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Mercedes von Taktik überzeugt: Risiko-Philosophie richtig

Toto Wolff lässt auf seinen Strategen nichts mehr kommen: Man habe Ferrari nur ohne zweiten Boxenstopp attackieren können und am Ende einen Platz gewonnen

(Motorsport-Total.com) - Die Mercedes-Verantwortlichen sind nach dem Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone am Sonntag überzeugt, die richtige Boxenstrategie angeschlagen zu haben. Nur eine Woche nach dem Taktik-Debakel beim Rennen in Spielberg standen die Silberpfeile erneut vor einer schwierigen Entscheidung unter Zeitdruck, meisterten sie aber mit Bravour - findet jedenfalls Sportchef Toto Wolff.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton kam nur einmal an die Box, was Mercedes für goldrichtig hält Zoom

Es geht um die 33. Runde, als alle planmäßigen Reifenwechsel absolviert waren und Ferrari-Pilot Sebastian Vettel vor Valtteri Bottas und dem fünftplatzierten Lewis Hamilton einem lockeren Sieg entgegenfuhr. Als plötzlich das Safety-Car ausrückte, musste Mercedes sich für oder gegen einen weiteren Stopp entscheiden und beließ die Piloten draußen. "Es war absolut richtig", sagt Wolff.

Gleich mehrere Argumente sprachen für diese Variante, die Bottas in Führung brachte und Hamilton auf den dritten Rang vorspülte - allerdings auf abgenutzten Reifen. Erstens: Die Mercedes rollten auf der Medium-Mischung und damit auf der haltbareren Variante der zwei Rennreifen. Hamilton (zwölf Runden) und Bottas (acht Runden) waren zudem noch nicht lange auf den Pneus unterwegs.

"Es schien so, als würden sie durchhalten", meint Wolff. Allerdings war der Finne in den Trainings keinen Longrun auf den Mediums gefahren - zumindest bei ihm stand ein Fragezeichen hinter der Kalkulation. Doch die Alternative wären keine neuen Reifen gewesen. Weder Hamilton noch Bottas verfügten im Rennen über frische Softs. Es wäre für beide Autos lediglich ein gebrauchter Satz, mit dem im Qualifying schon drei Runden gefahren wurden, verfügbar gewesen. Auch ein Risiko.

Hinzu kam: Als Vettel selbst an die Box abbog, war klar, dass sich mit einem Reifenwechsel wohl kaum Boden würde gutmachen lassen. Mercedes hätte die Track-Position gehalten und wäre auf ähnlich guten Gummis unterwegs gewesen. "Beide Fahrer mussten also das Gegenteil von ihm tun", sagt Wolff, "denn beide Strategien waren realistisch und es war eine Münzwurfentscheidung."

Nach den Eindrücken aus dem ersten Stint, als Bottas die Lücke auf Vettel gegen Ende von 5,9 auf 2,1 Sekunden eingedampft hatte, war sich Mercedes zwar sicher, das reifenschonendere Auto zu haben und gegen Ende schnellere Rundenzeiten zu realisieren. "Aber ich denke nicht, dass es genug gewesen wäre. Um auf dieser Strecke zu überholen, brauchst du ein größeres Delta", so Wolff.

Deshalb stand die Mercedes-Crew auch für Hamilton und Bottas bereit. Nämlich für den Fall, dass Vettel weitergefahren wäre. Dann hätte man die Piloten zum Stopp beordert und versucht, mit frischeren Reifen eine Attacke zu fahren. Doch Ferrari diktierte in diesem Fall die Strategie, was eine Chance eröffnete: "Es war wichtig, in Sachen Track-Position nach vorne zu kommen", weiß Wolff.

Neben einer taktischen eine philosophische Entscheidung: "Wir wollen aggressiv sein, was andere lieber vermeiden. Es geht darum, fair und aufrichtig Rennen zu fahren sowie das beste Auto zu bauen. Diese Dinge liegen in unserer Hand." Obwohl Bottas den Sieg verlor und von Rang eins auf vier durchgereicht wurde, stand Mercedes dank des zweit- statt fünftplatzierten Hamilton am Ende besser da als vor der Safety-Car-Phase. Rein rechnerisch gesehen war die Strategie also ein Erfolg.

"Gemessen daran, wie das Rennen begonnen hat, müssen wir das Ergebnis als okay akzeptieren. Es war Schadensbegrenzung", findet Wolff. Der Einzige, der mit der Mercedes-Strategie nicht einverstanden war, ist - das ist angesichts des Resultats nicht verwunderlich - Bottas: "Wir hätten stoppen sollen, um zumindest die Position zu halten. Das Rennen war für mich fünf Runden zu lang."

Spürbar ist auch: Eine neuerliche Debatte um Chefstratege James Vowles will Wolff im Keim ersticken. Er diskutiert die Güte der Mercedes-Taktiken nicht, sondern fordert, das Auto schneller zu machen und die Starts zu verbessern, um nicht in brenzliche Rennsituationen zu gelangen. Schließlich kam Räikkönens Startkollision mit Hamilton nur zwei Wochen nach der Attacke Vettels auf Bottas in der ersten Runde von Le Castellet. "Daran können wir selbst etwas ändern", betont Wolff.

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