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Motorenhomologation: Noch ein Treffen ohne Ergebnis

Die Motorenhersteller der Formel 1 sind bei einem weiteren Meeting in Austin erneut nicht vorangekommen: Lockerung der Homologation aber noch nicht vom Tisch

(Motorsport-Total.com) - Mercedes eilt in der aktuellen Formel-1-Saison von Sieg zu Sieg. Als große Stärke der deutschen Werksmannschaft mit Entwicklungsstandorten in Großbritannien gilt der Antrieb. Der V6-Turbo-Hybrid aus Brixworth ist den Aggregaten von Ferrari und Renault eindeutig überlegen. Große Sorge der Mercedes-Konkurrenten: Der Vorsprung der Silbernen bleibt lange Zeit bestehen, weil aufgrund der Homologation die Möglichkeiten der Antriebsentwicklung viel zu stark eingeschränkt sind.

Cyril Abiteboul

Renault-Geschäftsführer Cyril Abiteboul wünscht mehr Freiheit bei der Entwicklung Zoom

Bereits seit Sommer arbeiten Ferrari und Renault an einer Lockerung der Bestimmungen zur Antriebsentwicklung. Für mehr Freiheiten müsste das Reglement verändert werden. Dies geht - zumindest kurzfristig - nicht ohne Zustimmung von Mercedes. Dass die Stuttgarter ihren aktuellen Vorsprung zementieren möchten, liegt in der Natur der Sache. Im Sinne eines ausgeglichenen Wettbewerbs und somit einer womöglich besseren Show in der Formel 1 wären ebenbürtige Antriebe von Ferrari und Renault allerdings wünschenswert.

"Wir müssen endlich Fortschritte erzielen. Wir können nicht darauf warten, was auch immer die Formel-1-Kommission entscheiden mag. Es ist komplett unvernünftig, dass wir uns so viel Zeit für die Entscheidung nehmen, was wir im kommenden Jahr machen. Das kann nicht sein. Wir müssen an einen Tisch", appelliert Renault-Geschäftsführer Cyril Abiteboul im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Seine Techniker in Viry sollen endlich wissen, was in der kommenden Saison erlaubt sein wird und was nicht.

Freie Entwicklung bei fairen Preisen: Geht das?

Ein von Abiteboul gefordertes weiteres Meeting gab es am Samstag in Austin. "Es war ein offenes und gutes Gespräch", sagt der Franzose über das Treffen, an dem auch der künftige McLaren-Partner Honda teilnahm. "Ich bin schon lange in der Formel 1 dabei, und aus meiner Sicht war das eine der offensten, transparentesten und ehrlichsten Gesprächsrunden, bei der alle die Karten auf den Tisch gelegt haben - nur aus Sicht eines Motorenherstellers und was die Leistungsunterschiede sowie die Folgeprobleme für den Sport betrifft. Es ging auch um Bedenken und Kosten."

Bei einer freien Entwicklung der Antriebe wird eine Kostenexplosion aufgrund des Wettrüstens befürchtet. Die Rechnung könnten am Ende die Kunden zahlen müssen, die teils schon jetzt die hohen Raten kaum aufbringen können. Ex-FIA-Präsidenz Max Mosley, ein überzeugter Verfechter der Idee der Kostendeckelung in der Formel 1, hat sich mit einem konkreten Vorschlag eingebracht: freie Antriebsentwicklung bei gleichzeitiger Deckelung der Preise für Kunden.

"Es ist ein interessantes Konzept, ökonomische Variablen in die Entwicklung der Motoren, des Chassis und so weiter einzubringen. Eher noch beim Motor als beim Chassis, weil es dort einen Zulieferer gibt", sagt Abiteboul. "Wir haben das beim neuen Reglement komplett verpasst. Ich kann nicht sagen, was akzeptabel ist und was nicht. Klarerweise wären vier Millionen (US-Dollar; Anm. d. Red.) komplett unrealistisch", so der Franzose. Stand jetzt schlagen die Antriebe für Kunden mit rund 20 Millionen Dollar zu Buche.

"Wir wollen ein Szenario, in dem Renault aufholen kann, weil es uns nicht passt, wo wir stehen. Es passt uns nicht, dass wir nicht die Möglichkeiten haben, so schnell zurückzukommen wie das eigentlich möglich wäre", unterstreicht Abiteboul noch einmal. Er fügt hinzu: "Der Unterschied zwischen uns und Mercedes ist so groß, dass wir die Lücke unabhängig von den Regeln nicht binnen eines Jahres schließen können. Aus meiner Sicht ist Mercedes so oder so auf der sicheren Seite."