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"Rakete" McLaren stiehlt Verstappen bei Sieg in Silverstone die Show!

Silverstone steht Kopf und feiert zwei Briten auf dem Podium, aber: Gegen Superstar Max Verstappen im Red Bull war erneut kein Kraut gewachsen

(Motorsport-Total.com) - McLaren hat im Rennen gehalten, was im Qualifying versprochen wurde: Zwar konnte Lando Norris gegen Sieger Max Verstappen nichts ausrichten - doch der britische Lokalmatador sicherte sich bei seinem Heimrennen in Silverstone 2023 den zweiten Platz, nach einem phasenweise sehenswerten Duell gegen Lewis Hamilton (Mercedes).

Titel-Bild zur News: Lando Norris, Max Verstappen

Max Verstappen und Lando Norris waren die auffälligsten Fahrer in Silverstone Zoom

Verstappen verlor die Führung am Start kurzzeitig, gewann den Grand Prix von Großbritannien letztendlich aber souverän. Mit dem elften Sieg hintereinander schrieb Red Bull zudem Geschichte. Das war bisher in der Geschichte der Formel 1 nur einem Team gelungen, nämlich McLaren 1988.

Die große Sensation in Silverstone war ausgerechnet jenes McLaren-Team - nicht nur wegen Norris auf Platz 2, sondern auch Rookie Oscar Piastri lieferte mit Platz 4 ein tolles Ergebnis ab.

In Silverstone standen zum ersten Mal seit 1999 zwei Briten auf dem Podium. Hamilton staunte am Boxenfunk nicht schlecht über sein Ex-Team: "Dieser McLaren ist eine Rakete! Unglaublich, wie der in den schnellen Kurven abgeht."

Fünfter wurde George Russell (Mercedes) vor Sergio Perez (Red Bull), Fernando Alonso (Aston Martin), Alexander Albon (Williams), Charles Leclerc und Carlos Sainz (beide Ferrari), der gegen Ende in einer einzigen Runde das Kunststück vollbrachte, drei Positionen zu verlieren.

Nico Hülkenberg (Haas) fuhr als 14. über die Ziellinie, rückte aber wegen einer Fünfsekundenstrafe gegen Lance Stroll (Aston Martin) noch auf P13 auf.

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Unter Riesenjubel der Fans: Wie lief der Start?

Obwohl Hamilton in der ersten Kurve nach außen rutschte, hatten die britischen Fans beim Start Grund zum Jubeln. Verstappen hatte auf den ersten Metern etwas Wheelspin und verlor daher die Führung an Norris. Beinahe wäre es sogar zu einer McLaren-Doppelführung gekommen, denn den besten Start im Spitzenfeld hatte Piastri.

Der von Mark Webber gemanagte Formel-1-Rookie aus Australien war in Kurve 1 innen neben Verstappen, musste aber zurückstecken. Doch anstatt locker zu lassen, lieferte er dem Weltmeister über weite Strecken der ersten Runde ein beherztes Duell. Erst vor Copse, wo Verstappen 2021 mit Hamilton kollidiert war, hielt Piastri zwar seine Nase rein, musste dann aber vom Gas gehen. Damit war die Luft erstmal draußen.

Norris hatte Verstappen früh aus dem DRS abgeschüttelt. In Runde 4 war Verstappen aber wieder dran, und in Runde 5 kam es bei Brooklands zum Führungswechsel. Für Norris waren es die ersten Führungsrunden seit seinem Beinahesieg in Sotschi 2021.

"Wir hatten einen schrecklichen Start", sagt Verstappen. "Wir müssen uns anschauen, warum das so war, denn die letzten Starts waren eigentlich ganz gut. Die McLarens waren richtig schnell. Ich habe ein paar Runden gebraucht, Lando zu überholen. Dann konnte ich irgendwann einen Vorsprung rausfahren, und von da an wurde es leichter."

Gab es bei McLaren eine Stallorder?

Nach dem Verlust der Führung konnten Norris und Piastri Verstappens Tempo gut mitgehen. Verstappen klagte über eine wechselhafte Balance, was ihm von seinem Renningenieur mit dem wechselhaften Wind erklärt wurde. Nach zehn Runden hatte Norris immer noch erst eine Sekunde Rückstand.

