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  • 21.07.2011 · 16:45

  • von Christian Nimmervoll & Dieter Rencken

Pirelli mit Reifenmonopol glücklich

Paul Hembery erklärt, warum ein Reifenkrieg für Pirelli keinen Sinn machen würde: "Die Kosten steigen, weil man die Reifen schneller machen will"

(Motorsport-Total.com) - Während Michelin angesichts der Perspektive, dass der Reifenkrieg abgeschafft wird, vorzeitig aus der Formel 1 ausgestiegen ist, vertritt Pirelli eine ganz andere Philosophie: Der italienische Reifenhersteller fühlt sich in der Rolle des Monopolisten pudelwohl und vertritt die Ansicht, dass ein Wettbewerb mit einem Konkurrenten kontraproduktiv wäre.

Paul Hembery

Pirelli-Sportchef Paul Hembery fühlt sich in seiner aktuellen Situation wohl

"Erstens wollen die Teams keinen Wettbewerb, weil das sehr teuer wäre", entgegnet Sportchef Paul Hembery auf Kritik, Pirelli lasse mit seiner Einstellung Sportsgeist vermissen. "Als Reifenhersteller würde mir Wettbewerb gefallen, denn das ist aufregend und macht Spaß, aber die echte Antwort liegt darin, welchen Ertrag man erhält." Das ist eine Rechnung, die für Pirelli im Falle eines Konkurrenten in der Formel 1 wegen des höheren Aufwands nicht aufgehen würde.

"Im Wettbewerb steigen die Kosten, weil man die Reifen schneller machen will. Das Publikum kann aber nicht erkennen, dass man schneller wird, weil es viele andere Variablen wie Fahrer und Autos gibt", weiß Hembery. "Und wenn du ein Rennen gewinnst, dann war es zuerst der Fahrer, dann das Auto und dann erst der Reifen. Wenn du aber verlierst, dann sind immer die Reifen schuld. Das ist Tatsache, ich habe das schon oft genug erlebt. Also wo wäre da der Vorteil?"

¿pbvin|512|3893||0|1pb¿"Es ist sehr schwierig, das Publikum davon zu überzeugen, dass man besser ist als der Mitbewerber. Das würde höchstens gehen, wenn ein Fahrer mit einem anderen Reifen fahren würde als sein Teamkollege, wie wir das in der MotoGP schon mit Valentino Rossi erlebt haben. Dort konnte man sehen, dass ein Reifenhersteller gegenüber dem anderen im Vorteil war. Aber das ist das einzige Beispiel, das mir einfällt", erinnert er sich.

Hembery spielt auf die MotoGP-Saison 2008 an, als Valentino Rossi darauf drängte, auf Bridgestone-Reifen zu wechseln und diesen Wunsch auch erfüllt bekam, wohingegen sein Yamaha-Teamkollege Jorge Lorenzo weiterhin mit Michelin-Pneus fahren musste. So hatte das Publikum erstmals Gelegenheit, den Faktor Motorrad komplett zu eliminieren und die beiden Reifenmarken seriös miteinander zu vergleichen.

¿pbvin|512|3892||0|1pb¿"Wenn du in einem Kontrollreifen-Umfeld zu gute Arbeit leistest, wie etwa wir in der Rallye-WM oder der vorherige Lieferant in der Formel 1, dann reden die Leute nicht darüber", seufzt Hembery und verweist darauf, dass Pirelli derzeit viel mehr Medienwert aus dem Formel-1-Engagement schöpft als jeder Reifenhersteller zuvor. Außerdem betont er stolz: "An uns sind schon viele Rennserien herangetreten, die dieselbe Herangehensweise replizieren möchten."

Sprich: Die Funktion der Reifen ist in erster Linie, die Show zu verbessern. Damit das auch so bleibt, muss sich Pirelli aber ständig verändern: "Wir müssen immer Variablen in den Topf schmeißen, denn wir haben es mit den besten Ingenieuren der Welt zu tun. Würden wir nichts verändern, könnten sie mit den Supersofts nach drei Jahren vielleicht schon eine komplette Renndistanz überstehen", befürchtet Hembery.

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