powered by Motorsport.com

Mick Schumacher: Das sagt er zu den heißen Alpine-Gerüchten!

Exklusiv: Was Mick Schumacher zu einem möglichen Le-Mans-Start mit Alpine sagt und warum er trotzdem einen Fuß in der Formel 1 behalten könnte

(Motorsport-Total.com) - Mick Schumacher könnte 2024 mit Alpine um den Gesamtsieg bei einem der wichtigsten Autorennen der Welt kämpfen. Das ist das heißeste Gerücht aus Südostasien, wo am kommenden Wochenende der Grand Prix von Singapur stattfindet. Allerdings geht es dabei nicht um das Alpine-Formel-1-Team, sondern um das WEC-Projekt des französischen Herstellers.

Titel-Bild zur News: Mick Schumacher

Mick Schumacher wird 2024 aller Voraussicht nach keine Formel-1-Rennen fahren Zoom

"Gerüchte gibt's immer", sagt Schumacher im Interview mit Motorsport-Total.com, aufgezeichnet am Freitag in Singapur. Gerüchte verbreiten sich heutzutage schnell, weiß er, und ist daher umso vorsichtiger, diese zu kommentieren. Nur so viel: "Manchmal gibt's Dinge, die man erst evaluieren und verstehen muss. Mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen."

Der 24-Jährige hat erst kürzlich in einem Interview mit Sky eingeräumt, dass er mangels Chancen auf ein Renncockpit in der Formel 1 bereits damit angefangen hat, sich einen "Plan B" zurechtzulegen. Und jetzt soll, so heißt es in Singapur, ein Angebot von Alpine-Motorsportchef Bruno Famin vorliegen, inklusive Einladung zu einem ersten Test.

Alpine hat am Rande des diesjährigen 24-Stunden-Rennens in Le Mans jenes Fahrzeug präsentiert, mit dem man ab 2024 in der Langstrecken-WM (WEC) an den Start gehen wird. Das Hypercar A424_β (gesprochen: A424 Beta) soll die französische Marke im besten Fall zum Gesamtsieg bei den legendären 24 Stunden von Le Mans tragen.

Alpine A424_β (Le-Mans-Hypercar)

So sieht der Alpine A424_β für die WEC-Saison 2024 aus Zoom

Mit Mick Schumacher am Steuer? Unverdächtige Frage an den Mercedes-Testfahrer: Magst du eigentlich Prototypen, wie sie in der WEC eingesetzt werden? Schumacher antwortet ausweichend: "Ehrlich gesagt, für mich ... Es geht drum, die Möglichkeiten zu evaluieren, die vorhanden sind, und zu verstehen, welche Möglichkeiten es sonst noch geben könnte. Das ist es, was ich gerade tue."

Auch wenn Schumacher und sein Management nicht darüber sprechen, wie der Plan B aussehen könnte, zeichnet sich dieser immer klarer ab. Der 24-Jährige soll 2024 wieder Rennen fahren, am besten als Werksfahrer in einer prestigeträchtigen und sportlich attraktiven Serie. Und er soll parallel dazu weiterhin Kontakt zur Formel 1 halten.

Mercedes-Angebot an Schumacher steht

Da kommt ein Angebot von Mercedes-Teamchef Toto Wolff gerade recht. Der sagt: "Wäre natürlich unheimlich schade, wenn die Formel 1 Mick verlieren würde. Eine Sache ist klar: Wir verlieren ihn nicht! Wenn sein Engagement bei einem anderen Hersteller erlaubt, bei uns Reservefahrer zu sein, dann werden wir ihn natürlich halten."

In diesem Zusammenhang durchaus praktisch, dass Renault, der Mutterkonzern des Sportwagenherstellers Alpine, und der Mercedes-Konzern bereits im Jahr 2010 eine strategische Zusammenarbeit vereinbart haben. Unwahrscheinlich also, dass sich ausgerechnet Renault querlegen würde, sollte Schumacher weiter Mercedes-Testfahrer bleiben wollen.

