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Niki Lauda: "1.000-PS-Motoren brauchen wir überhaupt nicht"

Warum Niki Lauda Sound und Leistung der aktuellen Antriebseinheiten in Ordnung findet und welche Änderungen er für die geplante Reglement-Reform 2017 fordert

(Motorsport-Total.com) - Es war ein besorgniserregender Start in die neue Formel-1-Saison: Nur 15 Boliden standen in der Startaufstellung, das "auferstandene" Manor-Marussia-Team absolvierte keine einzige Runde, und Mercedes war drückend überlegen. Die aktuelle Krisenstimmung schlug sich auch in den TV-Zuseherzahlen nieder: RTL verzeichnete gar die schlechtesten Quoten seit 20 Jahren.

Niki Lauda, Toto Wolff, Andy Cowell

Lauda, Wolff und Motorenchef Andy Cowell: Bleiben die Motorenregeln gleich? Zoom

Doch wo soll man nun den Hebel ansetzen? In der Winterpause machten sich die Formel-1-Bosse Gedanken, wie man die Königsklasse des Motorsports wieder attraktiver machen könnte - und zwar nicht nur für die Konzerne, sondern vor allem für die Zuschauer: Die Rede war von breiten, aggressiven Autos mit 1.000-PS-Motoren und großen Reifen.

Als 'Motorsport-Total.com' den Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzenden Niki Lauda bei den Wintertests auf die geplanten Änderungen ansprach, meinte der: "Frühestens wird es allerdings 2017 eine Änderung geben. Davor geht gar nichts. Dafür sollte man sich jedenfalls in Ruhe hinsetzen und sich überlegen."

Lauda: Motoren nicht unattraktiv

"Die ganzen Unkenrufe vom vergangenen Jahr wegen des Sounds werden verstummen." Niki Lauda

Inzwischen wurden die unterschiedlichen Konzepte und Vorschläge analysiert, die von Ferrari, McLaren und Red Bull eingereicht wurden, um die Formel 1 wieder etwas verwegener zu machen. Doch jetzt steigt Lauda auf die Bremse, was die Motoren angeht. Der Sound, der nun eine Spur lauter und kerniger ist als im Vorjahr, wird vom Wiener für absolut in Ordnung befunden.

Mercedes Motor

Der aktuelle Mercedes-Antrieb gilt als klare Referenz in der Formel 1 Zoom

Für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und ihn sei es "eine interessante neue Erfahrung" gewesen, "dass die Motoren alle lauter geworden sind", sagt er gegenüber dem 'ORF'. "Warum? Die wurden alle weiterentwickelt, und alle, die bei den Tests angetreten sind, hört man wesentlich besser." Er glaubt, dass die Sound-Debatte damit vom Tisch ist: "Die ganzen Unkenrufe vom vergangenen Jahr werden verstummen."

Auch die Idee, die Triebwerke leistungsstärker zu machen und wieder wie in den 1980er-Jahren auf 1.000 PS zu kommen, hält Lauda nicht für notwendig: "Diese 1000 PS, von denen immer so als Fixpunkt geredet wird, die brauchen wir meiner Meinung nach überhaupt nicht, weil die Formel-1-Autos doch sowieso immer schneller werden, was ja auch ganz normal ist. Schließlich sind die Autos vergangenes Jahr das erste Mal mit den neuen Motoren gefahren. Da ist es doch logisch, dass die Entwicklung relativ schnell weitergeht und sowieso einige PS mehr dazukommen."

Lauda fordert widerspenstigere Boliden

Gilles Villeneuve

Laut Lauda würde es dank giftiger Boliden auch wieder mehr Typen geben Zoom

Dem Vorschlag, die Autos wieder aggressiver aussehen zu lassen, kann er durchaus Positives abgewinnen: "Damit soll die Attraktivität der Formel 1 gesteigert werden." Noch gibt es aber keine finale Entscheidung, wie die Boliden aber 2017 aussehen sollen: "Daran wird gearbeitet, und die Details werden sicher bald entschieden sein, damit es dann 2017 auch wirklich so weit ist. Das heißt aber nicht, dass die Formel 1 von jetzt bis 2017 schlecht ist."

Generell fordert er eine weitere Abkehr von der "Überregulierung" - die Formel 1 müsse wieder greifbarer und verständlicher werden. Zudem fehle es an Fahrerpersönlichkeiten. Dieses Problem kann laut Lauda am ehesten über das Reglement gelöst werden: "Die Formel-1-Autos sollten wieder schwieriger zu beherrschen sein. Heute kann fast jeder Formel 1 fahren. Wenn man die Autos für 2017 verändert, dann muss man darauf achten, dass das Limit wieder höher und schmaler wird. Wenn das Limit dann abreißt, dann muss das abrupt passieren, nicht allmählich."

Sicherheit muss Priorität bleiben

Somit hätte es ein 17-jähriger Max Verstappen nicht mehr so leicht, nach nur einem Jahr im Formel-Sport in die Königsklasse aufzusteigen: "Dann trennt sich ganz automatisch auch wieder schneller die Spreu vom Weizen in den Fahrerqualitäten, je nachdem, wer sich dann eben länger und besser ganz am Limit bewegen kann."

Ihm ist bewusst, dass dieser Weg auch Gefahren bergen würde, denn durch schwierig zu beherrschende Boliden steigt auch die Unfallgefahr. "Sicherheit hat absolute Priorität", stellt Lauda klar. Zumal die Formel 1 auch anno 2015 nicht absolut sicher sei: "Man muss sich nur den Bianchi-Unfall vom letzten Jahr anschauen. Da hat man gesehen, wie schnell es gehen kann. Wenn 20 Leute mit 300 km/h gegeneinander fahren, dann ist das Risiko immer da."