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Neuer Lotus T128: Komplettes Neudesign

Lotus hat sich beim Bau des neuen Autos komplett von den Ideen des Vorgängermodells gelöst: 4.000 Einzelteile, aber zunächst kein KERS

(Motorsport-Total.com) - Mit dem Lotus T128 will die Mannschaft aus Malaysia im zweiten Jahr der Formel-1-Zugehörigkeit in eine neue Liga vorstoßen - weg von den "Abstiegsplätzen", hinein ins gesicherte Mittelfeld der motorsportlichen Topliga. Aus diesem Grund hat man beim Bau des neuen Autos komplett neue Wege eingeschlagen, nur extrem wenige Ansätze aus dem Vorgängermodell wurden ins neue Jahr übertragen.

Der neue Lotus T128 trägt kaum noch Elemente vom Vorgänger T127 Zoom

"Im vergangenen Jahr ging es vor allem in der ersten Saisonhälfte nur ums Überleben", sagt Technikchef Mike Gascoyne. "In der zweiten Jahreshälfte stand die Optimierung der Teamstrukturen im Vordergrund. Gleichzeitig haben wir mit der Arbeit am neuen Auto begonnen." Lotus hatte sich im Kampf der neuen Teams sofort vorne präsentiert, die weitere Entwicklung des T127 daher frühzeitig einstellen können.

"Das Problem war letztlich, dass das letztjährige Auto eine Ausnahme war, weil uns damals kaum Zeit blieb", so der Brite, der sich vor der Saison 2010 darauf beschränkte, ein solides Formel-1-Fahrzeug zu bauen. "Normalerweise kannst du viele Konzepte eines Autos auf das Folgejahr übertragen und optimieren, aber das war bei uns nicht der Fall. Wir haben fast nichts für das 2011er-Auto übernehmen können."

Die neuen Ansätze werden beim Blick auf den T128 schnell deutlich. Im Gesamterscheinungsbild wirkt das neue Auto deutlich aggressiver, man kam von der teils klobigen Gestaltung der Seitenkästen und Frontpartie weg. "Er sieht ganz anders aus, viel mehr nach einem zeitgemäßen Auto", sagt Gascoyne. "Dieses Auto wird die Basis für unsere zukünftigen Boliden bilden."

"Das Auto folgt neuesten Trends, ist aerodynamisch viel besser entwickelt. Ein solches Auto besteht aus etwa 4.000 einzelnen Komponenten. Da fällt es schwer, sich ein einziges tolles Teil herauszugreifen. Das neue Auto ist insgesamt einfach optimiert in den Bereichen Design und Bau", erklärt der Lotus-Technikchef. Der neue T128 wird am Mittwoch erste Tests in Valencia absolvieren.

In der frühen Phase der Saison geht man bei Lotus keine unnötigen Risiken ein. Auf den Einsatz von KERS verzichtet man ganz bewusst. "Unsere Entscheidung gegen KERS macht es uns insgesamt leichter, weil vor allem das Platzieren aller Elemente enorm schwierig ist", sagt Chefdesigner Lewis Butler. Dieser Weg macht vor allem die Aerodynamiker im Hause Lotus glücklich, die weniger Kompromisse eingehen müssen.

"Es wird alles etwas einfacher, weil man aufgrund der fehlenden KERS-Elemente keine Rücksicht auf diesen Bereich nehmen muss", sagt Chef-Aerodynamikerin Marianne Hinson. Dabei geht es nicht nur um die Teile unter der Haube, sondern auch um zusätzliche Luftschlitze, die ein solches System für die Kühlung benötigt. Beim Thema KERS gibt man sich bei Lotus gelassen.

"Wenn KERS uns den Sprung von Platz acht auf Rang sechs garantieren würde, dann hätten wir es an Bord", sagt Teammanager Keith Saunt. "Aber wenn man sich das Gewicht und die Schwierigkeiten beim Einbau mal anschaut, dann ist es besser, es zunächst nicht im Auto zu haben." Ausschließen will man den zukünftigen Einsatz der Hybridtechnik jedoch nicht.

"Sollten wir uns dazu entschließen, dann hätten wir reichlich erfahrene Leute hier bei uns, die sich darum kümmern könnten", erklärt Saunt. "Würde man von uns verlangen, innerhalb eines Tages ein motorisiertes Katamaran-Kanu zu entwerfen, so würden wir das auch schaffen! Wir haben hier viele clevere Leute bei uns."

Einer davon ist Ex-Toyota-Mann Dieter Gass, der bei Lotus als Sportdirektor die Fäden zieht. Der Deutsche beobachtete beispielsweise den Bau des neuen, verstellbaren Heckflügels genau. "Das war einfacher als erwartet", berichtet Gass. "Wenn man sich die verschiedenen Möglichkeiten erst einmal vor Augen geführt hat, dann ist eine Lösung schnell gefunden. Wir haben ein einfaches, funktionierendes System gebaut."

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