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Renault-Boss: Selbst Mercedes hätte bei Neueinstieg Probleme

Renaults Teamchef Cyril Abiteboul äußert sich kritisch über die Bedingungen zum Einstieg in die Formel 1: Selbst Mercedes könnte nicht auf sein Top-Niveau kommen

(Motorsport-Total.com) - Renault-Teamchef Cyril Abiteboul warnt die Formel 1 vor ihren Einstiegshürden, die neuen Teams einen Erfolg im Sport verbauen würden. Er glaubt, dass die aktuelle Struktur des bis 2020 laufenden Concorde-Agreements nicht dafür sorgen würde, "dass Neueinsteiger unter richtigen Bedingungen kommen" würden, wie er gegenüber 'us.motorsport.com' betont.

Cyril Abiteboul

Cyril Abiteboul kritisiert die Einstiegsbedingungen der Formel 1 Zoom

Formel 1 und Neueinsteiger ist ohnehin ein schwieriges Thema in den vergangenen Jahren gewesen. 2016 war Haas der erste richtig neue Rennstall, seit Lotus (später Caterham), Virgin (später Marussia und Manor) und HRT 2010 mit dem Versprechen einer Budgetgrenze in die Königsklasse gelockt wurden. Bekanntlich wurde die Idee von Ex-FIA-Präsident Max Mosley nie umgesetzt, und keines der Teams existiert heute mehr.

Abiteboul geht sogar so weit, zu sagen, dass selbst ein Team wie Mercedes, die in den vergangenen Jahren alles in Grund und Boden gefahren haben, unter dem aktuellen Reglement Probleme haben würde. "Wenn Mercedes heute beitreten würde, dann wäre ich mir nicht sicher, dass sie in fünf Jahren in der gleichen Position wären, wie sie es heute sind", so der Franzose. "Sie wären nicht in der Lage, die Vorzüge ihres bemerkenswerten Planes zu genießen."

Finanziell durch Welten getrennt

Denn Neueinsteigern wird es in der Formel 1 äußerst schwer gemacht. "Es wurden neue Barrieren geschaffen", sagt der Renault-Teamchef. Zum einen waren die Einstiegsbedingungen in den vergangenen Jahren so hoch, dass kaum ein Team die Voraussetzungen erfüllte, zum anderen startet man auch finanziell mit einem riesigen Handicap, wie die von 'Motorsport-Total.com' recherchierte FOM-Auszahlung zeigt.

So muss das Haas-Team derzeit mit 19 Millionen US-Dollar Ausschüttung auskommen, während Branchenprimus Ferrari 180 Millionen Dollar bekommt. Die Scuderia bekommt alleine 103 Millionen Dollar Bonuszahlungen, ohne auch nur einen Finger zu rühren - auch Mercedes (74 Millionen), Red Bull (74), McLaren (30) und Williams (10) profitieren davon. Ein Neueinsteiger hat somit kaum eine Chance auf einen fairen Wettbewerb - auch ein Abschreckungsgrund.

"Respekt kommt mit dem Erfolg"

Außerdem gibt es noch weitere Nachteile, wie das fehlende Beteiligungsrecht in der Strategiegruppe. Die fünf Teams mit den Bonuszahlungen haben auch hier das Heft in der Hand, während selbst ein großer Rennstall wie Renault - immerhin 2006 noch Weltmeister - ausgeschlossen ist. Die Möglichkeit hätte man über die sportliche Qualifikation, doch den einen Sonderplatz hält derzeit Force India.


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Doch zumindest über diesen Punkt möchte sich Renaults Teamchef Cyril Abiteboul nicht beklagen: "Wenn wir in der Strategiegruppe sein möchten, wissen wir, was wir zu tun haben", sagt er und will sich seinen Status erarbeiten: "Der Respekt kommt mit dem Erfolg", betont er und zieht einen Vergleich zum ehemaligen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, der sich nicht immer kooperativ und hilfsbereit zeigte.

"Bernie hatte seine Meinung über Renault, aber als Renault mit sehr erfolgreichen Fahrern (Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella; Anm. d. Red.) 2005 und 2006 gewann und einen angesehenen Teamchef hatte (Flavio Briatore; Anm.), hatte Bernie viel Respekt vor Renault und unsere Stimme war etwas wert", so der Franzose.