Gleich dahinter konnte Piastri gut mithalten. Bis er den Funkspruch hörte: "Oscar, halte für den Moment die Position. Versuche, den Vorsprung auf Leclerc zu vergrößern. Im Moment 2,6 Sekunden. Lass mich wissen, wenn du aufgehalten wirst." Was der Australier ohne zu murren akzeptierte: "Copy."

Als Piastri in Runde 29 an die Box kam, immer noch an dritter Stelle liegend, hatte er drei Sekunden Rückstand auf Norris. Er ließ von Medium auf Hard umstecken. Zuvor hatte man Norris am Funk erklärt, dass der Hard an anderen Autos nicht besonders gut aussehe, "aber er ist trotzdem unsere beste Option".

Wann begann es zu regnen?

In der elften Runde wurde Verstappen darüber informiert, dass es in etwa zwei bis drei Minuten zu regnen beginnen soll. Leichter Regen, ähnlich wie in Q2 am Samstag, für drei bis vier Minuten, werde erwartet, funkte Renningenieur Gianpiero Lambiase.

Kleine Randnotiz: Lambiase ließ Verstappen auch wissen, dass Norris in den langsamen Kurven schneller sei. Das ließ der Weltmeister nicht auf sich sitzen und holte in der nächsten Runde gleich mal eine halbe Sekunde raus.

In Runde 15 meldete Verstappen einen "leichten Schauer"; auf die Rundenzeiten wirkte sich das aber nicht aus. Seinen Vorsprung auf Norris konnte er in jener Phase auf über drei Sekunden vergrößern. Die McLarens hatten sich ihrerseits vier Sekunden Vorsprung auf Leclerc verschafft, der den schneller wirkenden Russell (Soft) aufhielt.

Der Regenschauer war dann letztendlich übrigens kaum wahrnehmbar und hatte keinerlei Auswirkungen auf das Renngeschehen.

Warum war Russell sauer auf Leclerc?

Russell hatte einen guten Start erwischt und sich auf Platz 5 verbessert. Mit den weicheren Reifen war er in der Anfangsphase eins der schnellsten Autos im Feld. Auf den vor ihm fahrenden Leclerc übte er mächtig Druck aus, doch überholen konnte er ihn nicht.

Mit Leclercs Verteidigung war Russell nicht immer einverstanden. Einmal funkte er zum Beispiel: "Wenn das nicht Spurwechsel auf der Bremse ist, dann weiß ich auch nicht."

In Runde 18 hatte sich das Problem erledigt. Ferrari stellte auf "Plan B" um und holte Leclerc (von Medium auf Hard) an die Box. Jetzt hatte Russell endlich freie Fahrt nach vorn, und fünf Sekunden Rückstand auf Piastri.

In Runde 28 kam Russell an die Box und wechselte von Soft auf Medium. Er hatte jetzt die um zehn Runden frischeren Reifen als Leclerc, dafür aber auf der Strecke 1,9 Sekunden Rückstand auf den Ferrari. Was auch an der mittelprächtigen Standzeit beim Reifenwechsel lag: 3,9 Sekunden.

Drei Runden später hatte sich das Thema erledigt: Russell schob sich außen in Kurve 7 an Leclerc vorbei und lag damit an siebter Stelle, 9,6 Sekunden hinter Norris (und 2,4 Sekunden hinter Piastri), seinen Gegner im Fernduell um den Titel des besten Briten im Grand Prix.

Was passierte während der Safety-Car-Phase?

Verstappen hatte gerade seine 32. Runde begonnen, als das Rennen mittels VSC neutralisiert wurde. Kurz darauf kam das richtige Safety-Car auf die Strecke. Beide McLaren-Piloten hätten sofort an die Box kommen können, nutzten aber nicht gleich die erste Gelegenheit. Stattdessen holte man nur Norris rein, und zog diesem harte Reifen auf.

Verstappen lag jetzt mit Soft in Führung, vor Norris auf Hard, Hamilton auf Soft und Piastri (Hard) und Russell (Medium), die die Chance auf einen Reifenwechsel nicht genutzt hatten. Hinter den beiden lag Alonso mit frischeren Softs auf Platz 6, und die weicheren Reifen, so zumindest die Papierform, sollten beim Neustart ein Vorteil sein.

