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Nach neuem Reverse-Grid-Vorstoß: So reagieren die Formel-1-Fahrer

Formel-1-Sportchef Ross Brawn will nochmals über Reverse-Grid-Rennen nachdenken, doch die aktuellen Grand-Prix-Fahrer haben gewisse Vorbehalte

(Motorsport-Total.com) - Ross Brawn will nochmals darüber nachdenken. Denn der Formel-1-Sportchef glaubt, der Grand Prix in Monza könnte als Vorbild für Rennen nach Reverse-Grid-Format dienen. Wenn die Formel 1 die Startaufstellung stürze und die Schnellsten nach hinten stelle, dann könnten weitere Grands Prix dieser Art dabei herauskommen - so die Theorie dazu.

Lewis Hamilton, Valtteri Bottas, Charles Leclerc, Lance Stroll

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Die Begeisterung im Formel-1-Fahrerlager aber hält sich in Grenzen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff etwa tat die Reverse-Grid-Idee gleich als reines Show-Spektakel ab und verglich es mit Wrestling-Events.

"Da stimme ich zu", sagte nun Sergio Perez. "Die Formel 1 braucht nichts derart Künstliches, um die Rennen aufzumischen. Ich halte es für keinen guten Ansatz und ich glaube auch nicht, dass sich ein Reverse-Grid-Sieg anfühlt wie ein echter Grand-Prix-Sieg. Außerdem würde man den Formel-1-Samstag ziemlich entwerten."

Was hat Vorfahrt: die Show oder die Leistung?

Laut Romain Grosjean liegt die Lösung für die aktuellen Probleme der Formel 1 ohnehin "woanders", so meint er. "Die Autos müssen bei der Leistung enger zusammengeführt werden. Reverse Grid und solche Dinge, das fühlt sich einfach nicht so an wie die Formel 1, mit der ich aufgewachsen bin."

Auch Kevin Magnussen hat Zweifel, ob sich eine gestürzte Startaufstellung mit der "DNA der Formel 1" vereinbaren ließe. Er sagt: "Der beste Mann soll gewinnen. Man sollte nicht künstlich den schlechtesten Fahrer nach vorne holen."

Daniil Kwjat denkt ähnlich und glaubt ebenfalls, eine solche Maßnahme würde "das wahre Problem" der Formel 1 nur kaschieren. Außerdem: "Selbst wenn Mercedes von P8 und P10 losfahren würde, sie wären binnen zehn Runden auf P1 und P2. So viel würde sich damit also gar nicht ändern", meint Kwjat. "Es gäbe höchstens mehr Durcheinander."

Ausnahmen müssen Ausnahmen bleiben

Letzteres könne nicht im Sinne der Verantwortlichen sein, erklärt Max Verstappen. Seine These: "Das ist nichts, wofür die Formel 1 steht." Und Reverse Grid sei "einfach nicht sein Ding", so der Red-Bull-Fahrer. "Das schnellste Auto sollte vorne stehen. Darauf arbeitet jeder hin. Warum also sollte man an der Show herumdoktern?"


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Zumal, und das betont Alexander Albon, doch gerade außergewöhnliche Rennen wie Monza die Ausnahme seien, und das auch bleiben sollten.

"Solche Grands Prix passieren nicht allzu oft. Es braucht schon spezielle Umstände. Und die wären nicht mehr gegeben, wenn [dann immer] ein Auto gewinnt, das eigentlich nicht gewinnen sollte. Das mindert den Reiz", sagt Albon.

Vielleicht mal als Qualifying-Rennen ausprobieren ...

Williams-Fahrer George Russell dagegen gibt vor, total angefixt zu sein von der gestürzten Startaufstellung. Er witzelt: "Ich spreche wohl besser mal mit dem Team, dass sie das Auto so breit bauen, dass mich niemand überholen kann. Und dann nehmen wir den ganzen Abtrieb runter und fliegen regelrecht über die Geraden. Könnte klappen!"


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Tatsächlich könne er sich mit dem Gedanken anfreunden, solange es sich dabei nicht um das Hauptrennen, sondern um ein mögliches Qualifying-Rennen handle. Einem Reverse Grid stünde er in diesem Fall nicht komplett ablehnend, sondern "50:50" gegenüber.

Er würde dem Konzept jedenfalls eine Chance geben: "Ich probiere gerne Dinge aus. Könnte spannend sein, könnte witzlos sein. Vielleicht testen wir es einmal. Jedes Wochenende aber würde ich das nicht haben wollen, vielleicht nur bei ein paar Rennen."

Vorbehalte überwiegen bei den Formel-1-Fahrern

Auch der künftige Ferrari-Fahrer Carlos Sainz gibt sich "interessiert" und fragt sich, "was dabei herauskommen würde". Seine Hoffnung ruht aber auf dem neuen Formel-1-Reglement für 2022, auf dem "aktuellen Format mit Autos, die enger beisammen liegen", wie er sagt. "Denn das wäre perfekt."

So oder so: Vorbehalte bleiben, auch bei Daniel Ricciardo. Er meint: "Wenn wir künstlich dafür sorgen, dass jeder Fahrer einen Sieg kriegt, wie ist es dann um den Wert eines solchen Siegs bestellt? Das ist ein schmaler Grat, auch wenn wir spannende Rennen sehen wollen."

"Der große Pokal aber, der sollte für jeden und auch für die Formel 1 einen gewissen Wert haben. Mit einer gestürzten Startaufstellung wäre dieser Wert etwas gemindert."

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