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Michael-Interview: "Leistungsschwankungen sind normal"

Williams-Technikchef Sam Michael beschreibt den Entwicklungsablauf beim neuen FW31 und die Aussichten bezüglich KERS: "Es wird knapp"

(Motorsport-Total.com) - Williams sucht in den Regeländerungen seine Chance. Schön früh stellte das britische Traditionsteam alle Weichen für eine intensive Entwicklung in Richtung 2009, während die Fortschritte im vergangenen Jahr mit dem Vorgändermodell deutlich darunter litten. Auch wenn man alles auf eine Karte setzt, hat man keinerlei Garantie für Erfolg. Technikchef Sam Michael äußerte sich daher am Montagabend in einer Presserunde auch recht zurückhaltend.

Sam Michael

Williams-Technikchef Sam Michael stellt KERS in der Prioritätenliste nach hinten

Frage: "Sam, ihr habt sehr früh mit der Entwicklung des FW31 begonnen. Habt ihr euch in der Bereichen Aerodynamik und KERS daurch einen Vorsprung erarbeiten können?"
Sam Michael: "Das müssen wir im Bereich Aerodynamik mal abwarten. Wir sind erst einen Tag lang gefahren und es ist nach einem solchen Tag unmöglich zu erkennen, wer wo steht. Man wird das ohnehin während der Wintertest kaum sehen können, weil die Teams immer andere Konfigurationen fahren. Ich denke, man muss mal fünf oder sechs Rennen abwarten. Erst dann kann man eine Hackordnung ausmachen."#w1#

Williams stellte früh auf 2009 um

"Die Regeln wurden im Oktober 2007 veröffentlicht und wir haben sofort mit der Arbeit begonnen. Unseren ersten Versuch im Windkanal hatten wir im Dezember 2007. Ich glaube aber nicht, dass wir uns da großartig von anderen Teams unterscheiden. Der Unterschied war, dass wir schon im April 2008 viele Ressourcen auf die neue Entwicklung verlegt haben, was sich natürlich bei den Fortschritten mit dem FW30 bemerkbar machte. Das konnte man in der zwieten Saisonhälfte 2008 sehen."

"Bei KERS würde ich sagen, dass BMW und Mercedes den größten Vorsprung haben und nicht Williams." Sam Michael

"Wir haben trotzdem so entschieden, weil wir für 2009 große Chancen sahen. Das hätten wir 2008 so nicht erreichen können. Ob es sich auszahlt oder nicht, weiß ich noch nicht. Natürlich stellt man sich das so vor. Im Bereich Aerodynamik kann man noch nicht erkennen, wer was auf Lager hat. Bei KERS würde ich sagen, dass BMW und Mercedes den größten Vorsprung haben und nicht Williams. In diesem Bereich haben wir noch einen weiten Weg vor uns."

Frage: "Im vergangenen Jahr gab es von Strecke zu Strecke große Leistungsunterschiede bei euch. Hat man das in den Griff bekommen?"
Michael: "Unsere Leistungen in der zweiten Hälfte der Saison litten unter der Entwicklung für 2009. Einige Teams haben bis zum allerletzten Rennen Fortschritte gemacht und haben immer neue Teile gebracht, vor allem McLaren hatte sogar noch in Brasilien Neuteile am Fahrzeug. Wir dagegen hatten in den letzten zehn Rennen keinerlei Updates mehr, weil wir einfach nicht beide Entwicklungen parallel betreiben konnten."

"Jedes Auto hat seine Stärken und Schwächen, aber die Entwicklungsgeschwindigkeit ist der Schlüssel zu allen Erfolgen. Wenn du bei der Entwicklung des einen Fahrzeugs etwas änderst, schlägt sich das direkt bei den Entwicklung des anderen Autos nieder. Die Leistungsdichte in der Formel 1 ist dermaßen eng geworden, es gibt keine schlechten Teams mehr. Alle Mannschaften haben gute Strukturen und ein perfektes Verständnis von einem solchen Formel-1-Auto. Die Dinge, die letztlich den Unterschied ausmachen, sind minimal."

