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Racing-Point-Protest: FIA hat Bremsschächte im Winter nicht gecheckt

FIA-Technikchef Nikolas Tombazis erklärt, warum die Regelhüter den RP20 vor Saisonbeginn für legal erklärt haben - Bremsbelüftung stand nicht im Fokus

(Motorsport-Total.com) - Neue Details in der Causa Racing Point: Die FIA hat am Rande des Trainingstages in Ungarn bestätigt, dass die Bremsschächte vor Saisonbeginn in Australien nicht überprüft wurden. Das hat der verantwortliche Technikchef der FIA, Nikolas Tombazis, nun zugegeben. Er hatte die Fabrik des Teams in Silverstone besucht.

Lance Stroll

Die FIA hat im Frühjahr die Bremsschächte nicht explizit überprüft Zoom

Schon nach den Barcelona-Tests wurden erste kritische Stimmen laut, wonach der RP20 nur ein "rosaroter Mercedes" des Vorjahres sei. Die optischen Ähnlichkeiten bestritt das Mittelfeldteam von Lawrence Stroll auch gar nicht. Allerdings betonte man stets, dass man nur von Fotos abgekupfert hat - ein Wissenstransfer mit Mercedes habe hingegen nicht stattgefunden.

Genau dieser Frage geht die FIA nach dem offiziellen Protest von Renault in Österreich auf den Grund. Schon vor dem ursprünglichen Saisonbeginn in Australien hat sich FIA-Mann Tombazis in der Fabrik von Racing Point in Silverstone vergewissert, dass im Winter beim Bau des RP20 alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Erklärung von Racing Point war "sehr plausibel"

"Wir haben kritische Stimmen von ein paar Teams im Februar vernommen und wir wollten das noch vor Australien untersuchen. Daher haben wir die Fabrik von Racing Point besucht", schildert Tobazis auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'.

Bei dem Besuch habe ihm das Team freiwillig Beweise gezeigt und erklärt, wie die Ingenieure Fotografien des Mercedes W10 dazu verwendet haben, das neue Auto zu bauen. Dieser Prozess ist legal, solange das Team die vorgeschriebenen "gelisteten Bauteile" selbst herstellt.

Nun hat Renault ausgerechnet gegen die Bremsbelüftungen am RP20 Protest eingelegt - Komponenten, die seit der Saison 2020 von jedem Team selbst hergestellt werden müssen, und demnach auch teil jener "gelisteten Bauteile" sind. Bei dem Besuch vor Saisonbeginn hat sich die FIA diesen Bereich jedoch nicht näher angesehen, wie nun bekannt wurde.


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"Wir haben uns primär auf den Rest des Autos konzentriert, nicht auf die Bremsschächte", erklärt Tombazis. Da Racing Point eine stringente Argumentation für die Ähnlichkeiten des RP20 mit dem W10 vorweisen konnte und die FIA mit der Untersuchung zufrieden war, wurde das Auto als legal eingestuft.

Das restliche Auto sei zwar "extrem ähnlich" gewesen, jedoch sei genau vorgeschrieben, was ein Team selbst bauen muss und was man einkaufen könne - "daher gab es auch keine Ausreden in irgendeiner Art und Weise". Hätte Racing Point allerdings CAD-Informationen oder Daten von Mercedes erhalten - das impliziert Renault mit dem Protest - wäre das "hochgradig illegal" gewesen, betont Tombazis außerdem.

"Das würde Mercedes und Racing Point sehr stark belasten", ergänzt der FIA-Verantwortliche. Allerdings habe das bei seinem Besuch im Frühjahr nicht den Anschein gehabt, schließlich sei die Erklärung des Teams "sehr plausibel" gewesen. Die Mannschaft konnte Tombazis davon überzeugen, dass man die grundsätzliche Aero-Philosophie anhand von Fotos nachbauen konnte.

Tombazis: "Behaupte nicht, dass das richtig war"

"Ich würde sogar sagen, sie haben uns gezeigt, wie sie alles gemacht haben, und wir waren zufrieden mit diesem Prozess, den sie befolgt hatten." Nachdem die Debatte rund um den Boliden von Sergio Perez und Lance Stroll nach den starken Leistungen in Barcelona und Spielberg nicht abgeklungen war, kam aber auch der Italiener ins Grübeln.

"Im Winter haben wir uns die Details der Belüftungen nicht angesehen. Ich behaupte auch nicht, dass das richtig war. Im Rückblick hätten wir das wohl machen können, aber wir haben uns eher das gesamte Auto angesehen - und jene Bauteile, die traditionell gelistet sind."

Die Bremsbelüftungen haben auch innerhalb der FIA eine Diskussion ausgelöst, schildert Tombazis. "Wir haben sicherlich unsere Meinungen dazu und besprechen das intern, weil damit einige delikate rechtliche und regulatorische Dinge einhergehen."


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Der Renault-Protest konzentriere sich nicht auf einen Teil der Aerodynamik, der offensichtlich erscheint, etwa den Frontflügel oder den Diffusor - darauf habe sich die FIA im Februar und März fokussiert -, sondern auf einen eher komplexeren Bereich.

Dennoch hätte den Teams auch Ärger gedroht, wenn die Regelhüter herausgefunden hätten, dass Informationen über den Diffusor oder Frontflügel weitergegeben worden wären. "Dann hätten sie ziemlichen Ärger bekommen, sagen wir mal so."

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