Als Norris gesagt wurde, Hamilton hinter ihm sei auf einem gebrauchten Satz Soft, dämmerte ihm, dass das bei Wiederaufnahme des Rennens zum Problem werden könnte: "Lovely", kommentierte er die Information süffisant.

Nach dem Rennen wurde er noch deutlicher: "Sie haben mir die harten Reifen gegeben. Ich weiß nicht warum - in manchen Dingen sind sie halt noch Anfänger", grinst Norris.

Wie lief der Neustart in Runde 39 von 52?

Verstappen ließ Abstand zum Safety-Car und zog bei Stowe das Tempo an, fuhr gleich in der ersten Runde nach dem Neustart eine schnellste Runde. Von da an war er nicht mehr zu halten. Paradox: Während Norris für den letzten Stint lieber einen Soft statt Hard gehabt hätte, erklärt man bei Red Bull, dass der Hard besser gewesen wäre als der Soft.

"Den Soft zu nehmen war ein Risiko", erklärt Motorsportkonsulent Helmut Marko. "Bei Max und auch bei Hamilton haben die Reifen stark abgebaut. Wir waren froh, als das Rennen vorbei war. Fünf Runden mehr, dann wäre Norris' Reifenvorteil voll tragend geworden."

Verstappen sagt: "Ich dachte zuerst, das sei die richtige Entscheidung. Aber nach zwei, drei Runden war es schwierig, die Temperaturen unter Kontrolle zu halten."

Stattdessen entbrannte hinter Verstappen ein sehenswertes Rad-an-Rad-Duell zwischen Norris und Hamilton um Platz 2. Hamilton profitierte zunächst vom Safety-Car, das ihn auf Podiumskurs brachte, und dann vom Vorteil der weicheren Reifen.

Bei Woodcote schnupperte er schon neben Norris, vor Copse hatte er einen Geschwindigkeitsüberschuss - steckte aber zurück, ebenso wie in der Runde darauf. Womöglich auch, weil er es nicht wie 2021 mit Verstappen auf einen Horrorcrash ankommen lassen wollte.

Das Publikum stand jetzt Kopf, und die Zeit spielte für Norris. Seine harten Reifen kamen immer besser ins Spiel, je länger das Rennen dauerte. Dahinter gab es zwischen Piastri und Russell ein weiteres McLaren-Mercedes-Duell um Platz 5, und auch Russell musste einräumen: "Der McLaren ist auf dem Hard richtig stark. "

Fünf Runden vor Schluss war der Brei gegessen. Verstappen gewann den Grand Prix vor Norris und Hamilton, der zurücksteckte, als er Norris aus dem DRS-Fenster verloren hatte, und sich mit dem dritten Platz begnügte.

"Der McLaren war durch die schnellen Kurven unglaublich. Einfach wow", gratuliert Hamilton. "Ich konnte da nicht mithalten, aber wir hatten beim Neustart einen guten Fight. Der Start war nicht so gut für mich, aber der Longrun auf dem Medium war super. Es ist positiv für uns, dass wir nicht so weit weg sind."

Wie kam Hamilton eigentlich so weit nach vorn?

Der Silverstone-Rekordsieger kam nur als Achter aus der ersten Runde zurück. Nach einem Ausritt gleich in der ersten Runde sah es für ihn ganz und gar nicht nach einem Podium aus.

Doch dann kamen der Reihe nach die beiden Ferraris, Piastri und Russell an die Box - und Hamilton blieb noch draußen und gewann dadurch die Trackposition. "Ich hatte den Medium in der Hoffnung aufgezogen, dass vielleicht ein Safety-Car kommt", lächelt er. "Und zum Glück kam dann auch eins!"

Plötzlich war Hamilton nicht mehr Siebter, sondern Dritter, und er hatte auch noch die vermeintlich besseren Softreifen drauf. Für eine Attacke gegen Norris reichte es nicht mehr. Aber den dritten Platz ließ er sich nicht mehr nehmen.

Warum fiel Ferrari so weit zurück?

