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  • 29.04.2016 · 07:43

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Nach China-Rückschlag: Keine Panik bei Haas

Nach der Nullnummer von Schanghai geht das Team Haas mit viel Optimismus in den Formel-1-Grand-Prix von Russland 2016: Probleme erkannt, Gefahr gebannt

(Motorsport-Total.com) - Nach einem bärenstarken Start in das Formel-1-Abenteuer mit Punktgewinnen in Melbourne und Bahrain haben die Neulinge von Haas beim vergangenen Rennen in Schanghai einen Rückschlag erlitten. Die Amerikaner waren im China-Grand-Prix chancenlos und ließen sich die erste Nullnummer des Jahres notieren. Am gesamten Wochenende kamen Romain Grosjean und Esteban Gutierrez nicht recht in Fahrt. In der Mannschaft herrschte zunächst Ratlosigkeit.

Esteban Gutierrez

Esteban Gutierrez kam mit dem Haas in Schanghai immerhin mal ins Ziel Zoom

"Es war ein Weckruf, aber wir verfallen jetzt nicht in Panik. Wir wissen nun, warum wir das Ergebnis eingefahren haben, das unter dem Strich dort steht", erklärt Teamchef Günther Steiner. "Romain war nach seinem Unfall hinten und kam nicht wieder nach vorn. Esteban ist auf Rang 14 ins Ziel gekommen - und wir haben immer gesagt, dass wir uns irgendwo zwischen den Plätzen zehn und 16 sehen. Wenn er mit einem nicht optimalen Auto 14. wird, dann geht das okay."

"Wir hatten Probleme mit dem Setup, haben die Vorderreifen nie richtig ins Betriebsfenster gebracht. Wir haben uns das genauer angeschaut und gehen davon aus, dass es in Russland nicht mehr passieren wird", ist sich der Italiener sicher. Die Reifendruckvorgaben von Pirelli spielten Haas kaum in die Karten. Das Auto der Amerikaner gilt als Reifen schonend, somit war es schwierig, die Pneus in China auf passende Temperatur zu bekommen.

Sotschi: Streckencharakteristik soll Haas helfen

"In Sotschi gibt es nicht diese vielen lang gezogenen Kurven, die Temperaturen sollten ebenfalls etwas besser sein", blickt Steiner zuversichtlich auf das anstehende Formel-1-Rennen in Russland. Der Südtiroler ergänzt: "Wir gehen erst in unser viertes Rennen. Fehler kommen immer wieder mal vor. Ist das akzeptabel? Eigentlich nicht, aber sie werden dennoch passieren. Wichtig ist, dass sie dann möglichst geringe Auswirkungen haben."

Günther Steiner

Hat mit seiner Mannschaft eine genaue Fehleranalyse gemacht: Teamchef Steiner Zoom

"Eigentlich war es ein gutes Wochenende, weil nach China eine umfassende Analyse unserer dortigen Probleme stattgefunden hat. Ich bin erstaunt, wie detailliert man sich mit den Ereignissen aus Schanghai auseinandergesetzt hat. Das sollte uns helfen, für das Rennen in Sotschi besser aufgestellt zu sein", stimmt Romain Grosjean mit in die positiven Stimmen ein. Der Franzose hatte beim vergangenen Rennen in China nach einer Kollision mit Marcus Ericsson (Sauber) keine Chance auf Zähler gehabt.

"Wir haben erkannt, was wir falsch gemacht haben. Wir haben uns in China teilweise etwas verzettelt, haben Setupänderungen vorgenommen, die unsere Probleme sogar noch verschlimmert haben. Das wissen wir, und das machen wir ab sofort anders", so Grosjean. "Unser Auto geht sanft mit den Pneus um. Manchmal können wir den Peak der Reifen nicht ganz nutzen, dafür profitieren wir dann in den Rennen von einem konstanteren Grip. Und das ist wichtig: Punkte werden sonntags im Rennen vergeben."

Weitere Tests mit dem veränderten Flügel am Freitag

Und genau dort möchte man am kommenden Sonntag wieder hin: Top 10. "Wir peilen wieder Punkte an. Wenn wir an die Top herankommen und jemand vorne fällt aus, dann kommen wir in die Punkte. Es ist uns völlig klar, dass wenn jemand vor uns Mist baut, dann profitieren wir. Machen wir einen Fehler, dann staubt jemand anderes ab", erklärt Steiner die aktuelle Lage im Gefüge der Mittelfeldteams. Auch Esteban Gutierrez will erste Zähler: "Richtig glücklich macht mich die Schanghai-Zielankuft nicht, denn ich will mehr als das."

Romain Grosjean

Will sich im Grand Prix von Russland weitere Punkte holen: Romain Grosjean Zoom

Auf dem Weg zu weiteren WM-Punkten könnten Updates helfen. In China hatte Haas einen neuen Frontflügel ausprobiert, aber nie wirklich zum Arbeiten gebracht. Man verzichtete auf den Einsatz im Rennen. In Sotschi bekommt die Neuerung eine weitere Chance. "Wir testen ihn im ersten Freien Training noch einmal an beiden Autos und machen back-to-back einige Tests. Dann wissen wir, ob er funktioniert. Bislang hatten wir zu wenig Zeit, um es ordentlich auszuprobieren", sagt der Teamchef.

"Es ist gut, dass wir in Sotschi weitere Runden mit dem neuen Flügel drehen werden. Wir haben hoffentlich ausreichend Zeit, um die Einstellungen dem neuen Bauteil anzupassen. Dann sehen wir, ob wir die Vorteile nutzen können oder nicht", freut sich Grosjean über die anstehende Arbeit in den Freien Trainings am Freitag. "Punkte sind sicherlich wieder möglich, wenn wir unser Setup ordentlich hinbekommen und wieder den Stand vom Saisonstart erreichen."