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Netflix & Co.: Formel 1 will laut Ross Brawn noch offener werden

Rass Brawn spricht über die neue Öffentlichkeitsarbeit der Formel 1 und nimmt Fahrer und Teams in die Pflicht - Netflix-Dokumentation nur der Anfang?

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 möchte in Sachen Öffentlichkeitsarbeit noch offener werden. Seit Übernahme von Liberty Media hat sich die Königsklasse schon deutlich geöffnet: Teams und Fahrer können nun viel mehr Eindrücke aus dem Fahrerlager teilen - unter Bernie Ecclestone absolut verboten -, und eine Netflix-Doku hätte es unter der Regie des britischen Zampanos wohl auch nicht gegeben.

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Sportchef Ross Brawn legt nun nahe, dass die Formel 1 keine Ambitionen hat, diese Ansprüche in Zukunft wieder zurückzufahren. "Wenn man diese Einblicke liefern kann: Warum sollte man zurückgehen?", fragt er.

Er vergleicht es mit der Freigabe des Boxenfunks vor einigen Jahren. Fans können so nun (fast) live mitverfolgen, was Fahrer und Ingenieure während des Rennens austauschen. "Wir würden das nie zurücknehmen, weil es ein so tolles Element des Sportes ist", sagt Brawn. "Wir können den Fans die Emotionen der Kommunikation zwischen Fahrer und Ingenieuren bringen. Und ich kenne keinen Sport, der das sonst kann: Mit dem Fahrer inmitten seiner Performance sprechen."

Brawn hofft auf Kooperation von allen Teams

Die Teams und Fahrer haben sich der neuen Öffentlichkeitsarbeit der Formel 1 angenommen und geben in den sozialen Netzwerken teilweise immens Gas. Allerdings fällt das Engagement bei den einzelnen Rennställen unterschiedlich aus. Vor allem Mercedes liefert mittlerweile einiges an Material, das jedoch vor allem im eigenen Haus produziert wird - bei Anliegen von außen scheint da noch etwas Zurückhaltung zu herrschen.


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Die beiden Topteams Mercedes und Ferrari waren in der neuen Netflix-Dokumentation die einzigen Rennställe, die keinen großen Einblick in die eigene Arbeitswelt geben wollten - aus welchen Gründen auch immer. Als ehemaliger Teamchef der Silberpfeile kann Ross Brawn das nachvollziehen: "Wenn ich Mercedes führen würde und ein Fahrer nicht kooperieren wollen würde, dann wäre es schwierig, das Team dazu zu zwingen", meint er.

Allerdings würde er sich wünschen, dass in Zukunft alle Teams kooperieren, denn dann könnte der Sport noch schneller wachsen. Er ist überzeugt davon, dass alle Teams zu der Erkenntnis kommen werden, dass sie nicht nur auf der Strecke, sondern auch abseits davon ihren Teil beitragen müssten. "Vielleicht kommt die Erkenntnis nicht bei allen Teams zu gleichen Zeit, aber sie kommt. Und 2019 werden wir einen weiteren Schritt sehen", verspricht er.

Trotz Kritik: Hamilton "macht genug"

Die große Frage ist, ob die Erkenntnis auch bei den Fahrern kommt. Allen voran Lewis Hamilton wird immer wieder für sein mangelndes Engagement kritisiert. Zwar gehört der Brite zu den aktivsten Fahrern auf Twitter & Co., doch dort postet er meist Dinge aus seinem Leben und vermarktet sich als Person.

Wenn es um Auftritte für die Formel 1 geht, macht er sich hingegen meist rar: Bei Award-Veranstaltungen glänzt Hamilton in aller Regel mit Abwesenheit, und als die Formel 1 ein Fan-Festival in London organisierte, war er der einzige aktive Pilot, der sich den zahlreichen Fans nicht stellte, sondern stattdessen im Urlaub weilte.

"Ich verstehe die Sicht", antwortet Brawn auf die Frage, ob Hamilton die Formel 1 damit im Stich lässt. "Wenn sich ein Fahrer als kompletter Einsiedler abschottet, ist das schade", sagt er. Allerdings könne man sich bezüglich Hamiltons Beitrag für die Formel 1 nicht beschweren: "Ich denke, dass Lewis genug macht, um das Profil der Formel 1 zu stärken."

Nachwuchspiloten anders heranführen

Trotz aller Bemühungen gilt die Formel 1 immer noch als schwer zugänglich - vor allem für Fans, aber auch für Medien. Im Vergleich dazu sind etwa Formel 2 und Formel 3 im gleichen Paddock deutlich offener und zwangloser.

Und dahin möchte sich auch die Formel 1 annähern. Das Problem ist aber laut Brawn, dass die aktuellen Formel-1-Piloten mit der falschen Mentalität aufgezogen wurden. Die aktuellen Nachwuchspiloten möchte man hingegen so erziehen, "dass sie akzeptieren, dass die Medien und die Entwicklung des Sportes Teil ihrer Verantwortung sind."


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Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr wurden die Fahrer der Formel 2 und GP3-Serie im Paddock-Club eingesetzt, wo sie Zeit mit Gästen verbracht haben und ihnen Wissen vermittelten. "Die Gäste lieben das, weil wir ihnen nicht die Zeit mit Formel-1-Fahrern geben können", sagt Brawn. Doch für solche Aktivitäten müssten auch die Teams Freiräume einräumen, weil das Programm am Wochenende schon recht intensiv ist.

"Jeder muss verstehen, wie das Geschäft funktioniert, und wie wir es besser machen können", so Brawn. "Aber es geht voran."

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