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Nach Reifendrama in Baku: Warum sich Red Bull verzockte

Beim Grand Prix von Europa fiel Red Bull am Sonntag stark zurück, weil sie ihren Setup-Kompromiss im Zusammenspiel mit den Reifen nicht verstanden haben

(Motorsport-Total.com) - Nach zuletzt deutlich ansteigender Leistungskurve ist Red Bull beim Grand Prix von Europa beim Kampf um die Spitzenplätze plötzlich wieder chancenlos gewesen. Daniel Ricciardo verlor früh seinen Podiumskurs und Max Verstappen wurde für seine Überholmanöver nicht belohnt. Schuld waren stark körnende Reifen - ein Problem, mit dem sie am Sonntag allein dastanden und sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen zwang. Hat das viermalige Weltmeisterteam plötzlich das Reifenflüstern verlernt oder war es doch nur ein Setup-Fehler?

Die Umstände zwang das Brause-Duo zu frühen Reifenwechsel und einer Zweistoppstrategie. Und am Ende fuhren sie auf der härtesten Reifenmischung Zeiten, die an die Spitzenleistungen der Konkurrenz auf den weicheren Pneus herankamen. Wenn man das gewusst hätte... Schuld war ein Setup-Kompromiss, dessen Auswirkungen Red Bull so nicht hat kommen sehen.

Bei dem spektakulären Layout des brandneuen Straßenkurses in Aserbaidschan war schnell klar, dass man sich entscheiden muss: Will man den Topspeed auf den langen Geraden optimieren, lässt sich mehr Zeit aus den langsamen, kniffligen Kurven herausholen oder gibt es einen Zwischenweg, der der Gesamtperformance entgegen kommt?

Nach dem das erste Rennwochenende gelaufen ist, ist klar: Red Bull hat sich von Mercedes blenden lassen. Die Silberpfeile kamen auf Anhieb gut zurecht und waren der Konkurrenz bis zu zwei Sekunden voraus, weswegen die Österreicher nach den Freitagstrainings fatalerweise eine andere Richtung einschlugen. "Wir konnten das neue Setup am Samstag nicht mehr im Longrun testen und wurde deshalb am Sonntag überrascht", erklärt Red-Bull-Berater Helmut Marko gegenüber 'Auto motor und sport'.

Dem RB12 wurden für die Geraden, auf denen die Renault-Antriebseinheit von Natur aus einen Nachteil gegenüber den Mercedes-Aggregaten hat, die Flügel gestutzt. Das Heck verlor an Abtrieb und Traktion und geriet so immer mehr ins Rutschen. Bei den Hinterreifen hatte das eine Körnung zufolge, die durch die hohen Temperaturen am Sonntag noch verstärkt wurde. Der angefahrene Supersoft hielt nur fünf Runden, auf dem Soft rutschten die Piloten genauso herum. Erst der Medium-Reifen beruhigte dieses Fehlerhaften.


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Die Erkenntnis kam für Red Bull allerdings zu spät - erst in den Runden 20/22 wurde reagiert. Danach stieg die Performance, sodass sich Ricciardo und Verstappen mit den Plätzen sieben und acht noch insgesamt zehn Punkte retten konnten. "Es gab keine Indizien dafür, dass er so gut sein würde", erklärt Marko die Überraschung mit der mittelweichen Reifenmischung. "Der Medium-Reifen war der einzige, den wir im Arbeitsfenster halten konnten."

"Max konnte damit die drittschnellste Runde fahren", rätselt auch Teamchef Christian Horner. "Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen. Auf der Jagd nach dem Speed auf den Geraden haben wir Abtrieb weggenommen und Teile abmontiert. Damit sind wir im Prinzip auf dem Abtrieb-Level von Monza gefahren."


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Ricciardo, der zwischenzeitlich wegen zu dichten Auffahrens auch an überhitzten Bremsen litt, beschreibt es aus Fahrersicht: "Das haben wir nicht erwartet, weil wir normalerweise gut mit den Reifen können - vor allem, wenn es heiß ist. Singapur gehört stets zu unseren stärksten Strecken. Jeder ist davon ein wenig überrascht."

Aber: Schon in Kanada hatte das Team auf eine Zweistoppstrategie wechseln müssen, weil die Reifen nicht wie gewünscht hielten. "Der Zusammenhang besteht in dem schmalen Fenster bei wenig Abtrieb", erklärt Horner. "Das ist die Haupt-Lektion, die wir lernen müssen. Es wird deswegen sehr viel analysiert werden müssen."


Fotos: Red Bull, Großer Preis von Europa


"Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat mit der Abtrieb-Reduktion", so der Teamchef weiter. "In den ersten Runden konnten wir den Reifen gut aktivieren. Daniel sagte: 'Ich konnte locker mit Nico mithalten und dann bekam ich plötzlich Probleme mit den Hinterreifen'. Das Fenster ist sehr klein und sobald man raus ist, wird es schmerzhaft."

Fehler passieren bekanntlich, damit man aus ihnen lernt. Und vor dem Heimspiel in Spielberg in zwei Wochen ist sich Red Bull sicher, dass Baku nur ein Ausrutscher auf ihrem Weg an die Spitze war. "In der zweiten Jahreshälfte sollten wir konkurrenzfähiger sein", kündigt Horner an. "Es kommen weitere Entwicklungen und Motorenschritte. Wir freuen uns auf die Aussicht auf einige Rennen später in der Saison."

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