Onkel Ralf: Warum die WEC eine gute Idee ist

Und die WEC wäre, zumindest laut Micks Onkel Ralf Schumacher, ein gutes Programm: "Da ist man weltweit unterwegs, als Werksfahrer, mit allen großen Marken, die es da so gibt. Die Autos sind sehr schnell und nicht zu unterschätzen", sagt der Sky-Experte über die Langstrecken-WM und besonders die Hypercars.

"Auf der einen Seite Testfahrer zu bleiben und auf der anderen Seite Rennen fahren zu können, das ist das Entscheidende, denn das sollte man nicht zu lang liegen lassen. Egal welches Rennen, egal welche Rennstrecke, egal welches Überholmanöver - ist immer noch besser als keins! Und vor allem: In so einem hochklassigen Auto ist das sowieso ein super Training."

Übrigens in einem Umfeld, in dem einst auch sein Vater gefahren ist - im weitesten Sinn. Das Formel-1-Team Alpine ist nämlich aus jenem Rennstall hervorgegangen, für den Michael Schumacher die ersten beiden seiner sieben WM-Titel gewonnen hat, damals (1994 und 1995) noch unter dem Namen Benetton.

Wolff: Mick konnte sich bei Haas nicht entfalten

Mick Schumacher verdiene es eigentlich, in der Startaufstellung der Formel 1 zu stehen, findet Toto Wolff. Die Welt habe noch nicht gesehen, wie gut er eigentlich ist: "Wenn du dich in einem Auto über einen längeren Zeitraum nicht wohlfühlst, setzt du dich unter Druck, weil die Leistungen nicht kommen. Und ich glaube, genau das ist ihm bei Haas passiert."

"Er ist schnell. Du kannst nicht die Formel 3 und die Formel 2 gewinnen, wenn du nicht schnell bist. Wenn du dort gewinnst, steckt das Potenzial in dir drin. Aber aus irgendwelchen Gründen war er bisher nicht dazu in der Lage, das zu zeigen", analysiert Wolff.

Albon als Vorbild für ein Comeback?

Jetzt will Schumacher die Resettaste drücken. Dabei einen Schritt zurück zu machen und zumindest vorübergehend auch ein Engagement in einer anderen Rennserie in Betracht zu ziehen, ist Teil dieses Plans. Alexander Albon hat vorgemacht, wie es geht: Nach seinem Rauswurf bei Red Bull Ende 2020 fuhr er 2021 eine Saison in der DTM und kehrte 2022 in die Formel 1 zurück.

"Dabei haben alle geglaubt, dass er nie wieder zurückkehren würde, als er damals mit der DTM angefangen hat. Es gibt da also schon Möglichkeiten", sagt Schumacher. "Das ist etwas, was du verstehen und evaluieren musst, was diese Möglichkeiten sind. Das ist genau der Prozess, in dem wir uns gerade befinden."

2024 wird bereits die zweite Saison hintereinander sein, in der Schumacher keine Formel-1-Rennen fährt. Zum Vergleich: Kimi Räikkönen setzte 2010 und 2011 aus, ehe er 2012 zu Lotus zurückkehrte. Und auch Fernando Alonso fuhr zwei Jahre lang keine Formel-1-Rennen. Er hörte 2018 auf und feierte 2021 ein Comeback.

Zwei Jahre Pause: Das sagt Schumacher

"Idealerweise würde ich gern so früh wie möglich wieder Rennen fahren", sagt Schumacher. "Dieses Jahr habe ich die Entscheidung getroffen, keine Rennen zu fahren, weil ich mich zu 100 Prozent auf das Thema Formel 1 fokussieren wollte. Aber ja, ich denke schon, dass ich nächstes Jahr idealerweise wieder Rennen fahren werde."

Er unterstreicht: "Ich glaube nicht, dass ich das Kapitel Formel 1 bald schließen muss. Es hat schon Situationen gegeben, da sind Fahrer nach drei, vier Jahren zurückgekehrt. Jetzt gerade ist mental keine einfache Zeit für mich. Aber es geht drum, weiter zu kämpfen und es wirklich zu probieren. Das versuche ich jetzt."