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Rennleiter erklärt: Warum in Spa keine rote Flagge gezeigt wurde

Die Strecke sah nach dem Giovinazzi-Russell-Crash aus wie ein Schlachtfeld, trotzdem wurde das Rennen nicht abgebrochen - FIA-Rennleiter Michael Masi erklärt warum

(Motorsport-Total.com) - Die Entscheidung, den Grand Prix von Belgien nach dem Unfall von Antonio Giovinazzi und George Russell nicht abzubrechen, sondern nur das Safety-Car auf die Strecke zu schicken, sorgte gestern in Spa bei einigen Beobachtern für Stirnrunzeln. Aber die FIA vertritt im Nachhinein die Ansicht, dass die Entscheidung, keine rote Flagge zu zeigen, richtig war.

Esteban Ocon, Alexander Albon, Lance Stroll, Antonio Giovinazzi, George Russell

Die Streckenposten haben die Teile relativ rasch von der Strecke gefegt Zoom

"Es war nicht notwendig", begründet Rennleiter Michael Masi seine Entscheidung, die im ersten Moment von mehreren TV-Kommentatoren aufgrund der vielen Wrackteile, die auf der Strecke lagen, skeptisch beurteilt wurde. Aber Masi sagt: "Die rote Flagge ist eines von vielen Werkzeugen, das der Rennleiter zur Verfügung hat. Wie auch das Safety-Car und das virtuelle Safety-Car."

In den ersten TV-Bildern nach dem Crash sah die Stelle zwischen den Kurven 13 und 14 wie ein Schlachtfeld aus. Mehrere Fahrer, darunter Lewis Hamilton, meldeten am Boxenfunk Wrackteile auf der Strecke. Die große Angst war, dass sich ein Fahrer einen Reifen aufschlitzen könnte - was auf einer Highspeed-Rennstrecke wie Spa potenziell dramatische Folgen gehabt hätte.

"Du fährst über ein Teil drüber und hast einen Crash", sagt Günther Steiner. Aber selbst der Haas-Teamchef, sonst selten um Kritik in Richtung FIA verlegen, versteht Masis Entscheidung: "Ich glaube, es war richtig, nicht die rote Flagge zu zeigen. Es hat hinterher ja keinen Schaden gegeben. War es Glück oder die richtige Entscheidung? Vielleicht eine Kombination aus beidem."


Fotostrecke: Der Unfall von Antonio Giovinazzi und George Russell in Spa

Masi erklärt: "Die Streckenposten haben großartige Arbeit geleistet, sehr schnell eine saubere Linie zu schaffen. Das betraf zunächst die Autos vor dem Safety-Car. Als das Safety-Car das erste Mal dort vorbeigefahren ist, war schon eine Linie freigekehrt. Daher war eine rote Flagge meiner Meinung nach nicht notwendig."

Das große Glück war zudem, dass bis auf Pierre Gasly und Sergio Perez alle die Safety-Car-Phase nutzten, um Reifen zu wechseln. Das gab den Streckenposten Zeit, ihre Arbeit zu verrichten. Als diejenigen, die an der Box waren, mit frischen und damit nachweislich unbeschädigten Reifen wieder zur Unfallstelle kamen, war dort schon eine Linie freigekehrt.

"Ich konnte die Teile nicht sehen, aber es waren sicher Carbonteile", sagt Steiner. "Die Streckenposten haben der Rennleitung sicher gemeldet, wie schlimm es war, und die Rennleitung hat entschieden, dass es ohne rote Flagge geht. Ich stelle das von meiner Position aus sicher nicht in Frage, weil ich nicht gesehen haben, was da draußen los war."

Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner übt keine Kritik an Masis Entscheidung: "Zuerst dachten wir, dass die rote Flagge kommt. Aber als wir während des Safety-Cars an die Box kamen, sahen wir, dass die Reifen nicht beschädigt waren und keine Teile drinsteckten. Das war eine Erleichterung. Das Wichtigste ist sowieso, dass die beiden unverletzt geblieben sind. War ein heftiger Unfall."