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Nach Shakedown im 2022er-Auto: Williams-Fahrer beklagen schlechte Sicht

Wie die Williams-Fahrer Alexander Albon und Nicholas Latifi die ersten Meter im Formel-1-Auto 2022 erlebt haben und warum die Cockpitperspektive nun anders ist

(Motorsport-Total.com) - Die größte Erkenntnis vom Shakedown des neuen Williams FW44 in Silverstone? Das Auto läuft. Aber auch: Die Cockpitperspektive ist in der Formel-1-Saison 2022 eine andere als noch im vergangenen Jahr. Das haben Alexander Albon und Nicholas Latifi bei ihren ersten Metern im Neuwagen festgestellt.

Nicholas Latifi im neuen Williams FW44 bei dessen Shakedown in Silverstone vor der Formel-1-Saison 2022 mit Regenreifen

Nicholas Latifi im neuen Williams FW44 bei dessen Shakedown in Silverstone Zoom

Latifi beschreibt seine Erfahrungen so: "In manchen Kurven ist die Sicht jetzt definitiv schlechter. Es kommt sicher darauf an, mit was für einer Kurve man es zu tun hat, wie sehr man einlenkt und wohin man schaut. Und man wird sich daran gewöhnen müssen. Es gibt aber auf jeden Fall Momente, in denen du schlicht weniger gut siehst [als im Jahr 2021]."

Das liegt einerseits an den etwas größeren Formel-1-Reifen, die 2022 verwendet werden. Die Rennserie wechselt bekanntlich von 13- auf 18-Zoll-Räder und hat daher auch die Reifendimensionen angepasst. Neu in der Saison 2022 sind darüber hinaus große Luftleitbleche auf der Höhe der Vorderräder, die diese sogar teilweise überragen. Beides sorgt für eine Einschränkung der Sicht aus dem Cockpit heraus.

Auf einer so offenen Strecke wie Silverstone "ging es schon", meint Albon. "Wir kriegen aber vermutlich größere Schwierigkeiten auf Stadtkursen wie Monaco, Baku, Dschidda."


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Er erklärt: "Wenn du in die Kurve fährst, verdecken die Räder und die Abdeckungen viel von deinem Sichtfeld. Man schaut daher weiter voraus in die Kurve hinein. Auf einem Stadtkurs siehst du dort aber nur die Mauer und kannst nicht einfach drumherum schauen. Das könnte knifflig werden."

Auch in der Zweikampf-Situation müsse man sich wohl umstellen, sagt Albon weiter: "Es dürfte einfach schwieriger werden, zu sehen, wo man sich befindet, wo der Frontflügel ist und wo die Reifen sind."

Elektronik-Problem bremst Williams ein

Wo der neue Williams FW44 steht, das wussten die Fahrer nach dem 100-Kilometer-Shakedown in Silverstone noch nicht zu sagen. Aufgrund des nasskalten Wetters war das Team zum Einsatz von Regenreifen gezwungen. Es sei deshalb "schwierig" gewesen, ein "ordentliches Gefühl" für das Auto zu entwickeln, meint Latifi.

Darüber hinaus bemerkte er: "Es fühlt sich ganz anders an als im vergangenen Jahr. Man spürt das höhere Gewicht. Abgesehen davon war ich nicht mal ansatzweise am Limit. Wir versuchen nur sicherzustellen, dass alles funktioniert, dass man sich wohlfühlt im Auto. Solche Kleinigkeiten. Ich gebe im Moment noch nicht allzu viel auf das, was ich empfunden habe."


Fotostrecke: Formel 1 2022: Der neue Williams FW44 von Albon und Latifi

Rein technisch lief bei Williams nicht alles glatt: Das britische Traditionsteam büßte vor Beginn der Probefahrten rund eine Stunde ein, weil ein elektronischer Fehler aufgetreten war. Teamchef Jost Capito aber meint, Williams liege generell "im Plan" mit den Vorbereitungen auf die Formel-1-Saison 2022.

Nach der punktelosen Saison 2020 hat Williams in der Saison 2021 insgesamt 23 Punkte erzielt und einen Sprung von P10 auf P8 in der Konstrukteurswertung gemacht. Der schnellere der beiden Williams-Fahrer aus den zurückliegenden Jahren, George Russell, ist aber 2022 nicht mehr da, sondern fährt ab sofort für Mercedes.