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Michael fühlt sich bei McLaren schon "wie zu Hause"

Der neue McLaren-Sportdirektor Sam Michael fühlt sich in Woking pudelwohl und erklärt die Unterschiede zu seinem bisherigen Arbeitgeber Williams

(Motorsport-Total.com) - Sam Michael wechselte Ende des vergangenen Jahres gleich in doppelter Hinsicht die Fronten. Der ehemalige Williams-Technikchef siedelte zum Konkurrenten McLaren über und übernahm in Woking die Rolle des Sportdirektors. Bei seinem neuen Arbeitgeber fühlt sich der Australier bereits nach seinen ersten drei Monaten pudelwohl, wie er anlässlich der Vorstellung des McLaren-Mercedes MP4-27 betont.

Sam Michael (Technischer Direktor)

Sam Michael steht vor seiner ersten Saison als Sportdirektor bei McLaren

"Ich bin sehr stolz darauf, für McLaren zu arbeiten, auch wenn ich noch nicht lange dabei bin", so Michael. Im Unterschied zu Williams hält er fest: "Dieses Unternehmen ist wie eine große Familie. Es gibt hier eine Menge Leute, denen es wichtig ist, gute Verbindungen untereinander aufzubauen." Diese Tatsache mache in einer von starkem Druck geprägten Umgebung den Unterschied. "Es ist besser als ich es erwartet hätte und spornt dich selbst zu noch besseren Leistungen an", so Michael.

In Anspielung auf die Aussage von McLaren-Pilot Jenson Button, wonach die Stärke des Teams in der Tiefe der Organisation liegt, geht der neue Sportdirektor noch einen Schritt weiter. "Bei McLaren ist nicht nur das Rennteam mit außerordentlichem Fachwissen besetzt, sondern das gesamte Unternehmen. Was mich nach meinen ersten Tagen für McLaren wirklich beeindruckt hat, war das hohe Niveau innerhalb der Entwicklungsabteilung. Hier geht es nicht nur um den Technikchef und den Chefingenieur. Es sind alle Leute, die unter ihnen arbeiten, die den Unterschied machen."


Fotos: Präsentation des McLaren-Mercedes MP4-27


Dieses tiefgreifende Fachwissen könne man laut Michael "nicht ebenso um die Ecke kaufen". "Es ist nicht wie bei einem Fahrwerksdynamik-Prüfstand, den du erwirbst, aufbaust und überholst. Das Wissen bei McLaren ist durch die Leiter des Unternehmens über Jahre eingeträufelt worden. Es ist in diesem Unternehmen tief verwurzelt, was es für mich sehr interessant macht, hier zu arbeiten."

Michaels Ziel: Neue Standards setzen

Eines hat der neue Sportdirektor bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit festgestellt: "Es gibt bei McLaren niemanden, der sich neuen Ideen verschlossen gegenüberstellt. Das ist toll zu sehen. Wenn du neu zu einem Team hinzustößt, bringst du immer eine neue Perspektive in die bestehenden Abläufe - seien es die Boxenstopps oder auch das Design des Autos." Für Michael ist genau das eine weitere Stärke dieses Unternehmens. "Die Leute hier gehen von Beginn an offen an neue Aufgaben heran. Es ist wichtig, ohne Arroganz an neue Ansätze heranzugehen", stellt er heraus.

Jonathan Neale, Sam Michael

Geschäftsführer Jonathan Neale, Sportdirektor Sam Michael und der MP4-27 Zoom

Seine Hautaufgabe bei McLaren sieht der ehemalige Williams-Technikchef darin, "das Rennteam auszusortieren", wie er sagt. "Mein Hauptaugenmerk wird an der Strecke liegen. Wir finden dort bereits eine sehr gut geölte Maschine vor. Nun muss es darum gehen, neue Standards zu setzen, anstatt sich mit den bisherigen zufrieden zu geben", so der Australier. "Das gilt sowohl für die Qualität in Bezug auf die Arbeit am Auto, hinsichtlich der operativen Zuverlässigkeit als auch der Struktur des Rennteams."

Aufgrund der Tatsache, dass Michael erst vor drei Monaten zum Team stieß, konnte er auf die Entwicklung des neuen MP4-27 kaum Einfluss nehmen. "Als ich anfing, waren 90 Prozent des Autos bereits entworfen", hält der Australier fest und fügt hinzu, dass es noch eine Weile brauchen wird, bis er die Abläufe vollständig durchschaut hat: "Du lernst ein Unternehmen nicht innerhalb von drei Monaten vollständig kennen. Ich kann nur sagen, dass sich bisher alles äußerst positiv anlässt."

Chemie bei McLaren stimmt

In seinem neuen Umfeld fühlt sich Michael nicht nur bezogen auf die Aufgabe wohl. Auch menschlich stimmt die Chemie bei McLaren, wie der Australier betont. "Was die Ingenieure bei McLaren betrifft, so kenne ich die meisten bereits aus den vergangenen Jahren aus der Boxengasse. Ich habe bis vor kurzem zwar noch nicht mit ihnen zusammengearbeitet, aber ich kenne ihre Persönlichkeiten. Es ist für mich sehr erfrischend und aufbauend, jetzt mit diesen Leuten zu arbeiten."

Auch die beiden Fahrer Jenson Button und Lewis Hamilton sind für Michael keine Unbekannten. "Ich kenne auch die Fahrer ein wenig", sagt er und präzisiert: "Jenson fuhr in der Vergangenheit für Williams, auch wenn das vor meiner Zeit war. Lewis kenne ich ebenfalls aus diversen Gesprächen in der Boxengasse."

Lewis Hamilton, Jenson Button und der McLaren-Mercedes MP4-27

Lewis Hamilton und Jenson Button sind für Sam Michael keine Unbekannten Zoom

So hält der neue McLaren-Sportdirektor abschließend fest: "Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass wir einen Fehler kein zweites Mal begehen. Wir müssen spezifische Prozesse definieren, die das garantieren." Zum Großteil wurde dies jedoch bereits vor seiner Ankunft im Team umgesetzt, wie der Australier betont.

Ähnliches gelte für Reifenhersteller Pirelli. "Auch sie sind ein von Technologie geprägtes Unternehmen, das genau wie ein Rennteam stets bestrebt ist, sich weiter und weiter zu verbessern", so Michael mit Blick auf die in diesem Jahr neuen Reifenmischungen des italienischen Alleinausrüsters, von denen sich McLaren eine Verkürzung des Rückstands auf Red Bull verspricht.