Von P4/5 in der Startaufstellung ging es für Leclerc und Sainz bis Rennende auf P9/10 nach hinten. Grund dafür war diesmal nicht der Reifenverschleiß: "Wir hatten eigentlich mit einem höheren Reifenverschleiß gerechnet und haben deswegen im Rennen vielleicht zu wenig gepusht", analysiert Teamchef Frederic Vasseur.

Vor den Boxenstopps lag Leclerc an vierter und Sainz an sechster Stelle. Doch dann kam das Safety-Car zum für Ferrari ungünstigsten Zeitpunkt. Eine Ironie, dass ausgerechnet ein Ferrari-Motor (Magnussen) dafür verantwortlich war.

Aber: "Das Timing des Safety-Cars war für uns sicher ungünstig, während es anderen Fahrern geholfen hat. Aber unterm Strich hatten wir einfach nicht die Pace", räumt Leclerc ein.

Ein weiterer Rückschlag war, als Sainz in einer Runde drei Positionen verlor. Der Spanier sei "komplett von der Rolle" gewesen, "als er überholt wurde, das war schon fast peinlich", kritisiert 'Sky'-Experte Ralf Schumacher.

War der Haas im Rennen wieder so schlecht?

Für Hülkenberg lief von Anfang an alles schief. Gleich am Start verlor er drei Positionen und fiel auf Platz 14 zurück. Was auch daran gelegen haben mag, dass er neben Valtteri Bottas (Alfa Romeo) der einzige Fahrer war, der für den Start harte Reifen montiert hatte. Mutmaßlich, um einen möglichst langen ersten Stint fahren zu können.

Doch da machte ihm Perez einen Strich durch die Rechnung. Als der Red Bull von hinten ankam und an Hülkenberg vorbeiging, kam's zu einer Berührung der beiden, die Hülkenberg die linke Endplatte seines Frontflügels kostete. So musste er schon nach sieben Runden von Hard auf Medium wechseln, was seine geplante Strategie völlig ad absurdum führte.

Hülkenberg lag schon an letzter Stelle, und langsamere Rundenzeiten als er fuhr nur sein Teamkollege Kevin Magnussen. Für den war das Rennen in Runde 31 zu Ende, mit Flammen, die aus dem Auspuff kamen. Magnussen stellte sein Auto auf der Strecke ab und löste damit zunächst eine VSC- und dann eine Safety-Car-Phase aus. Hülkenberg ging ebenfalls leer aus.

Gab es weitere Ausfälle im Rennen?

Der erste Fahrer, der abstellen musste, war Esteban Ocon. Am Alpine trat ein Hydraulikleck auf, weswegen er nach neun Runden an die Box kam und aufgab. Später schied dann mit Pierre Gasly auch der zweite Alpine aus. Bei einer Kollision mit Stroll zog er sich einen Schaden an der Radaufhängung zu. Stroll kassierte dafür eine Fünfsekundenstrafe, die auf seine Rennzeit addiert wurde.

Wie viele Zuschauer waren vor Ort?

Silverstone stellte 2023 einen neuen Zuschauerrekord auf. 160.000 Fans waren am Sonntag live an der Strecke, 480.000 am gesamten Rennwochenende. Damit ist die Zahl aus der Saison 2022 (401.000) deutlich übertroffen.

Wie geht die Formel-1-WM 2023 jetzt weiter?

Nach dem "Back-to-Back" Spielberg/Silverstone steht jetzt ein rennfreies Wochenende auf dem Programm. Danach finden mit Budapest (23. Juli) und Spa (30. Juli) noch zwei Grands Prix hintereinander statt, bevor sich die Formel 1 in ihre traditionelle Sommerpause verabschiedet. (Hier geht's zum Formel-1-Kalender 2023!)

Wer noch nicht genug von der Formel 1 hat, für den gibt's am Sonntagabend noch Programm. Ab 21:30 Uhr streamen Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de die tägliche F1-Show live. Mit ausführlichen Analysen und subjektiven Einordnungen nach dem Rennen in Silverstone, und den aktuellsten Stimmen aus den Medienrunden der Teams, die in den TV-Übertragungen nicht gezeigt wurden. (Kanal jetzt kostenlos abonnieren und keinen F1-Show mehr verpassen!)


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