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Pat Symonds: Aero-Fortschritte 2017 werden "atemberaubend"

Williams-Technikchef Pat Symonds über 2017: Wieso die Windkanal-Entwicklung rasant läuft, die Teams im Dunkeln tappen und die Großen nur bedingt im Vorteil sind

(Motorsport-Total.com) - Nicht nur Fahrer und Fans freuen sich auf die aggressiveren, optisch ansprechenderen und schnelleren Formel-1-Autos ab 2017. Auch die Ingenieure berichten mit glänzenden Augen von den Vorbereitungen für das neue Reglement. "Die Fortschritte, die wir derzeit im Windkanal erleben, sind einfach atemberaubend", deutet Williams-Technikchef Pat Symonds an, dass die Boliden offenbar tatsächlich deutlich schneller werden. "Wenn ich mir die täglichen Berichte durchlese, dann kann ich es teilweise gar nicht glauben, wie viel Abtrieb wir gewinnen."

Esteban Gutierrez, 2017

Breit und schnell: Die neuen Pirelli-Reifen deuten an, wo die Reise hingeht Zoom

Die Kurve sei inzwischen zwar nicht mehr so steil wie zu Beginn der Windkanal-Entwicklungsarbeiten, "aber sie ist immer noch bemerkenswert", sagt der Technikroutinier, der seit mehreren Jahrzehnten in der Formel 1 aktiv ist. Für die Ingenieure ist es derzeit ein Schuss ins Blaue, da man durch die völlig veränderten Parameter - die Autos werden breiter, die Reifen größer, die Flügelmaße sind neu - keine Vergleichswerte vom Vorjahresboliden hat. "Normalerweise haben wir Ziele, dir wir aerodynamisch erreichen wollen, aber für nächstes Jahr haben wir kein Ziel. Wir wissen nicht, wo die Reise hingeht, ehe wir mit den Tests beginnen", schildert Symonds die Lage.

Daher bleibt er trotz der hervorragenden Windkanalwerte des neuen Williams am Boden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur uns so geht", denkt er laut. "Ich bin sicher, dass das gleiche derzeit in vielen Windkanälen passiert. Alles ist also relativ." Vor allem die Aerodynamik stellt die Ingenieure beim neuen Reglement für eine große Herausforderung: Durch die größeren Reifen müssen die Teams völlig umdenken, wie man den Luftstrom von den Pneus ablenkt.

Viele Änderungen im ersten Saisonabschnitt 2017

Doch auch andere Teile des Boliden sind durch die Anforderungen von Pirelli betroffen: "Die meisten Teams müssen ihre Aufhängungsgeometrie ändern, das gilt auch für die Bremsbelüftunge", verrät Symonds.

Die Boliden, die in der kommenden Saison in Melbourne am Start stehen, werden laut dem Briten noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss sein. "Wir werden vor allem im ersten Saisonabschnitt viele Änderungen sehen", verspricht Symonds, da sich der optimale Weg, das Reglement zu interpretieren, vermutlich erst nach einigen Rennen zeigen wird.


Pirelli-Reifentest in Fiorano

Er ist außerdem zuversichtlich, dass auch kleine, finanzschwache Teams mit einem Geniestreich im Jahr der Reglementrevolution einen Überraschungscoup landen können. "Ein Team kann heute nicht mehr rund um die Uhr zwei Windkanäle arbeiten lassen, während ein anderes Team diese Möglichkeiten nicht hat", erklärt er. "Tatsache ist, dass wir jetzt auf 65 Windkanalstunden pro Woche begrenzt sind. Das ist für alle gleich."

Neues Reglement: Kein Riesenvorteil für große Teams

Nur bei der Fertigung gibt es Unterschiede: "Je später man in die Produktion geht, desto größer ist dein Vorteil. Und das spricht für die großen Teams, denn sie geben einfach mehr Geld dafür aus." Während Williams alle Teile selber anfertigt, können Mercedes & Co. im Notfall auf Zulieferer ausweichen, sollte man mit den eigenen Kapazitäten am Limit sein.

"Wir machen alles zuhause, weil es günstiger ist, nicht weil wir glauben, dass wir es besser können", erklärt Symonds. "So müssen wir niemanden dafür bezahlen. Dadurch sind aber auch unsere Vorlaufzeiten länger."