er inzwischen abgeschlossen.

1994: Ratzenberger lernt in seiner Wahlheimat Monaco die Geschäftsfrau Barbara Behlau kennen, eine Österreicherin, die eine Sport- und Musikagentur betreibt und Ratzenberger fünf Rennen beim finanziell maroden Simtek-Team in der Formel 1 finanziert. Ratzenberger verpasst beim Saisonauftakt in Brasilien die Qualifikation für das Rennen, wird aber beim zweiten Rennen in Japan Elfter. Beim Samstags-Qualifying zum Grand Prix von San Marino in Imola bricht bei der Anfahrt zur schnellen Villeneuve-Kurve der Frontflügel am Simtek des Salzburgers. Ratzenberger hat keine Überlebenschance und stirbt noch an Ort und Stelle. Er hätte auch 1994 wieder die 24 Stunden von Le Mans bestreiten sollen.