Schwankungen gehören zur Formel 1

Frage: "Zu Beginn der Saison war euer Auto aber auf einigen Strecken schnell und auf schnellen Pisten eher langsam. Wird das durch die neuen Regeln jetzt ausgeglichener sein?"
Michael: "Das ist doch bei jedem Team so. Wenn man sich Ferrari oder McLaren anschaut, dann haben sie doch das gleiche Problem. Es gibt Strecken, wo sie stark sind und auch Strecken, wo sie eher schwach sind. Das relativiert sich alles. Es geht doch nur um Schwankungen von ein paar Zehntelsekunden."


Fotos: Präsentation des Williams-Toyota FW31


"Sie hatten einfach ein Auto, welches grundsätzlich um acht Zehntelsekunden schneller war als unseres. Selbst wenn du ein konkurrenzfähigeres Auto hast, bedeutet das nicht, dass du keine solchen Schwankungen hast. Traditionell ist Williams immer stark auf Stadtkursen. McLaren ist auf Stadtkursen auch immer stärker als Ferrari, dagegen ist Ferrari meist auf schnellen Strecken besser."

"Man spricht da aber nur über zwei oder drei Zehntelsekunden. Im vergangenen Jahr hat uns das gleich mal zehn Plätze gekostet. Solange die Regeln immer nur leicht verfeinert werden, schlägt sich diese Schwankung immer stärker nieder. So etwas gab es aber immer schon. Selbst als wir 2003 um Grand-Prix-Siege fuhren, hatten wir zum Beispiel in Silverstone kein gutes Rennen. Trotzdem sind wir noch Dritter oder Vierter geworden, weil das Gesamtpaket gut war. Dann kamen wir auf einen Stadtkurs und haben um Längen gewonnen. Solche Schwankungen von Strecke zu Strecke sind normal. So etwas steckt in der Philosophie eines Autos und wenn gewisse Charakteristiken einmal drin stecken, dann sind sie über einen langen Zeitraum verankert."

KERS muss noch warten

Frage: "Es gibt nur noch 19 Testtage. Werdert ihr bei der Entwicklung von KERS nervös? Solltet ihr euch entscheiden, beim Saisonstart nicht mit KERS anzutreten, dann würdet ihr es ohne weitere Tests mittendrin einbauen?"
Michael: "Es wird knapp, KERS bis Melbourne komplett hinzubekommen, weil wir auch noch viele andere Dinge erledigen müssen. Wir müssen die Kühlung im Griff haben und das Getriebe und viel andere Sachen müssen erst einmal vernünftig laufen. Wir wollen sicherstellen, dass unser aerodynamisches und unser mechanisches Paket stabil funktioniert, bevor wir uns dann um KERS kümmern und es einbauen."

Der neue Williams FW31 hat zunächst nur eine Übergangslackierung Zoom

"Wenn man im Bereich Aerodynamik oder Mechanik etwas falsch macht, kann man Sekunden verlieren. KERS kann dir aber nur zweieinhalb bis drei Zehntelsekunden bringen - und auch nur dann, wenn es zu 100 Prozent zuverlässig ist. Das ist wichtig. Diese zweieinhalb bis drei Zehntelsekunden können im Verlauf der Saison wichtig werden. Aber zum Start muss man erst einmal sehen, dass man das aerodynamische und mechanische Setup gut hinbekommt und man die Slicks gut nutzt."

"Bezüglich der zweiten Frage: Wegen des Testverbots ist es natürlich schwierig, solche neuen Elemente während der Saison einzubauen. Aber es ist nicht unmöglich. Man kann es freitags ausprobieren, außerdem gibt es ja Prüfstände und Testumgebungen in der Fabrik, um gewisse Dinge auszusortieren. Ein System wie KERS erst im Verlauf der Saison zu bringen ist schwierig, aber nicht unmöglich."

Frage: "Welche Ziele habt ihr für dieses Jahr?"
Michael: "Die Hauptsache ist, dass wir unsere Leistung weiter verbessern und gleichzeitig finanziell verantwortlich handeln und unsere Effizienz aufrecht erhalten. Williams hat schon Rennen und Titel gewonnen und alle in der Firma wollen auf dieses Niveau zurück. Unser Ziel ist es, uns unter den gegebenen Möglichkeiten bestens zu verkaufen. Ich bin sicher, dass wir das Team in einem guten Licht darstellen können."

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